Akquiseerfahrungen: Ebay Kleinanzeigen

Seit ich mich selbst um Kunden bemühe, habe ich des Öfteren daran gedacht, über meine Erfahrungen in diesem Feld zu schreiben. Anstatt eine große Serie über den Einstieg in die (Lektoren-)Selbstständigkeit zu beginnen, fange ich erstmal kleiner an. Rosinenpickerei gewissermaßen.

Die erste Frage könnte lauten: „Ebay Kleinanzeigen? Warum?“ So hundertprozentig sicher bin ich bis heute nicht. Ich habe ab und zu Dinge darüber gekauft oder verkauft. Ich habe auch gesehen, dass dort Dienstleistungen angeboten werden. Zugegeben, nicht immer übermäßig seriös wirkend. Aber es schien mir wohl so, als ob es dort eine Menge potenzielle Kunden gäbe. Und kostenlos ist das Inserieren ja auch.

Ich hatte ein bisschen experimentiert und mich schließlich für eine Anzeige entschieden, in der ich als Bild einfach das Wort Korrektur in schwarz auf weiß gewählt hatte, anstatt auf Stockfotos mit Buntstiften, roten Finelinerkringeln o. Ä. zu setzen. Dazu ein freundlicher, werbender Text mit kurzen Infos und dem Verweis auf meine Seite. Irgendwelche zahlungspflichtigen Dienstleistungen, wie die Priorisierung meiner Anzeige, hatte ich für mich ausgeschlossen und auch nicht gebucht.

10 Anfragen in zwei Monaten – null Aufträge

Die Anzeigen liefen etwa zwei Monate, inzwischen habe ich sie auslaufen lassen. Die Bilanz: etwa 10–12 Kontaktaufnahmen und null Aufträge. Auffällig war die große Unverbindlichkeit: Die meisten Interessenten schrieben, ich antwortete – und hörte nie wieder etwas. Klarnamen gab es ohnehin nicht, ab und an eine Handynummer. Einmal habe ich nachgefragt – und wiederum keine Antwort bekommen. In einem Fall bin ich zu einem Treffen gefahren – es ging dabei um das Erstellen von Texten für einen Gartenmöbel-Shop. Die Besprechung lief gut, wir waren uns sympathisch. Aber nachdem ich meine Kalkulation übermittelt hatte, habe ich nicht mal mehr eine Absage bekommen.

Adjektive prägen Preisvorstellungen

Und genau da liegt der Knackpunkt. Harry Keller, den ich während der Typo Talks als Mitglied des News-Teams kennengelernt habe und der Mitbegründer einer Agentur ist, schreibt in seinem „Weekly Recap“ (Nr. 19), dass man ein Projekt im Gespräch mit dem Kunden niemals „Microsite“ nennen sollte, weil danach alle denken, dass so eine kleine Seite nichts kosten dürfe. Und das gilt eben nicht nur für Agenturakquise. Das Adjektiv klein gibt die Richtung vor. Wer in einem Portal wie „Ebay Kleinanzeigen“ sucht, der hat eine gewisse Erwartungshaltung. Nämlich Dinge gebraucht und günstig zu bekommen. Hätte ich eigentlich wissen können. Schließlich habe ich vor Jahren eine Studienarbeit zum Thema Preis- und Warenpsychologie geschrieben. Aber nichts ersetzt Feldversuche!

Es gibt immer noch viele Korrekturangebote auf „Ebay Kleinanzeigen“ und einige davon sind auch finanziell gestützt. Mag sein, dass die Kolleginnen und Kollegen die Hoffnung mögen. Ich denke, bei mir war es genau das. Werbung, die nichts kostet. Eine Art Eintrag ins Branchenbuch. Ich fand es angenehm, aufregend und irgendwie beruhigend, ab und an über „Ebay Kleinanzeigen“ angeschrieben zu werden. Da war immer dieser Moment: „Ha, diesmal klappt es vielleicht.“ Aber ich denke, man bekommt am ehesten die Kunden, die man umwirbt. Und in diesem Fall ist es die preisbewusste Zielgruppe mit Hang zum Sonderangebot. Akquise über „Ebay Kleinanzeigen“ funktioniert also am ehesten dann, wenn man seine Dienstleistung zum Schnäppchen macht. Falsche Richtung für mich.

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