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SB-Lektorat

Wenn das Lektorat am Samstag ruht, dann kann der Lektor etwas unternehmen. Mit Frau und Kind zur SB-Waschanlage fahren zum Beispiel. Es heißt ja schon in Rainald Goetz’ Johann Holtrop gleich zu Beginn: Als die Winter noch lang und salzreich waren …
Es nieselt leicht, die Hoffnung auf eine freie Waschbox ist groß, wird aber nicht erfüllt. Wir parken und beobachten das bunte Treiben: Die Leute waschen ihre Autos. Und das ist ja auch klar. Hier, in der Box, ist man noch frei. Hier ist man seiner Sauberkeit Schmied, hat man die Fortüne der Waschlanze noch selbst in der Hand. Eine Box wird frei. Wir fahren ein und kommen zwischen einem weißen Golf mit vier Auspüffen zur Rechten und einem weißen Mercedes mit vier Auspüffen zur Linken zum Stehen. Die Besitzer kennen sich. Sie sind vielleicht immer hier, ein Stündchen totzuputzen am Wochenende mit dem Geruch von Reiniger und Heißwachs in der Nase. Der Mercedes-Besitzer lässt eine etwa handtellergroße Polierscheibe auf dem Lack tanzen (es warten noch immer Autos in der Spur). Die Frau des Golf-Fahrers trägt orange Spülhandschuhe, die ihr bis zum Ellbogen reichen. Sie räumt gerade eine Reinigerflasche in den Kofferraum zu zwanzig anderen Reinigerflaschen. Ab und an tänzelt der Golf-Fahrer leichtfüßig zum Mercedes-Fahrer, er sagt ein paar Worte, die Zigarette schnippt dabei zwischen seinen Lippen. Ich steige aus, bin, der Szene sei Dank, mit Betriebsblindheit gesegnet. Nicht aber meine Frau. Ihr erster Hinweis gilt dem Schild. Für einen Moment bin ich perplex. Ich schaue mich hektisch um, lese auch die anderen Schilder. Die sind okay. Ich atme, ich beruhige mich. Dann fällt es mir wieder ein. Natürlich, ein dreistes Plagiat. Ich habe den Text so ähnlich schon mal gelesen, und zwar in der neuen Lyrikrundschau. Aus dem Werkkreis Handwerk, eine Dada-Kooperative aus dem Handarbeitskurs und der KFZ-Schraubertruppe.

Verbotsschild !

Motor wäschen ! / stricken ! / untersagt ! (2016)

Tatütata macht die Sirene, das rote Fake-News-Rundumleuchtenlicht scheint grell. Es ist natürlich nur ein fehlerhaftes Schild, keine Kunst. Ein schmaler Fingerzeig sozusagen, der in die Kategorie von Rasen-betreten-verboten-Schildern fällt. Hier nicht spielen, hier leise lachen, hier stehenbleiben, Durchgang auf eigene Gefahr. Und der strickt-Fehler leuchtet mir auch irgendwie ein, ich hatte schon mal etwas zum Wort vorüber geschrieben (bzw. zur Variante mit zwei „r“). Und es ist ja auch ganz schön, sich vorzustellen, wie ein einzelner Buchstabe signifikante Bedeutungsunterscheide produzieren kann:

Neonazis – Oma strikt dagegen
Neonazis – Oma strickt dagegen

Vielleicht kann man sich sogar eine strickende Motorwäsche vorstellen, da bin ich mir nicht ganz so sicher. Auf die Stimmung in den Boxen hat die Falschschreibung jedenfalls keine Auswirkungen. Ich rase putzend um das Auto herum, um den Dreck für drei Euro vom Lack runterzukriegen (nicht ganz gründlich versteht sich). Der Mercedes-Besitzer poliert sein Auto, im Golf rauchen sie; fertig, aber weiter in der Kabine parkend. Ich starte den Motor, sie haben vielleicht noch ein Viertelstündchen vor sich. Der Ausflug ist zu Ende, wir fahren endlich wieder nach Hause. Die Männer heben zum Abschied die Hand, einer von ihnen fährt vom Hof. Ich hupe lange.

Was der Korrektor ignoriert und den Lektor umtreibt …

… sind Sätze wie dieser: [Der Kurs bringt Teilnehmer hervor], die dank dieser Vorbereitung die schriftliche und mündliche Prüfung selbstbewusst und erfolgreich antreten können.
Dieser Satz ist Bestandteil einer Werbung für eine Schulung/Weiterbildung mit Abschlussprüfung. Es ist eine dieser Standardformulierungen, über die man schnell hinweg liest, und vielleicht nickt man dabei ganz leicht mit dem Kopf. Nur preist der Satz jedoch bloß eine Leistung an, die jeder durchschnittliche Weckerhersteller für sich reklamieren könnte. Die Prüfung erfolgreich anzutreten heißt erst mal nichts anderes, als anwesend zu sein – und das in diesem Fall selbstbewusst. Wer es also nicht schafft, morgens aus den Federn zu kommen, der kann einen Kurs für mehrere 100 Euro buchen und dann garantiert erfolgreich seine Prüfung antreten. Oder sich einen Wecker kaufen.

Sehr gern oder sehr gerne – der Unterschied zwischen Umgangs- und Standardsprache

Mancher ist gern allein, ein anderer ist lieber gerne alleine (und ein Dritter hat beim Essen gerne seine Ruhe). Inhaltlich unterscheiden sich die beiden Fälle offensichtlich nicht, aber wie verhält es sich mit den Schreibweisen?

Ganz praktisch kann man das an meinem Sohn nachvollziehen. Mit seinen zweieinhalb Jahren kann er zwar noch nicht alles, möchte es aber gern. So kann es schnell passieren, dass er bei jeder Handlung hyperventilierend schreit: „Iiiich, iiiich, alleine!“ Er hat dafür zweifelsohne wichtige Gründe und artikuliert sich völlig korrekt. Allein, in den meisten Texten sollte man die endungslose Form bevorzugen, vor allem in fachsprachlichen.
Gibt man dem kindlichen Ansinnen nach, ist alles gut. Kann oder möchte man nicht, wird die Sache ganz schnell schwierig. Meistens enden Wutanfälle auf dem Sofa im Kinderzimmer – mit einem gebellten: „Du nicht, geh weg!“ Das Kind möchte gern für sich sein. (Auch hier gilt die kürzere Version als standardsprachlich, die lange Form – ich möchte gerne Eis essen – ist als umgangssprachlich anzusehen.)

Ein oder einen Meter?

Bei Längenmaßen gibt es, zumindest sprachlich, einigen Spielraum. Im Normalfall würde man sagen: „Mensch, der hat ja mindestens einen Meter am Tor vorbeigeschossen.“ In kürzeren Formen kann man aber auch ein verwenden: „Sie haben es aufgezeichnet. Dort sieht man: genau ein Meter.“ So ähnlich verhält es sich auch mit der Flexion (der Beugung) von Meter/-n. Insbesondere, wenn der Artikel fehlt, steht man schnell vor der Beugungsfrage. Die Regel besagt hier, dass die Flexionsendung fehlt, wenn das Gemessene unmittelbar folgt. Also: Ich springe aus tausend Meter Höhe ab. (Aber auch die Form mit Endung kommt gelegentlich vor.) Im Gegensatz dazu wird flektiert, wenn man sagt: „Der Sprung erfolgt bei tausend Metern.“

Nicht nur eine Frage von falsch oder richtig

Entweder man setzt sich vorn oder vorne ins Auto. Die Benutzung variiert je nach Textart. In Dialog-Passagen eines Romans kann die endungslose Form schnell steif wirken. (Das genaue Gegenteil gilt übrigens für die Verbform in der ersten Person Singular. Ich hab alleine gewartet klingt mündlicher als: Ich habe allein gewartet. Ein Apostroph ist bei „hab“ übrigens nicht üblich.) Richtet sich ein Unternehmen an Kunden oder Geschäftspartner, verwendet es eher die standardsprachliche Form: Wir haben gern mit ihm zusammengearbeitet. Geht es um eine besonders authentische Wiedergabe der letzten Betriebsfeier im Mitarbeitermagazin, kann man ebenfalls mit der Umgangssprache arbeiten. (Und dann, das war der unbestrittene Höhepunkt des Abends, spielte vorne/vorn unser Herr Mayer aus der Produktion auf seiner Ukulele „Es gibt kein Bier auf Hawaii“.) Ich reserviere der Umgangssprache in der Regel aber einen Platz als vorrangig literarisches Mittel für glaubhafte Figurenrede.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-MontagDienstag

In Formen wie vorn, allein, gern bewirkt ein zusätzliches „e“ eine Verschiebung in die stilistische Ebene der Mündlichkeit. Bei Verbformen in der ersten Person Singular führt hingegen der Wegfall des Buchstabens „e“ in die gleiche Richtung: Na, das hab ich mir ja gleich gedacht.
Man schreibt einen Meter, in kürzeren Varianten ist auch ein Meter zulässig.
Steht eine Längen- oder Höhenangabe ohne Artikel, dann wird sie gebeugt, wenn das Gemessene nicht unmittelbar folgt. Sonst steht sie ungebeugt.
Eine Strecke von 50 Metern. Eine Strecke von 50 Meter Länge (auch: 50 Metern).


Apostrophe: Was macht ihr Geheimnis aus?

Warum der Titel heute wie der einer Tierdoku klingt? Weil es manchmal einen Rechtschreib-Sielmann bräuchte, um Bilder zu liefern von tobenden, schlafenden, balzenden, fressenden Apostrophen. Denn obwohl Apostrophe eigentlich nur wenig rätselhaft sind, wirken sie häufig wie ein einziges Enigma.

Vielleicht würde so ein Rechtschreib-Sielmann gar nichts bewirken. Apostrophe haben eigentlich nichts Exotisches, sie sind keine Löwen oder Zebras im Stadtbild, eher Tauben, Mäuse, Ratten. Sie sind dauerpräsent – aber leider häufig am falschen Platz. Vielleicht geht es vielen dabei so wie mit dem Semikolon: In der Schule hat der Einsatz der Zeichen keine Rolle gespielt, die Anwendung wurde nicht eingeübt. Nun ist das Zeichen aber da. Was da ist, sollte ja auch irgendwie verwendet werden. Und da haben wir Tine’s Friseurshop, Bernd’s Wurstexpress und Claudia’s Iss’ wat. Bei mir um die Ecke steht die Imbissbude Elias’ Gyrosland (die ich – nicht nur wegen des korrekten Apostrophs – sehr empfehlen kann). Und nun könnte man noch rufen: „Gib’ acht!“ oder „Dieser Text liest sich wie ein einziger Schuss in’s Blaue.“ Oder man fängt an, aus diesem Wust die falschen und richtigen Apostrophe herauszufiltern. So einfach ist das!

Apostroph – Aufbau, Funktion, natürliches Habitat

Aber im Ernst: An sich ist der Gebrauch eines Apostrophs wirklich kein Drama. Es steht immer dort, wo etwas ausgelassen wird. Ruft also ein froher, bettbereiter Nachtschwärmer seinen noch unternehmungslustigen Kumpanen „Habt noch ’ne schöne Nacht“ zu, weil ihm „eine schöne Nacht“ zu umständlich ist, wird ein Apostroph gesetzt.
Bleiben wir im Bild. Der bettbereite Nachtschwärmer hebt den Fuß verträumt über eine Pfütze, und einer der dankbaren Freunde warnt ihn, ruft: „Hab Acht!“ Dann braucht es keinen Apostroph. In diesem Fall, weil es sich um einen üblichen Befehl handelt. Dies gilt auch für feste Grußformeln. Geh mir fort. Bleib doch stehen. Generell soll ein Apostroph bei schwer lesbaren oder missverständlichen Formen gesetzt werden. In der ersten Person Singular des Präsens Indikativ setzt man ihn darum normalerweise nicht. Ich hab da was gehört. Ich hol ihn mal eben. Es ist außerdem nicht notwendig, bei Verschmelzungen von es mit vorangehenden Verben u. Ä. einen Apostroph zu setzen. Mir geht’s gut oder mir gehts gut. Verschmelzungen aus Präposition und Artikel erhalten keinen Apostroph, wenn sie als allgemein üblich gelten: ans, aufs, hinters, vors, beim, zum, übern, vorn.

Namen und Apostrophe

Endet ein Name ohne dazugehörigen Artikel, und wirklich nur ein Name, im Genitiv auf s, ss, ß, tz, x, ce, dann wird ein Apostroph gesetzt. Wir sagen nicht Eliases Gyrosland oder Andreases Wurstbude, sondern Max’ Wurstexpress. Schauen wir uns den Fall von Andrea und Andreas an: Wenn Andreas’ Imbisseck von Andrea übernommen würde, hieße es entweder Andreas Imbisseck oder aber auch Andrea’s Imbisseck. Auch wenn nicht ganz klar wird, warum man es braucht, ist der Apostroph bei Andrea’s Imbisseck zur Kennzeichnung der Grundform des Namens zulässig. Ein Apostroph vor dem Genitiv-s von Namen ist ansonsten aber unüblich.

Der Apostroph im Wortinneren

Man kann sich mit Heidegger beschäftigen oder mit Mario Barth, das macht für das folgende Beispiel keinen Unterschied. Spricht man von ihrer Art und Weise, Dinge zu tun, sind jeweils zwei Formen legitim: der heideggersche oder der Heidegger’sche Hammer. Die barthsche oder Barth’sche Lehre, dass Frauen nicht mit diesem Hammer umgehen können. Wahrscheinlich führt der Weg aus dem Olympiastadion dann direkter zum Ku’Damm als nach der Heidegger-Vorlesung (wonach es eher in die Mensa geht, um das In-der-Welt-sein von Tellern und Tassen zu prüfen). Jedenfalls: Wenn im Wortinneren von Namen größere Buchstabengruppen weggelassen werden, setzt man einen Apostroph.

Kein Apostroph wird gesetzt …

… bei Abkürzungen mit Genitiv- und Pluralformen: des Jhs., die Pkws. Die Schreibung von verkürzten Jahreszahlen mit Apostroph stammt aus dem englischen Sprachraum, ist momentan aber in der deutschen Sprache noch nicht als Regel vorgesehen: Weihnachten 94. Ganz falsch ist der Apostroph natürlich auch in Claudias Fall vom Anfang: Iss wat enthält schlicht keine Auslassung. Wäre es als Frage gemeint, könnte man einen Apostroph verwenden: Is’ was? Aber mit dieser herzlichen Schnodderigkeit wird Gitti ihren Gästen höchstens direkt hinter dem Tresen begegnen – nicht schon im Schaufenster.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

1.) Apostrophe kennzeichnen unübliche Auslassungen. 2.) Sie können gesetzt werden bei es-Anschlüssen, das ist aber nicht zwingend. Bei Verschmelzungen von Präposition und Artikel ist der Apostroph unüblich (3.), genau wie in der 1. Person Singular Präsens Indikativ (4.).
1.) So ’ne Frechheit. 2.) Mir geht’s gut 3.) Aufs Haus oder ins Herz, das ist mir gleich. 4.) Ich ruf ihn mal.
Im Wortinneren kann der Apostroph bei Ableitungen von Eigennamen stehen, oder er markiert die Auslassung größerer Buchstabengruppen in Wörtern.
Der freudsche/Freud’sche Komplex. Der Ku’Damm befindet sich im Westen der Stadt.
Enden Namen auf s, ss, ß, tz, z, ce und stehen ohne Artikel, kennzeichnet der Apostroph den Genitiv. Ein Apostroph vor dem Genitiv-s von Namen wird normalerweise nicht gesetzt, er kann gelegentlich aber zur Betonung der Grundform verwendet werden. Hans’ Wellensittich ist in Form. Gauß’ Ideen sind spannend. Daniela’s Hundesalon ist sehr zu empfehlen.


Schöne Feiertage!

Das Jahr 2016 steht kurz vor dem Aus. Für meine Selbstständigkeit als Freier Lektor gilt das glücklicherweise nicht. Das erste Jahr war spannend, lehrreich und hat mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Die Blogeinträge sind zum Ende hin spärlicher geworden. In diesem Fall ein gutes Zeichen: Ich komme kaum dazu, weil mir so viele Kunden ihre Texte anvertrauen. Darum wird der nächste Beitrag zu Apostrophen wohl erst im Januar erscheinen.

Ich wünsche auf diesem Weg allen, die ich nicht mehr persönlich erreiche, ein entspanntes, besinnliches Weihnachtsfest, einen guten Rutsch ins neue Jahr und eine erholsame Ferienzeit.

Ab dem 4. Januar widme ich mich dann wieder Texten, Fehlern, Blogs und Websites.

Aufs Tapet gebracht: Wie funktioniert die Verschmelzung von Präposition und Artikel?

Ob man im Haus oder in dem Haus sagt, hängt stark von der Bedeutung im Satz ab. Die Verwendung kann sich nach Kriterien wie Ort, Zeit, Mündlichkeit etc. richten. In diesem Text beleuchte ich das Thema näher, eine Übersicht gibt es in der Karacho-Box.

„Ich steig dir gleich aufs Dach.“ Ein solcher Satz stammt entweder von einem Dachdecker oder von einer auf uns wütenden Person. Doch ganz gleich, von wem die Worte kommen – weder Handwerker noch Wutbürger würden wohl „Ich steige Dir gleich auf das Dach“ sagen.

Der Beispielsatz führt uns vor Augen, was gemeint ist mit „Verschmelzung von Artikel und Präposition“ (Präpositionen sind Verhältniswörter, die Ausdrücke aneinander anschließen). Solche Verhältniswörter wie auf, in, unter, vor können mit Artikeln verschmelzen: ans, aufs, ins, im, unterm, vors. Die Verschmelzung entstammt, auch das zeigt das erste Beispiel, vor allem der Mündlichkeit. Sie tritt bei schwachen Artikeln auf und gilt in manchen Fällen als standardsprachlich.

Welche Verschmelzungen sind regelkonform?

Folgende Verschmelzungen sind unter anderem ungeeignet für den Schriftgebrauch: an’n, auf’m, in’n, nach’m. Dies liegt daran, dass Konsonantenverbindungen im Deutschen unüblich sind. Außerdem wird der Präposition eine zusätzliche Silbe angefügt.

Den Mittelweg bilden Verschmelzungen, die aus der gesprochenen Sprache kommen und teilweise als standardsprachlich angesehen werden (oder als feste Verbindungen bestehen): außerm, hintern, hinters, unterm, vorm, vors.

Als standardsprachlich und häufig nicht ersetzbar gelten folgende Verschmelzungen: ans, auf, durchs, fürs, ins, ums, am, beim, im, vom, zur.

Verschmelzung oder selbstständiger Artikel?

Trotzdem kann es auch bei standardsprachlichen Verschmelzungen hin und wieder vorkommen, dass sich der Artikel von der Präposition trennt. Dies passiert dann, wenn etwas über einen ganz bestimmten Fall ausgesagt wird, eine Art spezifischer Information erfolgt. In meiner Jugend habe ich in dem Haus hier gelebt (übrigens: indem = damit, dass; in dem = in welchem). Komm rein, das haben wir im Haus. Auch bei Raumangaben finden sich oft Verschmelzungen: Im Dorf war kein Laut zu hören. Er krachte aufs Deck. (Aber: In dem Dorf ist mein Vater geboren.)

Verschmelzungen treten bei eher allgemeinen Aussagen auf: Wir gehen aufs Gymnasium. Aber: Ich gehe auf das Albert-Schweitzer-Gymnasium. Ähnlich verhält es sich bei Zeitangaben: Im Mai / am Sonntag bin nicht zu Hause. Aber: An dem Sonntag (an dem etwas Bestimmtes passiert) bin nicht zu Hause.

Im übertragenen Sinne, bei Redewendungen und festen Verbindungen sind Verschmelzungen gang und gäbe: Hand aufs Herz, das geht aufs Haus, ins Gras beißen.

Die Kleinteiligkeit des Textes und die Häufigkeit verschiedener Regeln zeigen schon: Es gibt für präpositionale Verschmelzungen keine einheitlichen Empfehlungen. Häufig entscheiden subjektives Rhythmus- und Sprachgefühl. Oft sind auch beide Varianten denkbar. Für spezielle Fälle muss sich der Schreibende auf sein Sprachgefühl verlassen oder einen Ratgeber konsultieren.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-MontagDonnerstag

Verschmelzungen von Präposition und Artikel entstammen der Umgangssprache, sind aber teilweise standardsprachlich geworden. Insbesondere bei Angaben von Zeit und Ort, aber auch in festen Verbindungen, übertragenem Sinn und Redewendungen tauchen Verschmelzungen auf.
Um 12 Uhr. Am 1. Juli. Die Kinder stehen am Stall. Ins Hintertreffen geraten. Zur Unzeit. Zum Wohl!
Selbstständige Artikel kommen dort ins Spiel, wo etwas Spezifisches ausgesagt oder der Bezug zu einer weiteren Information hergestellt wird.
An dem Stall dort muss etwas gemacht werden. In dem Rathaus hat man uns damals getraut.
Es gibt keine generellen, übergreifenden Regeln zu Verschmelzungen, was sicher ihrem Ursprung geschuldet ist.