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Großschreibung nach Doppelpunkt? In diesen Fällen geht es großgeschrieben weiter

Der Doppelpunkt als Zeichen der Ankündigung bringt eine häufige Frage mit sich, das merke ich in der Korrektur. Wie weiter, wenn er gesetzt wurde? Großschreibung nach dem Doppelpunkt, Kleinschreibung? In diesem Beitrag will ich die Antwort und eine Erklärung liefern. Karacho-Kenner wissen es bereits: Eine Zusammenfassung des Beitrags für alle Eiligen gibt es am Ende des Artikels.

Im Alphabet steht er zwischen Doppelprogramm und Doppelqualifikation. Der Duden kennt ihn als „Satzzeichen in Form zweier übereinanderstehender Punkte“. Selbst wer ihn nicht aktiv setzt, verwendet ihn ziemlich sicher; der Doppelpunkt ist ein Grundbaustein von Smileys. Als Satzzeichen wird er zur Trennung von Worten oder Einheiten schon lange verwendet. Man findet ihn zum Beispiel auf dem Nestorbecher von Ischia aus dem 8. Jahrhundert v. Chr., dort setzt er Versteile voneinander ab.
Während Smileys ganz einfach zusammengesetzt werden, ist die Schreibung nach dem Doppelpunkt bestimmten Regeln unterworfen, die ich an dieser Stelle erläutern möchte.

Großschreibung nach Doppelpunkt: Substantive und Eigennamen bleiben, wie sie sind

Wer den Doppelpunkt als Satzzeichen verwendet, stellt sich fast immer die gleiche Frage: Wann geht es nach dem Doppelpunkt großgeschrieben weiter, wann klein?

Zuerst das Einfache: Substantive und Eigennamen werden nach Doppelpunkt wie üblich großgeschrieben. Es gab nur eine, die ich wollte: Tina. Auch wenn eine direkte Rede folgt, wird großgeschrieben. Sie fragte: „Wen willst du?“

Sätze nach Doppelpunkt: Groß weiter, wenn sie als selbstständig gelten, sonst folgt Kleinschreibung

Darüber hinaus folgt die Großschreibung, wenn nach dem Doppelpunkt ein selbstständiger Satz folgt.

  • Eines war mir schon immer klar: Ich wollte Tina.
  • Paul, Georg, Ole: Das sind alles tolle Männer.

Wenn man einen eigenständigen Satz nach dem Doppelpunkt als Zusammenfassung des vorher Gesagten auffasst, kann ein solcher Satz auch kleingeschrieben weitergehen. Im Prinzip könnte in diesem Fall auch ein Gedankenstrich statt des Doppelpunktes stehen. Also: Paul, Georg, Ole – das sind alles tolle Männer. Genauso geht: Paul, Georg, Ole: das sind alles tolle Männer.
Andersherum können auch Sätze, die nicht selbstständig sind, als in sich geschlossene Sinneinheit angesehen werden. Wenn man den Doppelpunkt auch durch einen Punkt ersetzen könnte, folgt Großschreibung.
Paul, Georg und Ole helfen wo sie können: Alles tolle Männer.

Grundsätzlich gilt aber, dass unselbstständige Einzelwörter oder eine Wortgruppe nach dem Doppelpunkt kleingeschrieben werden.

  • Heute in der Kantine: drei Grützwürste mit Kartoffelbrei.
  • Ich wusste nur eines: dass ich Tina wollte.

In Überschriften bleiben die beschriebenen Regeln gleich

All diese Regeln gelten übrigens 1:1 für Überschriften. Wenn sich eine Erläuterung durch nämlich, das heißt, das ist, zum Beispiel und dergleichen anschließt, steht immer ein Komma statt des Doppelpunktes.

Doppelpunkte überall

Was Texter wissen: Doppelpunkte können glücklich machen, indem sie strukturieren, den Leser auf das Kommende aufmerksam machen, eine Begründung, Erläuterung und Fortführung ankündigen. Und sie scheinen eine schier unerschöpfliche Quelle für Benennungen zu sein. So gibt es eine Agentur mit dem Namen Doppelpunkt, aber auch ein evangelisches Wochenmagazin oder eine Publikation der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Und auch das dgs-doppelpunkt Fortbildungsinstitut für Sprachheilpädagogik macht seinem Namen alle Ehre. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, Sprachdoppelpunkte allerorten in der Google-Ergebnisliste.

Wie bei jedem anderen Satzzeichen auch sollte sich allerdings keine Flut an Doppelpunkten über den Text ergießen. In einigen Projekten habe ich schon Vorgaben gefunden, dass man zum Beispiel Doppelpunkte oder Gedankenstriche nur einmal pro Absatz verwendet. Gerade beim Lesen am Bildschirm wirkt der Text sonst schnell überladen.

Diesen Beitrag habe ich zuerst am 7. März 2016 veröffentlicht und am 16. Januar 2019 grundlegend überarbeitet und erweitert.

Titelbild: Mel Poole on Unsplash

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

Großschreibung folgt nach dem Doppelpunkt bei selbstständigen Sätzen, direkter Rede, Substantiven, in sich abgeschlossenen Sinneinheiten und Eigennamen.

Nach dem Doppelpunkt geht es klein weiter, wenn Einzelwörter oder Wortgruppen folgen oder wenn ein selbstständiger Satz als Zusammenfassung des Gesagten verstanden wird.

Ein wenig Web-Statistik zu einem meiner Blogbeiträge

Grammatik, Rechtschreibung, Stil: Dinge, die mich natürlich interessieren. Genauso interessant finde ich aber alle Aspekte, die mit dem Internet, mit Suchmaschinen, Algorithmen und Co. zu tun haben. An meinem Blogbeitrag Wie schreibt man ein gesundes neues Jahr? Groß oder klein? lässt sich z. B. hervorragend ein zeitlich eingegrenztes Suchverhalten beobachten.

Veröffentlicht habe ich den Beitrag am 8. Dezember 2017, für die Suchmaschinen hat er beim letzten Jahreswechsel aber noch keine Rolle gespielt. Meine Beiträge finden sich im Allgemeinen nach 1 bis 2 Wochen im Ranking wieder, in diesem Fall hat Google den Beitrag zum ersten Mal Anfang Januar gerankt. Man sieht das an der lila eingefärbten Linie. Im Verlauf des Jahres schwankte die Position bei Google ziemlich, der Artikel war also „noch nicht so richtig angekommen“. Anfang November änderte sich das schließlich, mein Beitrag hatte sich auf Position 2 festgesetzt.

Auswertung Zugriffe Blog-Beitrag Gesundes Neues Jahr Lektorat Christian Wöllecke

Für die Zugriffszahlen spielte das alles noch keine Rolle, denn im November suchen nur die wenigsten Menschen danach, wie man „ein gesundes neues Jahr“ schreibt. Dass sich das ändern würde, war mir natürlich klar. Ich hatte allerdings keine Idee, wie viele Zugriffe der Beitrag haben würde und wie sie sich verteilten. Da mindestens 90 Prozent oder mehr der Zugriffe über Google erfolgen, konzentriere ich mich weiter auf diese eine Suchmaschine.

Die meisten Zugriffe gab es in den ersten beiden Wochen des neuen Jahres

Ich hatte vermutet, dass es sehr viele Zugriffe in der Woche vor Weihnachten geben würde, da sich meine Seite und meine Leistungen ja vor allem an Geschäftskunden richten. Es gab auch tatsächlich höhere Zugriffe, in der Spitze um die 300; vorher hatte ich meist 5 bis 10 Zugriffe pro Tag gehabt, also eine ordentliche Steigerung.

Auswertung Zugriffe Blog-Beitrag Gesundes Neues Jahr Lektorat Christian Wöllecke
Gleichzeitig hatte ich mich aber dahingehend verschätzt, dass viele Besucher und Besucherinnen die Schreibweise vor dem Jahreswechsel abfragen würden, beispielsweise für Grußkarten. Die meisten Zugriffe – um die 1200 an Spitzentagen – gab es in den beiden ersten Wochen des neuen Jahres. Hier wird es sich sehr wahrscheinlich um das schnelle Suchen nach Formulierungen für E-Mails etc. handeln.

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Der Beitrag hat eine außergewöhnlich hohe Click-trough rate – mit einer Delle an den Feiertagen

Es gibt aber mit dem Blick auf Google eine interessante Bewegung in der sogenannten CTR, der Click-trough rate (grüne Linie). Sie gibt an, wie oft ein in der Suche angezeigter Artikel auch tatsächlich angeklickt wurde. Diese Rate schwankt, je nachdem wie spezifisch ein angezeigter Beitrag bzw. die angezeigte Vorschau bei Google zur Suche eines Nutzers bzw. einer Nutzerin passt. Für viele Artikel liegt er bei mir zwischen 1 und 4 Prozent.

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Die durchschnittliche CTR für meinen Neujahrsbeitrag liegt hingegen bei 11 Prozent. Der Wert wäre noch höher, aber es gab um den Jahreswechsel herum eine ordentliche Delle. Extrem viele Menschen suchten im Vergleich zu den sonstigen Tagen am Silvesterabend nach der korrekten Schreibung, auch meine Klicks (dunkelblaue Linie) stiegen an; aber im Vergleich zum Zeitraum davor und danach fiel die Klickrate mit 3 Prozent mager aus, auch die Position war kurz abgerutscht. In den Wochen, in denen vermutlich vorrangig im beruflichen Kontext gesucht wurde, stieg die CTR auf 30 Prozent.

Diese hohe Klickrate hat sicher etwas damit zu tun, dass die Leute ziemlich genau das finden, was sie wollen. Die Fragestellung ist sehr klar umrissen, die Antwort direkt und einfach möglich. Inwiefern meine These von privater und geschäftlicher Nutzung zutrifft, lässt sich allerdings nicht validieren.

Da ich kein weitergehendes Data-Mining betreibe, kann ich nichts Genaues zum Nutzerverhalten sagen, dies ist für mich im Moment aber auch weitgehend irrelevant. Meine Blogbeiträge sind ein probates Mittel, um die Wirkung von Texten und SEO-Optimierung in Bezug auf Google und die Suchmaschinenplatzierung auszutesten. Das ist auch schon Gold wert. In diesem Sinne noch ein frohes und gesundes neues Jahr!

Titelbild: on Unsplash

Bürourlaub vom 13. Dezember 2018 bis 1. Januar 2019

Ein paar Tage hat 2018 noch, aber ich verabschiede mich bereits heute von Ihnen für dieses Jahr. Ich bedanke mich für die vielen spannenden und interessanten Projekte, durch die ich in den letzten 12 Monaten wieder eine Menge Neues ganz nebenbei kennengelernt habe – einer der vielen Vorteile meines schönen Berufes.

Im nächsten Jahr geht es unter anderem im digitalen Bereich weiter. Aktuell beschäftige ich mich neben dem Lektorat intensiv mit der Optimierung von Webtexten. Hier geht es sowohl um eine gute Lesbarkeit, aber auch das Schreiben für Suchmaschinen teste ich weiterhin aus.

Allen Besuchern und Besucherinnen meiner Website, Kunden und Kundinnen, Kollegen und Kolleginnen wünsche ich ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Und wenn es dann so weit ist, natürlich auch ein gesundes neues Jahr.

Ich hoffe, wir begegnen uns bald wieder. Ich bearbeite eingehende Aufträge und Anfragen ab dem 2. Januar 2019.

Beitragsbild: Photo by erin walker on Unsplash

Semikolon: weder Komma noch Punkt. Wann sollte man es setzen?

Das Semikolon – auch Strichpunkt genannt – macht sich in vielen deutschen Texten rar. Und das nicht nur, weil es für Augenrollen bei allen Freunden fester Regeln sorgt. Darum will ich heute darüber schreiben, wann man ein Semikolon setzen kann. Am schnellsten informiert wie immer die Zusammenfassung am Karacho-Montag. Allen anderen sei der gesamte Text empfohlen.

Eins vorweg: Wer darauf hofft, dass man etwas völlig Verbindliches über das Semikolon sagen kann, wird enttäuscht. Das Semikolon ist ein Zwitter aus Komma und Punkt. Es schiebt sich ein wenig aus dem Regelkanon der deutschen Sprache. Das Semikolon kann freier als andere Satzzeichen verwendet werden, es trennt stärker als ein Komma, aber schwächer als ein Punkt. Dagegen ersetzt es nicht die Gedankenstrich. Bevor ich trotzdem ein paar Empfehlungen gebe, wie man das Semikolon benutzt, hier noch ein wenig Wissen für den nächsten Party-Small-Talk. „Wusstest du übrigens, dass ein Semikolon wie das Komma zwei Pluralformen hat? Ja … tatsächlich, Semikolons oder Semikola.“

Wann sollte man ein Semikolon setzen – Einsatzgebiet eins: Aufzählungen

Völliges Chaos herrscht beim Thema Semikolon aber trotzdem nicht. Es ist sehr gut dazu geeignet, in längeren Aufzählungen einzelne Sinneinheiten abzutrennen: In unserem Geschäft verkaufen wir Hamster, Meerschweine, Hasen; Sittiche, Papageien, Zebrafinken; Schnappschildkröten, Landschildkröten und Sumpfschildkröten. Besonders umfangreiche Aufzählungen werden in solchen Portionen leichter lesbar. Noch deutlicher wird dies, wenn Verben fehlen:
Teilnehmer von links nach rechts: Herr Meyer, Herr Müller, X AG; Frau Nadel, XY GmbH; Frau Müller, Herr Schnabel, XYZ AG

Wann man ein Semikolon noch verwenden kann – Einsatzgebiet zwei: gleichrangige Teilsätze

Gleichrangige Teilsätze, also zum Beispiel Hauptsätze, lassen sich mit dem Semikolon voneinander abgrenzen, wenn die Trennung mit einem Punkt zu deutlich wäre. Dabei bezieht man sich vor allem auf die inhaltliche Zusammengehörigkeit von Hauptsätzen. Da das Semikolon einen nebenordnenden Zweck erfüllt, also gleichwertige Satzteile verbindet, trennt es nie Haupt- und Nebensätze.

Ich fuhr nach Berlin; meine Tante aber fuhr nach Prag.

Ich kaufte eine Schnappschildkröte; später kaufte ich mir eine Sumpfschildkröte hinzu, die allerdings bald davonschwamm.

Zudem wird das Semikolon bei Anschluss mit Konjunktionen oder Adverbien wie deswegen, deshalb, daher, denn, doch, darum verwendet.

Ich kaufte eine Schnappschildkröte; deshalb hatte ich bald rote Fingerspitzen. Im Büro haben wir quergelüftet; deswegen habe ich mich erkältet.

Scheinbar überflüssig, selten gebraucht: Wer trotzdem für das Semikolon einsteht

Wie die Beispiele zeigen, ist das Semikolon eine ziemlich optionale Angelegenheit; was darin mündet, dass man es im Lektorat nur sehr selten zu Gesicht bekommt. Man kann also durchaus die Frage stellen, warum man ein Semikolon setzen sollte bzw. warum es überhaupt benutzt wird. Die strukturierende Funktion ist vielleicht noch am stärksten in der Trennung bestimmter Elemente einer Aufzählung zu erkennen. Gerade bei Aufzählungen in Bildunterschriften oder Datenblättern kann ein Semikolon das Lesen erleichtern. Für das Semikolon als Zeichen intellektueller Wahlfreiheit im Schreibprozess tritt ein kurzer Artikel von Johannes Waechter in der „Süddeutschen Zeitung“ ein. Eine weitere Hommage auf das Semikolon mit historischer Erläuterung stammt von Kathrin Klette und ist in der „NZZ“ erschienen.

Diesen Artikel habe ich am 4. April 2016 veröffentlicht und am 28. November 2018 überarbeitet und erweitert.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

Das Semikolon trennt stärker als ein Komma und schwächer als ein Punkt. Man sollte es in folgenden Fällen setzen:

  • Sinneinheiten in Aufzählungen: Wir lieben Brezeln, Sauerkraut, Kartoffeln; Pasta, Pizza, Lasagne; Baguettes, Croissants und Coq au vin.
  • Trennung von gleichrangigen Sätzen: Ich glaube, ich sehe den Zug jetzt kommen; heute ist er spät dran.
  • Satzanschluss über Konjunktionen wie deshalb, deswegen, daher, dennoch, doch: Der Zug war unpünktlich; deswegen kommen wir zu spät.

 

Fantasie oder Phantasie, Delphin oder Delfin? Kann-Schreibungen im Deutschen

„Mit ’ner Menge Fantasie … kann ich alles sein, was ich will.“ So lautet ein Satz, den ich vor gut 10 Jahren in einer SpongeBob-Schwammkopf-Folge gehört habe. Damals lief nicht mehr viel Musik auf den Musiksendern, aber ein heute noch immer aktuelles Thema war schon damals präsent. Gebrauchen wir unsere Fantasie oder unsere Phantasie? Warum führen viele falsche Entscheidungen manchmal zu Katastrophen, nie aber zu Katastrofen?

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Dass von vielen Wörtern zwei Schreibweisen existieren, hat etwas mit der Rechtschreibreform aus dem Jahre 1996 zu tun. Vor 22 Jahren wurde eine Entscheidung getroffen: Fremdwörter, die mehr und mehr diesen fremden Status verlieren, sollten auch in einer ans Deutsche angepassten Schreibweise erscheinen. Beim Telefon oder der Kulisse ist das schon passiert. Es wird nur noch selten Telephon oder Coulisse geschrieben, solche Schreibweisen gelten inzwischen als exzentrisch.

Fremdwörter werden nach und nach heimisch – das soll sich auch in ihrer Schreibung niederschlagen

Für eine gewisse Gruppe von Fremdwörtern sollte dieser Prozess forciert werden, man legte also fest, dass diese in einer einfacheren, „deutscheren“ Form geschrieben werden könnten. Dies gilt für phon-, phot- und graph-Fremdwörter – Geografie, Fotovoltaik, Grafiker – aber auch für einzelne andere Fremdwörter wie eben Fantasie. Genauso ergeben sich Kann-Schreibungen bei Tunfisch/Thunfisch oder Spagetti/Spaghetti.
Viele Fremdwörter durften so bleiben, wie sie sind. Katastrophe oder Philosophie oder Strophe wurden nicht angepasst.
Bei anderen Fremdwörtern war die eingedeutschte Form so ungebräuchlich, dass sie inzwischen wieder zurückgenommen wurde. Beispiele sind Ketschup, Majonäse oder Grislibär. Diese Schreibweisen sind seit 2017 nicht mehr zulässig.
Ein ähnlich gelagertes Feld ist übrigens die Zusammen- oder Getrenntschreibung von Fremdwörtern und einheimischen Wörtern, z. B. Charityveranstaltung oder Corporate Identity.

Lektorat Text Berlin Website Christian Wöllecke Werbelektorat Beschriftung einer Ketchupflasche: Nur die Schreibung Ketchup ist korrekt.
Was draufsteht, ist auch drin: Ketchup. Andere Schreibweisen sind nicht mehr zulässig. Foto: Charisse Kenion on Unsplash

Auch nach vielen Jahren schwankt der Gebrauch der einzelnen Schreibweisen

Aber nicht nur ein Wort wie Roulett hat ausgedient und ist abgeschafft. Auch in anderen Fällen kan man nicht von einem Erfolg auf breiter Flur sprechen. Mich selber schaudert es immer, wenn ich eine Korrektur wie Fotovoltaikanlage empfehle. Warum? Ich weiß es nicht. Aber es geht vielen Schreibern und Schreiberinnen genauso. Womit wir beim Problem wären, dass sich auch 22 Jahre nach der Reform die Schreibgewohnheiten massiv verändern, sich aber gerade bei Wörtern wie Fantasie/Phantasie nur allmählich Tendenzen abzeichnen. Schließlich hat der Gebrauch der ph-Form immer ein bisschen den Dünkel der sprachlichen Meisterschaft; man besinnt sich vermeintlich auf die sprachliche Vergangenheit und die Herkunft des Wortes. Bei der Photovoltaikanlage verstärkt sich meinem Eindruck nach eher der technisch-sachliche Bezug des Herstellers, der so seine Expertise präsentiert. „So schreibt der Fachmann!“ Andererseits sieht man die Formen Graphik bzw. Graphiker eher noch im Atelierkontext, aber weniger als Berufs- oder Leistungsbezeichnung.

Am wichtigsten: Einheitlichkeit, egal welche Schreibweise man wählt

Wichtig ist meiner Meinung nach, dass man sich für eine Form entscheidet, am besten projektübergreifend. Damit wird es leichter, die Schreibungen einheitlich zu halten. In Einzelfällen und auch bei Einzelwörtern kann man dann auch abweichen, wenn es sein muss. So lange man sich für eine Schreibweise entscheidet, ist das fantastisch … oder natürlich phantastisch. Das gilt auch in anderen Fällen, zum Beispiel bei der Frage, ob man sodass oder so dass schreibt. Beides ist möglich, man muss sich aber auf eine Variante festlegen.
Die konkrete Einzelfallentscheidung kann trotzdem nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Varianten von einer gewissen Willkür geprägt sind und nicht konsequent umgesetzt werden. Man sollte die Entwicklung der Schreibweisen also im Auge behalten.

Sollte in keinem Schrank fehlen: ein Delfin- oder eben auch Delphinkostüm. Via GIPHY

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

Man kann Fantasie oder Phantasie schreiben. Die von Duden empfohlene Schreibung Fantasie ist Folge der Rechtschreibreform. Fremdwörter, die schon lange in unserer Sprache existieren, werden zu heimischen Wörtern, dies soll sich auch in der Schreibweise ausdrücken. Dies gilt für phon-, phot- und graph-Fremdwörter – Geografie, Fotovoltaik, Grafiker etc.Ähnlich ist es bei Fremdwörtern wie Thunfisch/Tunfisch, Spaghetti/Spagetti, Delfin/Delphin, Joghurt/Jogurt. Die empfohlenen Schreibungen Thunfisch, Spaghetti, Delfin, Joghurt folgen dabei keiner einheitlichen Regel, sondern der Häufigkeit ihrer Verwendung durch die Schreibenden.

Komma vor als: In diesen Fällen wird es gesetzt

Ein Satzklassiker, den fast jeder schon einmal gehört haben dürfte, ist dieser hier: „Als ich in deinem Alter war …“ Was auch immer Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel und sonstige Besserwisser damit sagen wollen, es wird sich mit einem Komma anschließen. Aber nicht in jedem Fall steht vor als ein Komma.

Ein Komma wird gesetzt, wenn ein untergeordneter Satz folgt

Geht es um die Frage, wann nach als ein Komma, manchmal auch Beistrich genannt, folgt, muss man wissen, was sich anschließt. Es heißt also, möglichst einfach und schnell herauszufinden, über welche Satzkonstruktion man spricht. Wird ein untergeordneter Satz angeschlossen, wird das Komma gesetzt. Schließt sich nur ein einfacher Vergleich an, steht kein Komma. Wie aber unterscheidet man hier?

Im Allgemeinen lohnt es sich, am Ende des Satzes nach einem Verb zu suchen – es steht dort in seiner finiten Form. Eine solche finite Verbform (also das Tätigkeitswort, zum Beispiel schwimmen, fahren, laufen) ist in Person und Zahl bestimmt: Es war Torsten, der dort schwamm (und nicht seine Freunde, die schwammen). Ich war mir nicht sicher, ob es lief. (Ich war mir aber sicher, dass nicht meine Freunde dort liefen).

Bei einem möglichen Komma nach als verhält es sich genauso: Er war viel größer, als ich es in Erinnerung hatte. Sie kam später, als uns lieb war. Gleich der erste Satz aus meiner Einleitung fügt sich allerdings scheinbar nicht in das Schema: Als steht am Anfang. Trotzdem setzt man auch hier ein Komma: Als ich in deinem Alter war, bin ich gern schwimmen gegangen. Man kann die Satzteile nämlich auch einfach tauschen und es passt wieder zur Regel: Ich bin gern schwimmen gegangen, als ich in deinem Alter war. Über das Komma nach Satzanfängen habe ich bereits einen eigenen Artikel geschrieben. Generell ist es wichtig, sich nicht an starren Schemas festzuhalten. Nur wenn man den Aufbau eines Satzes versteht, bereitet die Kommasetzung keine Probleme.

Kein Komma bei Vergleichen, die nicht als untergeordneter Satz gelten

Findet man kein finites oder sonst irgendein Verb in dem Satzteil, der mit als angeschlossen wird, braucht es in der Regel auch kein Komma. Zum Beispiel steht ohne Komma: Er war viel größer als in meiner Erinnerung. Dagegen noch einmal der Kommasatz aus dem vorherigen Abschnitt: Er war viel größer, als ich es in Erinnerung hatte. Immer wenn als einen Vergleich ohne Verb anschließt, setzt man kein Komma. Sie kam später als wir. Das bleibt auch so, wenn der Vergleich sehr umfangreich ausfällt: Sie war klüger als die meisten schlauen und durchaus gebildeten Menschen in dieser Runde. Diese Regel lässt sich übrigens eins zu eins auf Sätze mit wie übertragen. Er war so stark wie wild und unabhängig. Er hatte nur die besten Absichten, wie er mir versicherte. Wieder findet sich im ersten Beispiel kein finites Verb, im zweiten Beispiel leitet wie einen untergeordneten Satz ein. Anders als bei einer einer entgegengesetzten Konjunktion wie sondern, bei der das Komma immer steht, kommt es hier also auf den Einzelfall an.

Noch ein letzter Hinweis: Man verwendet als, wenn man Unterschiede betonen möchte. Wie drückt dagegen eine Gleichheit aus. Er war größer als ich. Er war so groß wie ich. Hier kommt es gerade in der täglichen Umgangssprache recht schnell zu Verwechselungen, die man mit dieser einfachen Regel leicht vermeiden kann.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

Ein Komma vor als steht, wenn sich ein Nebensatz mit Verb anschließt (genauer ein untergeordneter Temporalsatz: Wir waren noch weit von unserem Ziel entfernt, als es Abend wurde) bzw. ein untergeordneter Vergleichssatz bzw. eine entsprechende Infinitivgruppe: Er war größer, als es mir im ersten Moment erschienen war. Er konnte sich etwas Besseres vorstellen, als das hier zu lesen.

Kein Komma steht vor einem Vergleich ohne Verb: Sie war größer als ich. Ich bin älter als viele in der Gruppe. Er kam später als erwartet.

 
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