Bürourlaub vom 13. Dezember 2018 bis 1. Januar 2019

Ein paar Tage hat 2018 noch, aber ich verabschiede mich bereits heute von Ihnen für dieses Jahr. Ich bedanke mich für die vielen spannenden und interessanten Projekte, durch die ich in den letzten 12 Monaten wieder eine Menge Neues ganz nebenbei kennengelernt habe – einer der vielen Vorteile meines schönen Berufes.

Im nächsten Jahr geht es unter anderem im digitalen Bereich weiter. Aktuell beschäftige ich mich neben dem Lektorat intensiv mit der Optimierung von Webtexten. Hier geht es sowohl um eine gute Lesbarkeit, aber auch das Schreiben für Suchmaschinen teste ich weiterhin aus.

Allen Besuchern und Besucherinnen meiner Website, Kunden und Kundinnen, Kollegen und Kolleginnen wünsche ich ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Und wenn es dann so weit ist, natürlich auch ein gesundes neues Jahr.

Ich hoffe, wir begegnen uns bald wieder. Ich bearbeite eingehende Aufträge und Anfragen ab dem 2. Januar 2019.

Beitragsbild: Photo by erin walker on Unsplash

Fantasie oder Phantasie, Delphin oder Delfin? Kann-Schreibungen im Deutschen

„Mit ’ner Menge Fantasie … kann ich alles sein, was ich will.“ So lautet ein Satz, den ich vor gut 10 Jahren in einer SpongeBob-Schwammkopf-Folge gehört habe. Damals lief nicht mehr viel Musik auf den Musiksendern, aber ein heute noch immer aktuelles Thema war schon damals präsent. Gebrauchen wir unsere Fantasie oder unsere Phantasie? Warum führen viele falsche Entscheidungen manchmal zu Katastrophen, nie aber zu Katastrofen?

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Dass von vielen Wörtern zwei Schreibweisen existieren, hat etwas mit der Rechtschreibreform aus dem Jahre 1996 zu tun. Vor 22 Jahren wurde eine Entscheidung getroffen: Fremdwörter, die mehr und mehr diesen fremden Status verlieren, sollten auch in einer ans Deutsche angepassten Schreibweise erscheinen. Beim Telefon oder der Kulisse ist das schon passiert. Es wird nur noch selten Telephon oder Coulisse geschrieben, solche Schreibweisen gelten inzwischen als exzentrisch.

Fremdwörter werden nach und nach heimisch – das soll sich auch in ihrer Schreibung niederschlagen

Für eine gewisse Gruppe von Fremdwörtern sollte dieser Prozess forciert werden, man legte also fest, dass diese in einer einfacheren, „deutscheren“ Form geschrieben werden könnten. Dies gilt für phon-, phot- und graph-Fremdwörter – Geografie, Fotovoltaik, Grafiker – aber auch für einzelne andere Fremdwörter wie eben Fantasie. Genauso ergeben sich Kann-Schreibungen bei Tunfisch/Thunfisch oder Spagetti/Spaghetti.
Viele Fremdwörter durften so bleiben, wie sie sind. Katastrophe oder Philosophie oder Strophe wurden nicht angepasst.
Bei anderen Fremdwörtern war die eingedeutschte Form so ungebräuchlich, dass sie inzwischen wieder zurückgenommen wurde. Beispiele sind Ketschup, Majonäse oder Grislibär. Diese Schreibweisen sind seit 2017 nicht mehr zulässig.
Ein ähnlich gelagertes Feld ist übrigens die Zusammen- oder Getrenntschreibung von Fremdwörtern und einheimischen Wörtern, z. B. Charityveranstaltung oder Corporate Identity.

Lektorat Text Berlin Website Christian Wöllecke Werbelektorat Beschriftung einer Ketchupflasche: Nur die Schreibung Ketchup ist korrekt.
Was draufsteht, ist auch drin: Ketchup. Andere Schreibweisen sind nicht mehr zulässig. Foto: Charisse Kenion on Unsplash

Auch nach vielen Jahren schwankt der Gebrauch der einzelnen Schreibweisen

Aber nicht nur ein Wort wie Roulett hat ausgedient und ist abgeschafft. Auch in anderen Fällen kan man nicht von einem Erfolg auf breiter Flur sprechen. Mich selber schaudert es immer, wenn ich eine Korrektur wie Fotovoltaikanlage empfehle. Warum? Ich weiß es nicht. Aber es geht vielen Schreibern und Schreiberinnen genauso. Womit wir beim Problem wären, dass sich auch 22 Jahre nach der Reform die Schreibgewohnheiten massiv verändern, sich aber gerade bei Wörtern wie Fantasie/Phantasie nur allmählich Tendenzen abzeichnen. Schließlich hat der Gebrauch der ph-Form immer ein bisschen den Dünkel der sprachlichen Meisterschaft; man besinnt sich vermeintlich auf die sprachliche Vergangenheit und die Herkunft des Wortes. Bei der Photovoltaikanlage verstärkt sich meinem Eindruck nach eher der technisch-sachliche Bezug des Herstellers, der so seine Expertise präsentiert. „So schreibt der Fachmann!“ Andererseits sieht man die Formen Graphik bzw. Graphiker eher noch im Atelierkontext, aber weniger als Berufs- oder Leistungsbezeichnung.

Am wichtigsten: Einheitlichkeit, egal welche Schreibweise man wählt

Wichtig ist meiner Meinung nach, dass man sich für eine Form entscheidet, am besten projektübergreifend. Damit wird es leichter, die Schreibungen einheitlich zu halten. In Einzelfällen und auch bei Einzelwörtern kann man dann auch abweichen, wenn es sein muss. So lange man sich für eine Schreibweise entscheidet, ist das fantastisch … oder natürlich phantastisch. Das gilt auch in anderen Fällen, zum Beispiel bei der Frage, ob man sodass oder so dass schreibt. Beides ist möglich, man muss sich aber auf eine Variante festlegen.
Die konkrete Einzelfallentscheidung kann trotzdem nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Varianten von einer gewissen Willkür geprägt sind und nicht konsequent umgesetzt werden. Man sollte die Entwicklung der Schreibweisen also im Auge behalten.

Sollte in keinem Schrank fehlen: ein Delfin- oder eben auch Delphinkostüm. Via GIPHY

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

Man kann Fantasie oder Phantasie schreiben. Die von Duden empfohlene Schreibung Fantasie ist Folge der Rechtschreibreform. Fremdwörter, die schon lange in unserer Sprache existieren, werden zu heimischen Wörtern, dies soll sich auch in der Schreibweise ausdrücken. Dies gilt für phon-, phot- und graph-Fremdwörter – Geografie, Fotovoltaik, Grafiker etc.Ähnlich ist es bei Fremdwörtern wie Thunfisch/Tunfisch, Spaghetti/Spagetti, Delfin/Delphin, Joghurt/Jogurt. Die empfohlenen Schreibungen Thunfisch, Spaghetti, Delfin, Joghurt folgen dabei keiner einheitlichen Regel, sondern der Häufigkeit ihrer Verwendung durch die Schreibenden.

Das Klein-Klein als Schummelnummer

Irgendwie habe ich es wohl mit Waschanlagen. An einer komme ich regelmäßig vorbei. Jetzt wird sie runderneuert – ein gewaltiger Bauakt. So schön das auch ist für die Autofahrer und alle Waschstraßenliebhaber, dem Lektor verschlägt es die Sprache, wenn er Baustellenbeschilderungen wie diese liest.

Lektorat Berlin Christian Wöllecke

Nicht frisch oder eigen, sondern irgendwie inkompetent

Das hat meiner Meinung nach auch nichts mehr mit Corporate Language zu tun. Der Satzanfang klein, die Höflichkeitsanrede klein. Man bekommt so ein bisschen das Gefühl, dass da jemand einfach Probleme mit der Groß- und Kleinschreibung hat. Dazu kommt: Adresse und Monat sind groß geschrieben, so als bewegten sie sich in einer anderen Welt, als dürfte man nur diese beiden Dinge nicht kleinschreiben.

Wenn man Waschstraßen so bauen würden, kehrten die Bauarbeiter auf der Hälfte der Bauarbeiten der Baustelle den Rücken. Viel wird mit halbfertigen Waschanlagen nicht zu verdienen sein. Jetzt kann man nur hoffen, dass auch kein Texter an dieser Idee verdient hat. Und vor allem, dass nicht der nächste um die Ecke biegt und dem Unternehmen den folgenden Satz in den Mund legt: „Bei uns wird Service großgeschrieben!“

Schöne Feiertage!

Das Jahr 2016 steht kurz vor dem Aus. Für meine Selbstständigkeit als Freier Lektor gilt das glücklicherweise nicht. Das erste Jahr war spannend, lehrreich und hat mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Die Blogeinträge sind zum Ende hin spärlicher geworden. In diesem Fall ein gutes Zeichen: Ich komme kaum dazu, weil mir so viele Kunden ihre Texte anvertrauen. Darum wird der nächste Beitrag zu Apostrophen wohl erst im Januar erscheinen.

Ich wünsche auf diesem Weg allen, die ich nicht mehr persönlich erreiche, ein entspanntes, besinnliches Weihnachtsfest, einen guten Rutsch ins neue Jahr und eine erholsame Ferienzeit.

Ab dem 4. Januar widme ich mich dann wieder Texten, Fehlern, Blogs und Websites.

Gewinnspielsieger und Fehlerlese

Die Gewinner sind gezogen! All diejenigen, denen das Losglück nicht hold war, können sich damit trösten, dass ich für den moses. Verlag momentan ein weiteres Quizkartenspiel lektoriere. Und neue Beiträge gibt es natürlich auch.

Manchmal sieht man Fehler auf den ersten Blick – auch im Supermarkt. Diesmal habe ich Vertreter aus den Bereichen Grammatik und Kontext zu bieten.

Alles Käse?

Biohersteller werben damit, sich besondere Mühe mit ihren Produkten zu geben. Das stimmt sicher auch. Mit der Grammatik hapert es allerdings ein wenig auf dieser Käseverpackung, auf die ich wohl erst durch den großen, roten Rabattpunkt aufmerksam geworden bin. In einer Art Checkliste zählt der Hersteller auf, was an seinem Produkt so gut ist:

  • würzig & aromatisch im Geschmack
  • mit Bergblumensud gepflegter Rinde*
  • mit mikrobiellem Lab hergestellt

Eine Packung Biokäse mit grammatisch falschem Aufdruck.

Das Sternchen markiert den Fehler. Damit die Formulierung in dieser Form richtig wäre, müsste man ein zweites „mit“ einfügen. Oder man schreibt: mit Bergblumensud gepflegte Rinde. Wenn man einmal eingreift, sollte man allerdings ohnehin etwas Ordnung in die Aufzählung bringen. Am besten wäre dabei: Rinde mit Bergblumensud gepflegt. Zwar beziehen sich alle Punkte auf etwas Übergeordnetes, durch die Rinde in der Mitte bleibt es aber eine etwas unrunde Angelegenheit. Also erwähnt man sie am besten gleich am Anfang. Unrund wirkt übrigens auch der Einsatz des Wörtchens „Bio“. Es kann nämlich ganz normal mit anderen Wörtern verkuppelt werden, dafür braucht es keinen Bindestrich. Und wenn man nicht verzichten will, muss es einheitlich sein: Der Bindestrich beim Bio Bergblumenkäse* wird durch den Umbruch keinesfalls überflüssig.

Wunschträume

Werbung und Marken sollen in den Köpfen der Verbraucher Bilder entstehen lassen. Im Falle der Edeka-Mango geht es dabei ganz weit weg – in die Regionen, in denen man sich die Frucht in stickiger, feuchter Schwüle vorstellt. Mit der Machete arbeitet man sich vor, schlägt einen Weg durch das Gestrüpp und steht … mitten in einem Glasgewächshaus. Aus der Tropentraum. Die Sonne lacht in Spanien. Hätten das mal Joseph Conrad gewusst oder Werner Herzog: „Heart of Darkness“ mitten in Europa, und mit „Fitzcarraldo“ wäre es auch einfacher gewesen.
Manche Marken existieren nicht überzeitlich, sondern sollten auch schon in der Planung daraufhin geprüft werden, in welchen Kontexten sie vielleicht unpassend oder im schlimmsten Falle unwahr wirken könnten.

Eine "Tropenmango" aus Spanien, hier stimmt der Kontext nicht..

Der guten Ordnung halber zum Schluss: Gewonnen haben beim Gewinnspiel A. Schmidt und M. Weyrauch.