Blog

Herr oder Herrn?

Das Anschreiben ist eingetütet, die Briefmarke geklebt, jetzt nur noch schnell die Adresse … aber Moment, schreibt man Herr oder Herrn?

Man adressiert an „Herrn“, so sieht es die DIN 5008, Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung, vor. Auch Titel werden entsprechend gebeugt und stehen im Akkusativ. Herrn Sachverständigen, Herrn Präsidenten oder Präsident.

Wer darf öffnen?

Stellt man den Namen über die Anschrift der Firma, signalisiert man zudem, dass nur der Empfänger persönlich den Brief öffnen darf. Dies kann man zudem noch durch einen kleinen Zusatz wie „persönlich“ oder „vertraulich“ verdeutlichen. Steht der Name der Firma oder Institution zuerst, darf in der Regel jeder Mitarbeiter, z. B. das Sekretariat, den Brief öffnen.

Ende des Bienenjahres

Zum Herbstanfang ein Text aus dem September 2011. Ich habe damals ein Jahr als Probeimker absolviert bei dem leider im August 2017 verstorbenen Imker Martin Platz in seinem Kleingarten zwischen Priesterweg und Südkreuz. Es war ein schönes und lehrreiches Jahr, und Martins ruhige und freundliche Art hat sich auch auf uns, drei Probeimker und eine Probeimkerin, wie auch auf die Bienenvölker übertragen.

Das Rad hat platte Reifen und ich pumpe sie auf, mit Spinnenweben um den Kopf. Diverse verschobene Ausfahrten drängen herauf, das Shirt spannt um den Bauch, aber heute gilt es. Einzelne Wolken schieben sich an der Sonne vorbei, es geht ein leichter Wind. Die Straßen sind mäßig gefüllt, es fährt sich eigentlich leicht, nur die Beine sind etwas schwer. Vor den Gärten sind noch einige Plätze frei zum Parken, nie hätte es das im Juli gegeben. Polternd rollen die Räder über Kopfsteinpflaster, in der Ferne bellen Hunde oder Menschen. Die hohen Kastanien tragen schwere, grüne Früchte und erst am Boden platzt die glatte Bräune aus ihren springenden Häuten, auf Autodächern zerschellen sie, zertreten werden sie, zerfahren und manchmal auch zerbastelt von unerfahrener Kinderhand.
Die Gartenpforte quietscht wie eh und je, zwei Gärten weiter weht die Deutschlandflagge. Wo immer das grüne Herz auch ist, ein bisschen hört man seinen Schlag auch hier. Leer sind die Kirschbäume, leer sind die Zwetschgenbäume, nur unter dem Apfelbaum ruht ein Sack voll fauliger Früchte. Darüber aber, voll und schwer, die großen, grünen Äpfel, darauf sind rote Passagen. Der Quittenbaum ist ebenso übervoll, er droht zu knicken. Vor den Bienenstöcken summt es leicht und träge, nur die sterbenden Insekten äußern sich qualvoller, lauter; Jungbienen, geschlüpft in Ameisensäure gegen die blutsaugenden Milben. Ein wahrer Horror in den Stöcken, wir hören nur einen schwachen Nachhall, wir wissen davon aus Büchern, auch durch unseren Blick von oben. Und darüber schweben noch die Wespen mit aggressivem Gestus, sie stürzen hinab auf die Sterbenden, ziehen mit ihnen davon, zerlegen sie. Und auf dem Boden finden wir dann Köpfe, Beine und Fühler. Es gibt sonst nichts mehr zu tun vor dem Winter. Wir wiegen und füttern, wo es sein muss, sonst tränken wir die Löffel in Honig und schmieden große Pläne. Im Gartenhäuschen zischt die Kaffeemaschine, wir folgen ihrem Klang nur zu gern, setzen uns vor Teller mit Schokoladenkuchen darauf, sinnieren über das Vergangene und was da kommen mag. Es blüht noch ein wenig, aber es sind die letzten Blüten, da kommt nichts mehr. Es ist Sonne im Garten und eine ganz angenehme Temperatur, man könnte Altweibersommer sagen; solch ein verschwommener, eingesponnener Begriff reichte ja völlig dafür aus, die Dinge zu verstehen, die Dinge wiederzuerkennen, ohne wissenschaftliche Erklärung, ohne kalendarisches Datum. Altweibersommer: Und wir denken an funkelnde Spinnennetze und alte Frauenbeine, an das sich färbende Laub. Aber hier in den Gärten der Stadt gibt es keinen wildromantischen Altweibersommer, hier trohnt der Mensch und schafft sich Sommer wie er sie braucht, wie er sie will. Irgendwo wird noch mal Grillgut aufgelegt, wie schon so oft in diesem Jahr. Ein letztes, großes Zusammentreffen vor der Winterruhe. Wenn wir könnten, wenn wir dürften, würden wir uns wie die Bienen in eine große Traube hängen und uns wärmen, bis wir vor Erschöpfung sterben. Aber wir haben Schneemänner, wir haben Schlitten und wir haben Räumfahrzeuge. Die Bahn fährt schlecht im Winter, aber manchmal fährt sie. Darum ist für uns das Ende des Bienenjahres nur der Anfang des neuen Bienenjahres, ganz so wie es mit allen Jahren geht. Wir brauchen kein Feuerwerk; wir wissen, wenn das letzte Glas Honig leergeschleckt ist, wird es Zeit für ein neues Jahr, für die neue Ernte, für das Aufbrausen der Völker. Wir geben uns die Hände, sie sind nicht schwielig, gearbeitet haben wir, aber wir waren viele.

Komma in Urlaub!

Bevor ich auf dem Weg in den Urlaub noch eine Münze in die Wortspielkasse werfe, hier noch ein kleines Kommaexempel. Es zeigt sehr schön, wie der kleine Strich den Sinn eines ganzen Satzes verändern kann. Mein Ausgangssatz sah so aus:

Patienten, die erstmals unsere Praxis aufsuchen möchten, können sich mit einem akuten Anliegen täglich, außer dienstags zwischen 08:00–10:00 Uhr in der Praxis vorstellen.

Ich habe das zweite Komma nach dienstags gesetzt, das ging aus den Sprechzeiten hervor. Nur am Dienstagvormittag gibt es also keine Sprechstunde für neue Patientinnen und Patienten.

Wenn das Komma nur ein bisschen verrutscht wäre, nämlich hinter 10:00 Uhr, dann hätten kommageschulte Patienten und Patientinnen der Praxis zu jeder Zeit die Bude einrennen können, außer eben am Dienstag zwischen 8 und 10 Uhr.

Vielleicht hat meine Arbeit also den Ansturm der Massen verhindert. Obwohl eine Arztpraxis natürlich nicht Primark ist und nur Lektoren und sonstige Textpedanten auf die Idee kämen, einem Kommafehler folgend eine Behandlung ihrer Rückenschmerzen rund um die Uhr zu erwarten. Es bleibt also bei der Erkenntnis, dass ein Komma – zumindest theoretisch – den Unterschied machen kann.

Ich wünsche einen schönen Sommer, viele richtige Kommas, wenig Regen. Ab 14. August habe ich wieder Platz für neue Aufträge.

Komma vor sondern – immer, manchmal, nie?

Das Komma vor sondern ist eigentlich ein recht klarer Fall. Trotzdem will ich in diesem Text die Regel beleuchten und ein paar Beispiele diskutieren.

Wenn man sich an die eigene Kindheit erinnert, kommt einem der folgende Satz vielleicht ganz vertraut vor: „Ich will das aber nicht!“ Und das Gegenüber, Mutter, Vater, Oma, Opa, fragte dann: „Sondern?“ Als Kind musste man sich hauptsächlich mit dem Einzelwort sondern herumschlagen, als Erwachsener kommt häufig noch die Kommafrage dazu.

Anzeige[adinserter block=”1″]

Sondern hat ein ganz bestimmtes Verhältnis zum Komma. Es gehört zur Gruppe der Konjunktionen, es ist also ein Bindewort. Bindewörter verbinden Wortgruppen, Wörter, Sätze oder Teilsätze. Anders als und, oder und sowie ist sondern allerdings eine adversative (das heißt entgegensetzende) Konjunktion. Die Satzverbindung erfolgt über den Gegensatz. Das wird deutlich, wenn wir in der Situation vom Anfang des Textes bleiben und einen weiteren Beispielsatz bilden: Ich will kein Gemüse essen, sondern Eis. Oder mit einem ganz anderen Beispiel: Er ist nicht stumm, sondern er hat Angst. Das Komma wird in diesen Fällen immer gesetzt, es gibt keine Ausnahmen.

Komma-Beispielsätze: sondern

  • Ich bin nicht verantwortlich, sondern der Mann da vorn.
  • Ich habe mich nicht für Schuhe entschieden, sondern bin barfuß gegangen.
  • Der Würfel ist nicht rund, sondern eckig.

Das Gleiche gilt für sondern auch:

  • Er spielt nicht nur für Potsdam, sondern auch für Berlin.
  • Ein Lektorat prüft nicht nur die Rechtschreibung, sondern auch den Inhalt.

Bei der Benutzung von sondern auch mit singularischen Subjekten wird das Verb überwiegend ebenfalls im Singular eingesetzt. Nicht nur die Katze, sondern auch der Hund lief davon.
Bei der Frage nach dem Komma ist der Fall bei sondern also klar. Es wird immer ein Komma gesetzt. Dies gilt auch für Satzverbindungen mit sondern auch.

Nachgeschlagen

Die entgegensetzende Konjunktion sondern erfordert immer ein Komma.
Ich bin nicht gelangweilt, sondern müde.
Sie ist nicht nur gemein, sondern auch sehr eingebildet.
Anzeige[adinserter block=”1″]

Qualitätssicherung von Websites für 4selected

4selected mediendesign – das ist die Internetagentur der gelben Seiten aus Berlin. Seit Oktober 2016 arbeite ich mich durch die Seiten von Bauunternehmen, Ärzten, Hotels oder Friseuren. Auch ein Bootsbauer war schon dabei, Bestattungsinstitute sind auch nicht selten. Der Kontakt war eher zufällig. Die gelben Seiten wollten mich zu einem Eintrag als Freier Lektor beraten, aber die Agentur, die ein Stockwerk höher sitzt, suchte auch gerade nach Verstärkung in der Qualitätssicherung von Texten. Wenn ich Websites prüfe, kümmere ich mich nur um Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung. Es geht um einen letzten Blick, den Feinschliff also.

Viele Fehler sind ähnlich, oft geht es um Standards wie Begrüßungsformeln (Herzlich willkommen! – Willkommen wird kleingeschrieben, da es nicht um das Willkommen geht, das man einem Besucher herzlich bereiten könnte.) Auch die Leerzeichen bei z. B. oder u. a. sind fast immer einzufügen. Sehr beliebt sind auch falsche Kommas vor sowie. Viele der Seiten bergen mindestens einen kuriosen Fehler. Ich hatte schon mal darüber geschrieben, dass eine Firma Bewerber suchte, die Deutsch in Wort und Schritt beherrschen sollten.

Egal welche Fehler ich finde, ich arbeite sie direkt ins CMS, meist WordPress, ein. So kann sich die Agentur einen zweiten Durchgang sparen. Die Korrektur im Backend ist übrigens eine meiner digitalen Leistungen, die ich neben dem “klassischem” Lektorat anbiete. Ich kann auch die Aktualisierung der Installation übernehmen, mich um Plugins kümmern und Änderungen an der Struktur der Seite und am Design anbieten.

Dass oder das – Regeln und Beispielsätze

Dass oder das, der kleine Unterschied treibt einen beim Schreiben schnell in den Wahnsinn. Und gibt es da nicht auch noch die Form daß? Am Ende des Textes findet sich eine Übersicht zu den Regeln für die Verwendung von „dass“ oder „das“.

Fangen wir mit der einfachsten Sache an: Daß gibt es seit der letzten Rechtschreibreform offiziell nicht mehr, auch wenn es von einigen Personen und Institutionen mit einem gewissen Trotz weiterhin verwendet wird. Daß wurde durch dass ersetzt, denn es wird mit einem kurzen Vokal gesprochen. Kurzen Vokalen folgt das zweifache S, das sogenannte scharfe S kommt nur nach lang gesprochenen Vokalen oder Doppellauten (sog. Diphtonge) zum Einsatz.

Anzeige[adinserter block=”1″]

Dass ist eine Konjunktion

Wo wir gerade bei dass sind: Dieses Wort funktioniert als Konjunktion, als Bindewort also, und leitet einen Nebensatz ein. Ich bin mir sicher (Hauptsatz), dass ich abgeschlossen habe (Nebensatz). Abgeschlossen mit Doppel-s, weil kurz gesprochen.

Weitere Beispielsätze:

  • Mein Hals tut so weh, dass ich zum Arzt muss.
  • Ich war so aufgeregt, dass ich nicht mehr still sitzen konnte.
  • Dass Scheiden wehtut, [das] habe ich erst am Bahnhof mitbekommen.
  • Das muss ich Dir nicht extra sagen, dass du so einen ganz schlechten Eindruck gemacht hast.
  • Dass du total verrückt bist, das habe ich heute wieder gemerkt.

In den letzten Beispielsätzen kam auf einmal das ins Spiel. Man könnte die Sache sogar noch weitertreiben: Das ist ein Auto, das ist doch klar. Das erste das ist dabei ein gewöhnlicher bestimmter Artikel wie der oder die. Das zweite das hat aber eine andere Funktion. Sinngemäß steht es für dies. Als Demonstrativpronomen steht das für dieses und lässt sich sinngemäß ersetzen. Dieses muss ich Dir nicht extra sagen, dass …
Zugegeben, die Einsetzprobe klingt etwas seltsam. Im folgenden Satz klingt es besser: Das (dieses) Haus, das ich meine. Das zweite das in diesem Satz kann durch ein anderes Wort ersetzt werden, nämlich welches. Dieses das ist ein Relativpronomen, es weist zurück auf sein Fürwort. Das Haus, das …

Das lässt sich in der Regel durch dieses oder welches ersetzen

Als Faustregel kann man festhalten: Kann man das gedanklich nicht mit dies, dieses oder welches ersetzen, ist sehr wahrscheinlich ein dass mit zwei s richtig.

Dazu noch einige Beispielsätze:

  • Was ist es, das ich tun soll?
  • Sie werden es noch weit bringen, das verspreche ich Ihnen.
  • Ein Männlein, das im Walde stand.
  • Das ist nämlich die Sache, dass ich ständig dass und das verwechsele.

Damit man sich getrost vom letzten Beispielsatz verabschieden kann, muss man sich nur die hier genannten Kniffe einprägen. Gern prüfe ich in einer Korrektur oder einem Lektorat aber auch Ihre Texte, ganz egal, bei welchen Wendungen Sie unsicher sind.

Nachgeschlagen

Dass leitet als Konjunktion einen Nebensatz ein.
Ich glaube, dass er ein entspannter Typ ist.
Das wird als Artikel, als Demonstrativ- und als Relativpronomen gebraucht.
Das Haus, das ich meine.
Ein Haus in Berlin kaufen? Das ist viel zu teuer.

Daß entspricht der alten Rechtschreibung. Nach neuer Rechtschreibung wird nur noch dass geschrieben.
Anzeige[adinserter block=”1″]