Je mehr … desto, je mehr … umso: Was ist richtig?

Kennen Sie das auch? Je mehr Sie über eine Sache nachdenken, desto unsicherer werden sie und desto mehr Fragezeichen springen Ihnen vor den Augen herum. Oder würde man eher schreiben: Je mehr, umso …? Oder sogar: Umso länger … umso? Heute zeige ich Ihnen, wann man umso, desto usw. in Verbindung mit je verwendet.

Die Grundregel lautet, dass Sie entweder umso oder desto unsicherer werden, je länger Sie über die Schreibung eines bestimmten Wortes nachdenken. Mir geht es übrigens mit der Aussprache so, wenn ich ein- und dasselbe Wort viele Male hintereinander laut ausspreche. Irgendwann fange ich an zu leiern. Je öfter, desto besser, ist also die korrekte Schreibweise, trifft aber im Leben nicht immer zu.

Ist es auch korrekt zu schreiben: Je kürzer, je besser?

Und was ist mit je – je? Diese Form gilt als überholt und nicht mehr als allzu gebräuchlich. Es spricht aber trotzdem nichts dagegen, sie zu verwenden. Besonders bei kurzen Verbindungen wie dem eben angesprochenen je öfter, je besser. Denn auch veraltete Formulierungen müssen nicht immer hinter dem Ofen versauern, ganz nach dem Motto: Je oller, je doller. Es kommt in jedem Fall auf den Text an. Sachlich nüchterne Anschreiben würden sich schwerer damit tun als eine schwungvoll geschriebene Geburtstagskarte. Abseits von der korrekten Rechtschreibung handelt es sich bei diesem Fall also eher um eine stilistische Frage.

Und was ist mit umso – umso?

Auch wenn die Formulierung nicht unbedingt falsch klingt, braucht es immer den Bezug auf die Konjunktion je. Sie können also nicht schreiben: Umso länger ich darüber nachdenke, umso unsicherer werde ich. Auch umso länger … desto funktioniert nicht. Richtig sind allein die oben beschriebenen Varianten von je … umso, je … desto und je … je.

Wann steht ein Komma bei je – umso, je – desto, je – je?

Die gute Nachricht zum Abschluss dieses Beitrags: Ein Komma wird in diesen Fällen immer gesetzt. Es gibt also keine Ausnahmen und keine Kann-Regeln. Je mehr ich über die Kommasetzung nachdenke, desto einfacher wird sie. Je länger ich hier auf den Frühzug warte, umso kälter wird mir. Aber dein Motto ist doch: Je früher, je besser!?

Zusammenfassung

Je nach Gusto können Sie umso, desto oder in bestimmten Situationen auch je schreiben. Je länger ich lebe, umso mehr vergesse ich. Je öfter ich anrufe, desto weniger habe ich zu erzählen. Je früher, je besser. Ein Komma wird immer gesetzt.

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Bescheid geben, bescheid sagen – welche Schreibung ist korrekt?


Kennen Sie das? Sie wollen nur eine kurze Mail schreiben, dass Sie jemandem Bescheid geben, wenn es so weit ist. Keine große Sache eigentlich, das ist ja schnell getippt … Doch dann geraten Sie ins Grübeln. Wie war das noch mal? Schreibt man Bescheid geben groß oder klein?

Bescheid geben: man schreibt „Bescheid“ immer groß

Um es so kurz zu machen, wie die Nachricht, die Sie eben versenden wollen: Sie haben Glück. In diesem Fall gibt es kein Hin und Her, keine Kann-Möglichkeiten, keine Auch-Schreibung. All die Dinge, die ich in vielen anderen Beiträgen differenzieren oder einschränken muss, kann ich mir an dieser Stelle sparen. Ob man Bescheid gibt oder einen Bescheid erhält, ob Sie noch schnell Bescheid sagen oder fürs Bescheid sagen danken – es wird nie bescheid, nie klein geschrieben.
Eine eventuelle Verwirrung ist allerdings nur zu verständlich. Schließlich schreibt man Substantivierungen zusammen, wie zum Beispiel das Kirschenessen. Das Substantiv Bescheid wird allerdings immer groß und getrennt geschrieben.

Schön, keine Ausnahmen, ob Sie nun einen Steuerbescheid oder einfach Bescheid erwarten

Vermutlich liegt die strikte Getrennt- und Großschreibung auch bei der Substantivierung in der Wortart begründet. Denn man erhält den Bescheid des Finanzamtes (hier denkt man am ehesten an ein Schriftstück), und man erhält Bescheid, wenn die Ergebnisse da sind (man wird also unterrichtet; jemand meldet sich). Auch wenn sich die inhaltliche Bedeutung unterscheidet, bleibt das Wort dasselbe. Es gibt nicht „den Bescheid“ auf der einen Seite und „das bescheid“ in einem anderen Kontext. Allerdings hat das Wort eine lange Geschichte im Deutschen. Es taucht schon im Grimmschen Wörterbuch auf, abrufbar über das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache. Dort geht es beispielsweise auch um abgewiesene Verehrer: „ob si schon ains oder zweimal ihren liebhabern abschlegigen beschaid gegeben. Wirsung Cal. H 3ᵃ“

Bescheidenheit ist eine Zier

Die Doppelstellung des Bescheids drückt sich übrigens auch in dem Verb bescheiden aus. Denn man kann bescheiden sein, man kann sich ebenfalls bescheiden. Man gibt sich dann sozusagen aktiv mit einer bestimmten Sache zufrieden. Nicht zuletzt kann ein Gesuch abschlägig beschieden werden. Das tun dann aber am ehesten Ämter, für die diese Art der Formulierung ganz offensichtlich erst erfunden wurde.

„Bescheid geben“ wird großschreiben

Nun können Sie also anderen besserwisserisch Bescheid geben. Und dürfen darauf hoffen, dass Sie viele Menschen erreichen. Denn Gewohnheiten verfestigen sich, auch beim Sprachgebrauch. Hin und wieder gibt es die Tendenz, die Waffen zu strecken und eine stark genutzte, aber falsche Form durch eine Anpassung der Regeln salonfähig zu machen. Sie wollen Beispiele für Schreibweisen, die auf dem besten Weg zu einer solchen „Adelung“ sind? Leerzeichen aller Art zum Beispiel. Inkorrekte Schreibweisen wie „CO2 neutral“ ohne Bindestrich oder „Basis Müsli“ sind inzwischen ebenso fest im schreiberischen Repertoire angekommen wie die falsche Schreibung „Herzlich Willkommen“ (richtig wäre CO2-neutral, Basismüsli und Herzlich willkommen). Also, am besten geben Sie Bescheid, solange die eben erlernte Schreibung noch die richtige ist. Falls sich dahingehend etwas ändert, erfahren Sie es hier auf meinem Blog.

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Plural bzw. Mehrzahl: Diese Besonderheiten sollten Sie kennen

Den Impuls, einen Beitrag über den Plural zu schreiben, verdanke ich dem „wilden“ Plakat am Straßenrand. Denn den meisten Sprecher/innen dürfte klar sein, dass es Wodkaflaschen heißt, wenn es um den Plural bzw. die Mehrzahl geht. Bei anderen Begriffen wird es schwieriger. Was macht man aus dem Gebirge? Und gibt es Bedarfe? Eine Übersicht mit häufig gesuchten Wörtern und ihrer Mehrzahl findet sich am Ende des Beitrags.

Auf ins Pluralgebirge

Das Gebirge: nicht nur die Gesamtheit von Bergen bzw. eine „zusammenhängende, durch Täler gegliederte Gruppe von hohen Bergen“ (vgl. Duden), sondern auch ein Pluraletantum, also ein Wort, das nur in der Mehrzahl auftritt. Andere Beispiele für solche Plurale sind Ferien, Leute, Unkosten. Damit die Information auf obigem Plakat grammatikalisch richtig wäre, müsste das Wort „Flasche“ die gleiche Singular- und Pluralform aufweisen (der Quader, die Quader) oder nur in der Einzahl vorkommen, also ein Singularetantum sein. Im Gegensatz zu den Begriffen Durst, Hunger, Ruhe oder Schutz bildet Flasche den Plural aber ganz normal. 50 % auf alle Wodkaflaschen. (Im Lektorat würde ich diese Korrekturen anmerken: Abstand zwischen Zahl und Prozentzeichen einfügen, Wodka im Deutschen mit W, Komposita werden zusammengeschrieben.)

Besondere Formen des Plurals bei Fachwörtern: Verbräuche, Betone

Fachwörter haben häufig die Eigenschaft, für Laien unverständlich zu sein. Und noch etwas ist besonders – sie durchkreuzen die üblichen Regelungen für Ein- und Mehrzahl. So können auch Plurale von Bedarf (Bedarfe) oder Salz (Salze) gebildet werden, was in der Allgemeinsprache überflüssig ist. Das führt sogar zu Wörtern wie Blute, Elektrizitäten oder Gersten; aber, wohlgemerkt, alles nur im Bereich der Fachsprache.

Plural und Umlaute: Öfen, Katzen, Schlote

Substantive mit umlautfähigem Stammlokal teilen sich im Normalfall in zwei Gruppen auf: Pluralbildung mit Umlaut (der Ofen – die Öfen) oder ohne Umlaut (die Katze – die Katzen). Zudem gibt es Substantive, bei denen beide Formen standardsprachlich korrekt sind: Nachlasse – Nachlässe, Zwiebacke – Zwiebäcke. Manchmal ist auch eine Form gebräuchlicher, die andere hingegen regional oder umgangssprachlich: Schlote (umgs.: Schlöte), Schlucke (umgs.: Schlücke), Kräne (fachspr.: Krane). Einige Pluralformen zeugen aber auch von der inhaltlichen Unterschiedlichkeit gleichlautender Singularbegriffe: der Bund – die Bunde bzw. die Bünde, der Spund – die Spunde bzw. die Spünde.

Der Plural bei Fremdwörtern: Firmen, Babys, Celli, Spaghetti

Viele Fremdwörter haben heimische Endungen. Einige ersetzen die fremde Singularendung durch heimische Pluralendungen (Firma – Firmen, Mythos – Mythen), andere bewahren ihre fremden Endungen: Appendix – Appendizes, Cello – Celli. An englische Begriffe, die auf den Buchstaben Y enden, wird ein S angehängt: Babys, Ponys. An fremde Pluralendungen wird keine zusätzliche Endung angehängt: Wir essen Spaghetti, sie spielen Soli. Ich habe die einzelnen Themen/Themata in diversen Lexiken/Lexika nachgeschlagen.

Der Gipfel: Verschiedenste Plurale – Aase und Äser, ein Seemann unter Seeleuten, die USA

Sind Sie noch mit dabei beim Ausflug ins Pluralgebirge? Der Gipfel wartet, allerdings ist er übersät mit Menschen, und einige sind ziemlich nervige Zeitgenossen. Sie stehen permanent im Wege herum und werfen Zigarettenkippen in die Natur. Kein Wunder, dass einem gleich das Schimpfwort Äser in den Sinn kommt. Für Tiere – ob lebendig oder tot – ist da schon längst kein Platz mehr, keine Aase weit und breit. Wenn einen bei solchen Zuständen der Ekel packt, dann kann man laut „Ihr Ekel!“ rufen und mit Tränen in den Augen überlegen, wie man wieder hinunterkommt und ob man nicht besser aufgehoben wäre als Seemann unter Seeleuten. Oder ob gar eine Auswanderung infrage käme – vielleicht in die USA? Weil es sich um einen pluralischen Ländernamen handelt, schreibt man: „Er kommt aus den USA. Die USA bestreiten dies.“

Und wie lautet der Plural von Plural?

Ganz einfach, es heißt: die Plurale. Die Bildung erfolgt ziemlich regelkonform wie bei den meisten männlichen und sächlichen Substantiven. Man hängt ein e an, und schreibt z. B. auch Bericht/Berichte, Boot/Boote.

Hier noch eine Übersicht häufig gesuchter Pluralformen:

  • Bonus – Boni, auch Bonusse
  • Komma – Kommas, auch Kommata
  • Semikolon – Semikolons oder Semikola
  • Cello – Cellos, auch Cellis
  • Graffito – Graffiti
  • Sog – Soge

Diesen Blogbeitrag habe ich erstmals am 30. Mai 2016 veröffentlicht und am 05. Juni 2019 umfassend überarbeitet und umgeschrieben.

Harte Fakten

Fast alle Wörter bilden separate Pluralformen, außer Wörtern:
die nur im Plural vorkommen (sog. Pluraliatantum: Ferien, Kosten),
die nur im Singular vorkommen (sog. Singulariatantum bzw. Singulariatantums: Hunger, Durst),
deren Singular- und Pluralform gleich ist (zum Beispiel Quader).
Pluralbildungen erfolgen mit oder ohne Umlaut: der Hafen/die Häfen, die Barkasse/die Barkassen. Manchmal gibt es Pluaralvarianten mit und ohne Umlaut, dies geht mit Bedeutungsänderungen einher: der Spund/die Spunde bzw. die Spünde.
Manche Fremdworte mit fremder Singularendung erhalten heimische Pluralendungen (Firma – Firmen), andere behalten auch im Plural die fremde Endung: Bonus – Boni (aber auch: Bonusse).
An englische Begriffe, die auf Y enden, wird im Plural ein S angehängt (Ponys).
Fremde Pluralendungen erhalten keine zusätzliche Endung: Ich habe tütenweise Spaghetti gekauft.

 

Komma vor „sowohl – als auch“?

Ob ein Komma bei sowohl – als auch gesetzt wird, ist das Thema meines heutigen Beitrags. Nebenbei schaue ich auch noch auf die Frage, wann sowohl ein wie auch folgt und wie es sich mit dem Sowohl-als-auch verhält.

Bei sowohl – als auch handelt es sich um eine mehrteilige Konjunktion, also um ein Bindewort, das zwischen Wörtern, Satzgruppen oder Sätzen steht. Typische Vertreter dieser Wortart sind zum Beispiel und, oder, aber auch sowie. Wie und ist sowohl – als auch eine kopulative, also verbindende Konjunktion. Das weist auch den Weg in Sachen Kommasetzung.

„Sowohl – als auch“: mit Komma nur in Ausnahmefällen

Sowohl – als auch wirkt, wie eben schon festgestellt, in Sätzen verbindend. Es wird daher in der Regel kein Komma vor als gesetzt. Ich finde sowohl rot als auch blau toll. Er war sowohl begeistert als auch ziemlich aufgeregt. Und dies bleibt sogar so, wenn man besonders begeistert vom Wörtchen als in dieser Konstruktion ist. Er wandte sich sowohl an seine Anhänger als auch an die Demonstranten als auch an die Weltöffentlichkeit. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde sowohl – als auch übrigens auch teilweise noch negativ mit nicht gebraucht, wie man in einem interessanten Artikel der Gesellschaft für deutsche Sprache nachlesen kann.

Manchmal steht trotzdem ein Komma bei „sowohl – als auch“

Insbesondere bei Infinitivgruppen steht verpflichtend oder fakultativ ein Komma. Er behauptete[,] sowohl süßes als auch salziges Popcorn zu lieben. Oder verpflichtend: Ihn überkam der Drang, sein Gegenüber zur gleichen Zeit sowohl zu loben als auch zu beschimpfen.
Ebenfalls wird ein Komma gesetzt, wenn zwei vom Hauptsatz gleichwertig abhängige Nebensätze angebunden werden: Er rief mich an, sowohl, um mir zu gratulieren, als auch, um für den Abend abzusagen. Wie genau die Regel aussieht und was es bedeutet, dass Nebensätze gleichwertig vom Hauptsatz abhängen, habe ich bereits in einem anderen Artikel erklärt (im Absatz Kein Komma bei gleichrangigen Nebensätzen).

Sowohl – wie auch?

Wenn man statt eines als ein wie in der Fügung mit sowohl verwendet, ist dies korrekt. Es ist Ihnen also völlig freigestellt, welches der beiden Wörter Sie verwenden. Bei Vergleichen gibt es allerdings eine Unterscheidung. In solchen Fällen betont als eine Ungleichheit und wie die Gleichheit. Relevant ist die Unterscheidung vor allem dann, wenn es um die Frage nach der Kommasetzung bei als geht.

Komma vor sowohl – als auch?

In den meisten Fällen steht kein Komma. Gesetzt wird es dann, wenn man eine Infinitivgruppe mit sowohl – als auch abtrennt. Wenn man die Fügung substantiviert, schreibt man übrigens nur den ersten Buchstaben groß: Er dachte ausgiebig über das Sowohl-als-auch nach. Wobei die Schreibung von Wörtern mit Bindestrichen schon wieder ein ganz eigenes Thema ist …

Auf einen Blick

Im Normalfall steht kein Komma vor sowohl als auch. Ich finde sowohl Spam-Mails als auch Werbeanrufe ziemlich nervig.

Ein Komma wird bei Appositionen (1) und Infinitivgruppen (manchmal optional) (2) und bei Nebensatzkonstruktionen (3) gesetzt.
(1) Wir alle, sowohl meine Frau als auch die Kinder und ich, waren schockiert.
(2) Ich begann[,] sowohl zu winken als auch zu schreien.
(3) Ich versicherte, dass ich sowohl laut rufen könne, als auch, dass ich laut schreiend winken könne.

Herr oder Herrn?

Das Anschreiben ist eingetütet, die Briefmarke geklebt, jetzt nur noch schnell die Adresse … aber Moment, schreibt man Herr oder Herrn?

Natürlich tritt diese Frage meist schon viel früher auf, nämlich bei der Adresszeile. Wenn man an eine Frau schreibt, ist die Sache unproblematisch. Schreibt man an einen männlichen Empfänger, dann wird die Anrede Herrn verwendet. Man adressiert auf diese Weise, weil die Anrede im Akkusativ steht und dementsprechend flektiert – also gebeugt – wird. (An wen adressiert man den Brief? An Herrn Meyer.) So sieht es auch die DIN 5008, Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung, vor.
Auch Titel werden bei der Briefanrede üblicherweise entsprechend gebeugt und stehen im Akkusativ. Herrn Sachverständigen, Herrn Ersten Vorsitzenden.
Umgangssprachlich hat sich inzwischen die Variante verbreitet, z. B. in Mails zu schreiben: Ich habe Herr Meyer ebenfalls Bescheid gesagt. Dies ist allerdings keine standardsprachliche Variante und wird deshalb nicht empfohlen. Richtig ist es hingegen, bei der direkten Anrede den Nominativ zu nutzen: Ich möchte Ihnen, Herr Meyer, von Herzen danken.

Herrn Meyers Hund: Anrede und Namen werden beide flektiert

Das Sprichwort „Wer A sagt, muss auch B sagen“ trifft auch bei Anrede und Namen zu. Deshalb schreibt man: Ich musste mit Herrn Meyers Hund Gassi gehen. Bei einer Apposition, einer Beifügung also, gilt diese Regel ebenfalls. Der Arbeitsplatz unseres Geschäftsführers, Herrn Meyers, liegt im zweiten Stock.

So machen Sie deutlich, wer Ihren Brief öffnen darf

Nachdem ich Ihnen nun gerade die Regeln zur Beugung der Anrede Herrn vorgestellt habe, hier noch ein zusätzlicher Hinweis. Wenn Sie Ihr Schreiben persönlich an einen Empfänger richten wollen, stellen Sie seinen Namen über die Anschrift der Firma. Sie können die Vertraulichkeit zusätzlich durch einen Zusatz wie persönlich oder vertraulich verdeutlichen. In der Regel ist dies ausreichend. Die Fügung z. Hd. oder z. H. abgekürzt wird, ist – zumindest nach Duden – nicht mehr allzu gebräuchlich.
Steht der Name der Firma oder Institution hingegen zuerst, dann darf in der Regel jede Mitarbeiterin bzw. jeder Mitarbeiter, z. B. das Sekretariat, den Brief öffnen.

Zusammenfassung

In Briefanreden wird immer Herrn geschrieben.

Steht der Name des Empfängers in der Adresszeile über dem Firmennamen, gilt der Brief allgemein als an ihn persönlich gerichtet.


Dieser Artikel erschien zuerst am 17. Oktober 2017 und wurde von mir am 3. April 2019 grundlegend überarbeitet und erweitert.

Titelbild: Bundo Kim on Unsplash

„Guten Morgen“ groß, „Bis morgen“ klein – das ist der Unterschied

Einmal wird Morgen großgeschrieben, ein anderes Mal schreibt man morgen klein. Aber wo genau liegt der Unterschied. Warum heißt es „Heute Morgen habe ich noch keinen Kaffee getrunken, aber morgen werde ich Kaffee trinken“? In diesem Blogbeitrag erläutere ich, wie die Rechtschreibung bei „morgen“ bzw. „Morgen“ aussieht.

Beide Schreibungen sind möglich, das sehen Sie in meinem Beispielsatz. Allerdings handelt es sich nicht um optionale Schreibweisen wie z. B. bei Fantasie/Phantasie. Man schreibt morgen klein oder Morgen groß, weil es sich bei den äußerlich identischen Formen um unterschiedliche Wortarten handelt. Das Substantiv der Morgen wird großgeschrieben. Bei der Kleinschreibung geht es um das Adverb morgen. Aber schauen wir uns beide Fälle genauer an.

Groß schreibt man das Substantiv „Morgen“

Mein Morgen war gut … Dieser Morgen hatte es in sich … Am Morgen komme ich nicht aus dem Bett – in all diesen Sätzen schreibt man Morgen groß, weil das Wort hier als Substantiv steht. Das erkennt man z. B. am Artikel – der Morgen. Aber auch an Präpositionen, also Wörtern, die vorangestellt sind und mit dem Artikel verschmelzen können: am (= an dem) Morgen . Darum schreibt man auch den Satz aus der Einleitung mit großem Morgen: Heute [also an diesem] Morgen, habe ich noch keinen Kaffee getrunken.
Dies gilt auch für Fügungen wie vom Morgen bis zum Abend oder eines Morgens.

Als Adverb schreibt sich „morgen“ klein

Anders verhält es sich, wenn man sagt: Ich komme morgens nicht aus dem Bett. Während es bei eines Morgens um eine bestimmte Zeiteingabe geht, bedeutet morgens hier, dass etwas regelmäßig der Fall ist.
Generell spielt der zeitliche Aspekt in der Unterscheidung eine Rolle. Man schreibt morgen klein, wenn man sich auf den nächsten Tag bezieht. Deshalb wird sie morgen anrufen. Es wird morgen früh wieder ein harter Morgen. Natürlich kann morgen aber auch für eine unbestimmte Zeit in der Zukunft stehen: Das ist die Technik von morgen!

Schreibt man „Morgen“ groß? Je nach Wortart!

Die Regeln und Fälle für ein klein- oder großgeschriebenes Morgen sind also sehr eindeutig. Wenn Sie sich unsicher sind, können Sie immer versuchen, ob das Wort mit einem Artikel im Satz funktioniert. Noch besser ist es natürlich, wenn Sie sich genau klar machen, was Sie aussagen wollen. Ich sage es dir morgen (irgendwann am nächsten Tag). Ich sage es dir gleich morgen früh (am nächsten Tag morgens). Aber: Ich sage es dir am Morgen (am nächsten Morgen).

Zusammenfassung

Man schreibt Morgen groß, wenn es sich um das Substantiv handelt, das mit Artikel oder Präposition steht: ein schöner Morgen; der Morgen kam langsam; es graute der Morgen; gleich am Morgen rufe ich an.

Man schreibt morgen klein, wenn es als (zeitliches) Adverb fungiert und z. B. eine Regelmäßigkeit ausdrückt: Morgen [Vormittag] rufe ich an; morgens rufe ich [regelmäßig] an; bis morgen.

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