Oder Ähnliches, und vieles mehr, zum Beispiel – wie man Abkürzungen richtig verwendet

Abkürzungen sind sprachlicher Alltag, trotzdem birgt ihre Verwendung ein paar Fallstricke. Heute schreibe ich darüber, wie genau man abkürzt, wann man auf Abkürzungen besser verzichten sollte und dass ich eventuell jahrelange falsch abgekürzt habe.

Besonders in längeren Texten, wenn sich Wörter wiederholen, darf man durch Abkürzungen sparen, auch bei wissenschaftlichen oder fachlichen Texten. In Romanen oder Zeitungsartikeln fallen Abkürzungen dagegen meist aus dem Rahmen – außer sie dienen der literarischen Gestaltung und sind ein ganz bewusst gewähltes Stilmittel. Bei wissenschaftlichen Arbeiten muss das Abkürzungsverzeichnis übrigens nicht die gängigen Abkürzungen wie z. B. (zum Beispiel) oder ggf. (gegebenenfalls) enthalten, hier sollten eher die Abkürzungen fachsprachlicher Begriffe erläutert werden.

Wie man Abkürzungen richtig verwendet: z. B., o. Ä., u. a.

Bei z. B. wurde es oben vielleicht schon deutlich. Bei einer Abkürzung von zwei Wörtern bleibt wie auch sonst Leerraum, die Abkürzung ändert hier nichts. Deshalb schreibt man auch nicht uvm., sondern u. v. m., denn es heißt ja und vieles mehr. Ein häufig vorkommender Fehler ist auch, bei oder Ähnliches bzw. und Ähnliches mit zwei Kleinbuchstaben abzukürzen. In einer solchen Fügung wird Ähnliches allerdings als Substantiv aufgefasst, denn man kann fragen: „Nach was habt ihr gesucht?“ „Nach XY oder etwas Ähnlichem.“ Man kürzt also ab mit o. Ä. und u. Ä. Eventuell rührt dieser Fehler von u. a. her. Hier geht es aber um die Formulierung unter anderem; trotz der scheinbaren Ähnlichkeit der Abkürzungen folgen sie in puncto Groß- und Kleinschreibungen völlig unterschiedlichen Regeln.

Und was ist nun mit der Abkürzung „eventuell“?

Bei mir hatte sich der Fehler eingebrannt, eventuell als evt. abzukürzen, obwohl es evtl. heißt. Ich weiß nicht mehr genau, wie es dazu gekommen ist, aber es hat einige Monate gedauert, bis ich diesen Fehler losgeworden bin. Wer also z. B. oder auch i. V. (in Vertretung) oder i. A. (im Auftrag) zusammenschreibt, der braucht vielleicht eine kleine Weile, bis er sich an den Leerschritt gewöhnt hat. Im Zweifelsfall einfach kurz überlegen, wie die Worte ausgeschrieben im Text vorkommen. Deshalb gibt es auch die Abkürzungen zz. und z. Z. Zurzeit meint im Moment, während zur Zeit für einen bestimmten Zeitraum oder eine Epoche steht: „Zur Zeit der ersten Dampfmaschinen …“

Die berühmte Ausnahme bilden hier usw. bzw. usf. Dass hier eigentlich getrennte Wörter wie und so weiter und so fort in der Abkürzung zusammengeschrieben werden, entzieht sich zumindest meinem Verständnis und führt sicher auch zu fälschlichen Zusammenschreibungen wie uvm. statt dem richtigen u. v. m.

Eine erschöpfende Liste von Abkürzungen poste ich an dieser Stelle nicht, diese Dinge finden sich sicher zuhauf im Netz. Die von mir hier vorgestellten Abkürzungen stellen typische Fehlerquellen dar und werden häufig benutzt. In diesem Sinne hoffe ich, vielleicht ein paar zukünftig richtig geschriebene z. B. u. Ä. bewirkt zu haben.

Beitragsbild: unsplash-logoErwan Hesry

Wie schreibt man „ein gesundes neues Jahr“? Groß oder klein?

Das Ende des Jahres rückt unaufhaltsam näher. Wer jetzt an den Grußkarten sitzt, versucht oft, ganz persönliche Wünsche zu übermitteln. Aber an manchen Wendungen kommt man nur schwer vorbei.

Was beim Neujahrsspaziergang mit sektschwerem Kopf nur wenig Probleme bereitet, nämlich ein „frohes Neues“ zu wünschen, kann beim Schreiben von Grußkarten auch ohne Sekt zu Kopfschmerzen führen. Denn ausgeschrieben wird man eher ein frohes neues Jahr wünschen – oder ein frohes Neues Jahr?

Neues Jahr – substantivierte Wortgruppe oder nicht

Das neue Jahr wird nach Duden-Empfehlung kleingeschrieben. Allerdings gibt es auch die Variante als Großschreibung. Das Neue Jahr wird dabei als substantivierte Wortgruppe aufgefasst. Solche substantivierten Wortgruppen sind zum Beispiel Eigennamen (Rotes Meer) oder Titel (Heiliger Vater). Die Großschreibung hat sich aber auch für Wortgruppen mit teils übertragener Gesamtbedeutung eingebürgert, sie kommt bei Erste Hilfe oder Schwarzes Brett vor (hier empfiehlt Duden die Großschreibung).

Großschreibung: Heiliger Abend

Auch bestimmte Feiertage wie der Erste Mai oder der Heilige Abend werden als Eigennamen großgeschrieben. Und in der Nähe dieser Großschreibung dürfte sich für viele Schreibende auch der Grund für einen Hang zum großgeschriebenen neuen Jahr finden. Rundherum richtig ist es, ein gesundes neues Jahr zu wünschen.

Kleinschreibung: frohe Weihnachten, frohes neues Jahr

Auch fröhliche und frohe Weihnachten werden auf diese Weise kleingeschrieben. Was die konkrete Verwendung angeht und ob es diese Weihnachten waren oder dieses Weihnachten war heißt, habe ich bereits im Blogbeitrag Pfingsten: Singular, Plural? erörtert.

Beitragsbild: Silvester 2007 von wiseguy71 unter der Lizenz (CC BY-ND 2.0)

Herr oder Herrn?

Das Anschreiben ist eingetütet, die Briefmarke geklebt, jetzt nur noch schnell die Adresse … aber Moment, schreibt man Herr oder Herrn?

Man adressiert an „Herrn“, so sieht es die DIN 5008, Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung, vor. Auch Titel werden entsprechend gebeugt und stehen im Akkusativ. Herrn Sachverständigen, Herrn Präsidenten oder Präsident.

Wer darf öffnen?

Stellt man den Namen über die Anschrift der Firma, signalisiert man zudem, dass nur der Empfänger persönlich den Brief öffnen darf. Dies kann man zudem noch durch einen kleinen Zusatz wie „persönlich“ oder „vertraulich“ verdeutlichen. Steht der Name der Firma oder Institution zuerst, darf in der Regel jeder Mitarbeiter, z. B. das Sekretariat, den Brief öffnen.

Komma vor sondern – immer, manchmal, nie?

Das Komma vor sondern ist eigentlich ein recht klarer Fall. Trotzdem will ich in diesem Text die Regel beleuchten und ein paar Beispiele diskutieren.

Wenn man sich an die eigene Kindheit erinnert, kommt einem der folgende Satz vielleicht ganz vertraut vor: „Ich will das aber nicht!“ Und das Gegenüber, Mutter, Vater, Oma, Opa, fragte dann: „Sondern?“ Als Kind musste man sich hauptsächlich mit dem Einzelwort sondern herumschlagen, als Erwachsener kommt häufig noch die Kommafrage dazu.
Sondern hat ein ganz bestimmtes Verhältnis zum Komma. Es gehört zur Gruppe der Konjunktionen, es ist also ein Bindewort. Bindewörter verbinden Wortgruppen, Wörter, Sätze oder Teilsätze. Anders als und, oder und sowie ist sondern allerdings eine adversative (das heißt entgegensetzende) Konjunktion. Die Satzverbindung erfolgt über den Gegensatz. Das wird deutlich, wenn wir in der Situation vom Anfang des Textes bleiben und einen weiteren Beispielsatz bilden: Ich will kein Gemüse essen, sondern Eis. Oder mit einem ganz anderen Beispiel: Er ist nicht stumm, sondern er hat Angst. Das Komma wird in diesen Fällen immer gesetzt, es gibt keine Ausnahmen.

Komma-Beispielsätze: sondern

  • Ich bin nicht verantwortlich, sondern der Mann da vorn.
  • Ich habe mich nicht für Schuhe entschieden, sondern bin barfuß gegangen.
  • Der Würfel ist nicht rund, sondern eckig.

Das Gleiche gilt für sondern auch:

  • Er spielt nicht nur für Potsdam, sondern auch für Berlin.
  • Ein Lektorat prüft nicht nur die Rechtschreibung, sondern auch den Inhalt.

Bei der Benutzung von sondern auch mit singularischen Subjekten wird das Verb überwiegend ebenfalls im Singular eingesetzt. Nicht nur die Katze, sondern auch der Hund lief davon.
Bei der Frage nach dem Komma ist der Fall bei sondern also klar. Es wird immer ein Komma gesetzt. Dies gilt auch für Satzverbindungen mit sondern auch.

Nachgeschlagen

Die entgegensetzende Konjunktion sondern erfordert immer ein Komma.
Ich bin nicht gelangweilt, sondern müde.
Sie ist nicht nur gemein, sondern auch sehr eingebildet.

Dass oder das – Regeln und Beispielsätze

Dass oder das, der kleine Unterschied treibt einen beim Schreiben schnell in den Wahnsinn. Und gibt es da nicht auch noch die Form daß? Am Ende des Textes findet sich eine Übersicht zu den Regeln für die Verwendung von „dass“ oder „das“.

Fangen wir mit der einfachsten Sache an: Daß gibt es seit der letzten Rechtschreibreform offiziell nicht mehr, auch wenn es von einigen Personen und Institutionen mit einem gewissen Trotz weiterhin verwendet wird. Daß wurde durch dass ersetzt, denn es wird mit einem kurzen Vokal gesprochen. Kurzen Vokalen folgt das zweifache S, das sogenannte scharfe S kommt nur nach lang gesprochenen Vokalen oder Doppellauten (sog. Diphtonge) zum Einsatz.

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Dass ist eine Konjunktion

Wo wir gerade bei dass sind: Dieses Wort funktioniert als Konjunktion, als Bindewort also, und leitet einen Nebensatz ein. Ich bin mir sicher (Hauptsatz), dass ich abgeschlossen habe (Nebensatz). Abgeschlossen mit Doppel-s, weil kurz gesprochen.

Weitere Beispielsätze:

  • Mein Hals tut so weh, dass ich zum Arzt muss.
  • Ich war so aufgeregt, dass ich nicht mehr still sitzen konnte.
  • Dass Scheiden wehtut, [das] habe ich erst am Bahnhof mitbekommen.
  • Das muss ich Dir nicht extra sagen, dass du so einen ganz schlechten Eindruck gemacht hast.
  • Dass du total verrückt bist, das habe ich heute wieder gemerkt.

In den letzten Beispielsätzen kam auf einmal das ins Spiel. Man könnte die Sache sogar noch weitertreiben: Das ist ein Auto, das ist doch klar. Das erste das ist dabei ein gewöhnlicher bestimmter Artikel wie der oder die. Das zweite das hat aber eine andere Funktion. Sinngemäß steht es für dies. Als Demonstrativpronomen steht das für dieses und lässt sich sinngemäß ersetzen. Dieses muss ich Dir nicht extra sagen, dass …
Zugegeben, die Einsetzprobe klingt etwas seltsam. Im folgenden Satz klingt es besser: Das (dieses) Haus, das ich meine. Das zweite das in diesem Satz kann durch ein anderes Wort ersetzt werden, nämlich welches. Dieses das ist ein Relativpronomen, es weist zurück auf sein Fürwort. Das Haus, das …

Das lässt sich in der Regel durch dieses oder welches ersetzen

Als Faustregel kann man festhalten: Kann man das gedanklich nicht mit dies, dieses oder welches ersetzen, ist sehr wahrscheinlich ein dass mit zwei s richtig.

Dazu noch einige Beispielsätze:

  • Was ist es, das ich tun soll?
  • Sie werden es noch weit bringen, das verspreche ich Ihnen.
  • Ein Männlein, das im Walde stand.
  • Das ist nämlich die Sache, dass ich ständig dass und das verwechsele.

Damit man sich getrost vom letzten Beispielsatz verabschieden kann, muss man sich nur die hier genannten Kniffe einprägen. Gern prüfe ich in einer Korrektur oder einem Lektorat aber auch Ihre Texte, ganz egal, bei welchen Wendungen Sie unsicher sind.

Nachgeschlagen

Dass leitet als Konjunktion einen Nebensatz ein.
Ich glaube, dass er ein entspannter Typ ist.
Das wird als Artikel, als Demonstrativ- und als Relativpronomen gebraucht.
Das Haus, das ich meine.
Ein Haus in Berlin kaufen? Das ist viel zu teuer.

Daß entspricht der alten Rechtschreibung. Nach neuer Rechtschreibung wird nur noch dass geschrieben.
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Und Ihre Fenster? Sind sie auf oder stehen sie offen?

„Bei ihm habe ich noch eine Rechnung offen!“ „Ach, da hört ja wohl alles auf.“ In diesen beiden Sätzen stehen die Wörter auf und offen für sich. Sie erscheinen nicht austauschbar. Was aber, wenn wir nun zum Fenster treten. Ist es auf, steht es offen? Was ist richtig, was falsch? Oder geht beides?

Ran an den Duden

Als die Frage aufkam, habe ich gleich gewusst, dass ich das Thema nachschlagen muss. Ich bin regelmäßig Opfer von fälschlich erlernter Umgangssprache wie auch eingeschliffenen, falschen Schreibungen. So habe ich ewig evt. statt evtl. abgekürzt. Aber das ist eine andere Baustelle …
Bei der Frage nach dem Fenster geht es darum, dass auf oder offen in Verbindung mit Verben für bestimmte Vorgänge oder aber für bestimmte Ergebnisse stehen. Sie sind also eigentlich nicht austauschbar. Offen stehen, offen bleiben, offen sein – diese Wendungen drücken Zustände oder Ergebnisse aus (die Getrenntschreibung ergibt sich aus dem tatsächlichen Zustand; zusammengeschrieben würde offenstehen zum Beispiel im übertragenen Sinne. In diesem Unternehmen gab es so viele Türen, die Dir offenstanden …).
Hingegen geben aufgehen, aufplatzen, aufbrechen Vorgänge und Tätigkeiten wieder.

Darum habe ich im BWL-Studium die Begriffe deskriptiv und normativ auswendig lernen müssen

Wenn ich eben eigentlich schrieb, gibt es bei all dem natürlich wieder einen Unterschied zwischen Lehrmeinung und praktischer Anwendung. Wie soll es sein, wie ist es wirklich? Der Duden weist darauf hin, dass die Unterscheidung umgangssprachlich zu großen Teilen aufgehoben sei. Auf und offen stehen dabei beide für den erreichten Zustand: Das Fenster ist auf bzw. es steht offen.
In Fällen wie diesen kann einem zwar ein Licht aufgehen (und nur auf), aber die korrekte Anwendung bzw. das penibel beachtete Trennen von auf und offen, wird am ehesten in einem kleinen Kreis Gleichgesinnter Anerkennung finden. Ob die breite Leserschaft damit zu beeindrucken ist, darf bezweifelt werden. Immerhin taugt das Wissen um die richtige Verwendung aber als kleines dozierendes Lehrstück in der Mittagspause, beim abendlichen Smalltalk auf der WG-Party oder um dem geneigten Nachtlinienbusfahrer bei der nächtlich-morgendlichen Heimfahrt die Fahrt ein bisschen zu versüßen …