Komma in Urlaub!

Bevor ich auf dem Weg in den Urlaub noch eine Münze in die Wortspielkasse werfe, hier noch ein kleines Kommaexempel. Es zeigt sehr schön, wie der kleine Strich den Sinn eines ganzen Satzes verändern kann. Mein Ausgangssatz sah so aus:

Patienten, die erstmals unsere Praxis aufsuchen möchten, können sich mit einem akuten Anliegen täglich, außer dienstags zwischen 08:00–10:00 Uhr in der Praxis vorstellen.

Ich habe das zweite Komma nach dienstags gesetzt, das ging aus den Sprechzeiten hervor. Nur am Dienstagvormittag gibt es also keine Sprechstunde für neue Patientinnen und Patienten.

Wenn das Komma nur ein bisschen verrutscht wäre, nämlich hinter 10:00 Uhr, dann hätten kommageschulte Patienten und Patientinnen der Praxis zu jeder Zeit die Bude einrennen können, außer eben am Dienstag zwischen 8 und 10 Uhr.

Vielleicht hat meine Arbeit also den Ansturm der Massen verhindert. Obwohl eine Arztpraxis natürlich nicht Primark ist und nur Lektoren und sonstige Textpedanten auf die Idee kämen, einem Kommafehler folgend eine Behandlung ihrer Rückenschmerzen rund um die Uhr zu erwarten. Es bleibt also bei der Erkenntnis, dass ein Komma – zumindest theoretisch – den Unterschied machen kann.

Ich wünsche einen schönen Sommer, viele richtige Kommas, wenig Regen. Ab 14. August habe ich wieder Platz für neue Aufträge.

Komma vor sondern – immer, manchmal, nie?

Das Komma vor sondern ist eigentlich ein recht klarer Fall. Trotzdem will ich in diesem Text die Regel beleuchten und ein paar Beispiele diskutieren.

Wenn man sich an die eigene Kindheit erinnert, kommt einem der folgende Satz vielleicht ganz vertraut vor: „Ich will das aber nicht!“ Und das Gegenüber, Mutter, Vater, Oma, Opa, fragte dann: „Sondern?“ Als Kind musste man sich hauptsächlich mit dem Einzelwort sondern herumschlagen, als Erwachsener kommt häufig noch die Kommafrage dazu.

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Sondern hat ein ganz bestimmtes Verhältnis zum Komma. Es gehört zur Gruppe der Konjunktionen, es ist also ein Bindewort. Bindewörter verbinden Wortgruppen, Wörter, Sätze oder Teilsätze. Anders als und, oder und sowie ist sondern allerdings eine adversative (das heißt entgegensetzende) Konjunktion. Die Satzverbindung erfolgt über den Gegensatz. Das wird deutlich, wenn wir in der Situation vom Anfang des Textes bleiben und einen weiteren Beispielsatz bilden: Ich will kein Gemüse essen, sondern Eis. Oder mit einem ganz anderen Beispiel: Er ist nicht stumm, sondern er hat Angst. Das Komma wird in diesen Fällen immer gesetzt, es gibt keine Ausnahmen.

Komma-Beispielsätze: sondern

  • Ich bin nicht verantwortlich, sondern der Mann da vorn.
  • Ich habe mich nicht für Schuhe entschieden, sondern bin barfuß gegangen.
  • Der Würfel ist nicht rund, sondern eckig.

Das Gleiche gilt für sondern auch:

  • Er spielt nicht nur für Potsdam, sondern auch für Berlin.
  • Ein Lektorat prüft nicht nur die Rechtschreibung, sondern auch den Inhalt.

Bei der Benutzung von sondern auch mit singularischen Subjekten wird das Verb überwiegend ebenfalls im Singular eingesetzt. Nicht nur die Katze, sondern auch der Hund lief davon.
Bei der Frage nach dem Komma ist der Fall bei sondern also klar. Es wird immer ein Komma gesetzt. Dies gilt auch für Satzverbindungen mit sondern auch.

Nachgeschlagen

Die entgegensetzende Konjunktion sondern erfordert immer ein Komma.
Ich bin nicht gelangweilt, sondern müde.
Sie ist nicht nur gemein, sondern auch sehr eingebildet.
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Dass oder das – Regeln und Beispielsätze

Dass oder das, der kleine Unterschied treibt einen beim Schreiben schnell in den Wahnsinn. Und gibt es da nicht auch noch die Form daß? Am Ende des Textes findet sich eine Übersicht zu den Regeln für die Verwendung von „dass“ oder „das“.

Fangen wir mit der einfachsten Sache an: Daß gibt es seit der letzten Rechtschreibreform offiziell nicht mehr, auch wenn es von einigen Personen und Institutionen mit einem gewissen Trotz weiterhin verwendet wird. Daß wurde durch dass ersetzt, denn es wird mit einem kurzen Vokal gesprochen. Kurzen Vokalen folgt das zweifache S, das sogenannte scharfe S kommt nur nach lang gesprochenen Vokalen oder Doppellauten (sog. Diphtonge) zum Einsatz.

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Dass ist eine Konjunktion

Wo wir gerade bei dass sind: Dieses Wort funktioniert als Konjunktion, als Bindewort also, und leitet einen Nebensatz ein. Ich bin mir sicher (Hauptsatz), dass ich abgeschlossen habe (Nebensatz). Abgeschlossen mit Doppel-s, weil kurz gesprochen.

Weitere Beispielsätze:

  • Mein Hals tut so weh, dass ich zum Arzt muss.
  • Ich war so aufgeregt, dass ich nicht mehr still sitzen konnte.
  • Dass Scheiden wehtut, [das] habe ich erst am Bahnhof mitbekommen.
  • Das muss ich Dir nicht extra sagen, dass du so einen ganz schlechten Eindruck gemacht hast.
  • Dass du total verrückt bist, das habe ich heute wieder gemerkt.

In den letzten Beispielsätzen kam auf einmal das ins Spiel. Man könnte die Sache sogar noch weitertreiben: Das ist ein Auto, das ist doch klar. Das erste das ist dabei ein gewöhnlicher bestimmter Artikel wie der oder die. Das zweite das hat aber eine andere Funktion. Sinngemäß steht es für dies. Als Demonstrativpronomen steht das für dieses und lässt sich sinngemäß ersetzen. Dieses muss ich Dir nicht extra sagen, dass …
Zugegeben, die Einsetzprobe klingt etwas seltsam. Im folgenden Satz klingt es besser: Das (dieses) Haus, das ich meine. Das zweite das in diesem Satz kann durch ein anderes Wort ersetzt werden, nämlich welches. Dieses das ist ein Relativpronomen, es weist zurück auf sein Fürwort. Das Haus, das …

Das lässt sich in der Regel durch dieses oder welches ersetzen

Als Faustregel kann man festhalten: Kann man das gedanklich nicht mit dies, dieses oder welches ersetzen, ist sehr wahrscheinlich ein dass mit zwei s richtig.

Dazu noch einige Beispielsätze:

  • Was ist es, das ich tun soll?
  • Sie werden es noch weit bringen, das verspreche ich Ihnen.
  • Ein Männlein, das im Walde stand.
  • Das ist nämlich die Sache, dass ich ständig dass und das verwechsele.

Damit man sich getrost vom letzten Beispielsatz verabschieden kann, muss man sich nur die hier genannten Kniffe einprägen. Gern prüfe ich in einer Korrektur oder einem Lektorat aber auch Ihre Texte, ganz egal, bei welchen Wendungen Sie unsicher sind.

Nachgeschlagen

Dass leitet als Konjunktion einen Nebensatz ein.
Ich glaube, dass er ein entspannter Typ ist.
Das wird als Artikel, als Demonstrativ- und als Relativpronomen gebraucht.
Das Haus, das ich meine.
Ein Haus in Berlin kaufen? Das ist viel zu teuer.

Daß entspricht der alten Rechtschreibung. Nach neuer Rechtschreibung wird nur noch dass geschrieben.
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Schöne Feiertage!

Das Jahr 2016 steht kurz vor dem Aus. Für meine Selbstständigkeit als Freier Lektor gilt das glücklicherweise nicht. Das erste Jahr war spannend, lehrreich und hat mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Die Blogeinträge sind zum Ende hin spärlicher geworden. In diesem Fall ein gutes Zeichen: Ich komme kaum dazu, weil mir so viele Kunden ihre Texte anvertrauen. Darum wird der nächste Beitrag zu Apostrophen wohl erst im Januar erscheinen.

Ich wünsche auf diesem Weg allen, die ich nicht mehr persönlich erreiche, ein entspanntes, besinnliches Weihnachtsfest, einen guten Rutsch ins neue Jahr und eine erholsame Ferienzeit.

Ab dem 4. Januar widme ich mich dann wieder Texten, Fehlern, Blogs und Websites.

Auch mal an die eigene Persönlichkeit denken …

Kompetenzen braucht es, das weiß man ja. Man zeigt guten Willen, sich stetig zu verbessern, und man finanziert nicht zuletzt die Fortbildungsbranche. Der Freie Lektor ist dabei vielleicht die große Unbekannte (wie der Investmentbanker, der macht auch irgendwas). Man erwartet alles von ihm, nur eines nicht: dass er sich mit dem Thema Rechtschreibung auskennt. So könnte es zumindest scheinen, wenn man den Inhalt der folgenden Mail liest:

Sehr geehrter Herr Wöllecke,

fachlich macht Ihnen niemand so schnell etwas vor. Aber wie steht es um die Fertigkeiten, die nichts mit Ihrem Fachgebiet zu tun haben, jedoch unerlässlich für Ihren beruflichen Erfolg sind?

Mit unseren Seminaren aus dem Bereich ‘Persönliche Kompetenzen’, haben Sie u.a. die Möglichkeit, Ihr Stress- und Beschwerdemanagement zu optimieren, sich wirkungsvolle Gesprächstechniken anzueignen und Ihre Rechtschreibkenntnisse zu vertiefen.

Ich habe mich natürlich gleich per Mail erkundigt, ob ich irgendwas an meinem Beruf falsch verstanden habe. Und siehe da, meine Ansprechpartnerin hat ganz offensichtlich das Seminar zum Beschwerdemanagement belegt: „In dieser Woche bin ich nicht mehr im Büro, nächste Woche kümmere ich mich aber umgehend um Ihr Anliegen.“

Und Ihre Fenster? Sind sie auf oder stehen sie offen?

„Bei ihm habe ich noch eine Rechnung offen!“ „Ach, da hört ja wohl alles auf.“ In diesen beiden Sätzen stehen die Wörter auf und offen für sich. Sie erscheinen nicht austauschbar. Was aber, wenn wir nun zum Fenster treten. Ist es auf, steht es offen? Was ist richtig, was falsch? Oder geht beides?

Ran an den Duden

Als die Frage aufkam, habe ich gleich gewusst, dass ich das Thema nachschlagen muss. Ich bin regelmäßig Opfer von fälschlich erlernter Umgangssprache wie auch eingeschliffenen, falschen Schreibungen. So habe ich ewig evt. statt evtl. abgekürzt. Aber das ist eine andere Baustelle …
Bei der Frage nach dem Fenster geht es darum, dass auf oder offen in Verbindung mit Verben für bestimmte Vorgänge oder aber für bestimmte Ergebnisse stehen. Sie sind also eigentlich nicht austauschbar. Offen stehen, offen bleiben, offen sein – diese Wendungen drücken Zustände oder Ergebnisse aus (die Getrenntschreibung ergibt sich aus dem tatsächlichen Zustand; zusammengeschrieben würde offenstehen zum Beispiel im übertragenen Sinne. In diesem Unternehmen gab es so viele Türen, die Dir offenstanden …).
Hingegen geben aufgehen, aufplatzen, aufbrechen Vorgänge und Tätigkeiten wieder.

Darum habe ich im BWL-Studium die Begriffe deskriptiv und normativ auswendig lernen müssen

Wenn ich eben eigentlich schrieb, gibt es bei all dem natürlich wieder einen Unterschied zwischen Lehrmeinung und praktischer Anwendung. Wie soll es sein, wie ist es wirklich? Der Duden weist darauf hin, dass die Unterscheidung umgangssprachlich zu großen Teilen aufgehoben sei. Auf und offen stehen dabei beide für den erreichten Zustand: Das Fenster ist auf bzw. es steht offen.
In Fällen wie diesen kann einem zwar ein Licht aufgehen (und nur auf), aber die korrekte Anwendung bzw. das penibel beachtete Trennen von auf und offen, wird am ehesten in einem kleinen Kreis Gleichgesinnter Anerkennung finden. Ob die breite Leserschaft damit zu beeindrucken ist, darf bezweifelt werden. Immerhin taugt das Wissen um die richtige Verwendung aber als kleines dozierendes Lehrstück in der Mittagspause, beim abendlichen Smalltalk auf der WG-Party oder um dem geneigten Nachtlinienbusfahrer bei der nächtlich-morgendlichen Heimfahrt die Fahrt ein bisschen zu versüßen …