Dass oder das – Regeln und Beispielsätze

Dass oder das, der kleine Unterschied treibt einen beim Schreiben schnell in den Wahnsinn. Und gibt es da nicht auch noch die Form daß? Am Ende des Textes findet sich eine Übersicht zu den Regeln für die Verwendung von „dass“ oder „das“.

Fangen wir mit der einfachsten Sache an: Daß gibt es seit der letzten Rechtschreibreform offiziell nicht mehr, auch wenn es von einigen Personen und Institutionen mit einem gewissen Trotz weiterhin verwendet wird. Daß wurde durch dass ersetzt, denn es wird mit einem kurzen Vokal gesprochen. Kurzen Vokalen folgt das zweifache S, das sogenannte scharfe S kommt nur nach lang gesprochenen Vokalen oder Doppellauten (sog. Diphtonge) zum Einsatz.

„Dass“ ist eine Konjunktion

Wo wir gerade bei dass sind: Dieses Wort funktioniert als Konjunktion, als Bindewort also, und leitet einen Nebensatz ein. Ich bin mir sicher (Hauptsatz), dass ich abgeschlossen habe (Nebensatz). Abgeschlossen mit Doppel-s, weil kurz gesprochen.

Weitere Beispielsätze:

  • Mein Hals tut so weh, dass ich zum Arzt muss.
  • Ich war so aufgeregt, dass ich nicht mehr still sitzen konnte.
  • Dass Scheiden wehtut, [das] habe ich erst am Bahnhof mitbekommen.
  • Das muss ich Dir nicht extra sagen, dass du so einen ganz schlechten Eindruck gemacht hast.
  • Dass du total verrückt bist, das habe ich heute wieder gemerkt.
  • Morgen sage ich einfach, dass ich krank bin.
  • Ich habe so viel telefoniert, dass mir jetzt das Ohr wehtut.
  • Er wollte, dass ich mitkomme.
  • Mir war nicht klar, dass er mir sagen würde, dass er mich liebe.
  • Dass ich nicht gewinnen würde, war mir schon vorher klar.

In den letzten Beispielsätzen kam auf einmal das ins Spiel. Man könnte die Sache sogar noch weitertreiben: Das ist ein Auto, das ist doch klar. Das erste das ist dabei ein gewöhnlicher bestimmter Artikel wie der oder die. Das zweite das hat aber eine andere Funktion. Sinngemäß steht es für dies. Als Demonstrativpronomen steht das für dieses und lässt sich sinngemäß ersetzen. Dieses muss ich Dir nicht extra sagen, dass …
Zugegeben, die Einsetzprobe klingt etwas seltsam. Im folgenden Satz klingt es besser: Das (dieses) Haus, das ich meine. Das zweite das in diesem Satz kann durch ein anderes Wort ersetzt werden, nämlich welches. Dieses das ist ein Relativpronomen, es weist zurück auf sein Fürwort. Das Haus, das …

„Das“ lässt sich in der Regel durch „dieses“ oder „welches“ ersetzen

Als Faustregel kann man festhalten: Kann man das gedanklich nicht mit dies, dieses oder welches ersetzen, ist sehr wahrscheinlich ein dass mit zwei s richtig.

Dazu noch einige Beispielsätze:

  • Was ist es, das ich tun soll?
  • Sie werden es noch weit bringen, das verspreche ich Ihnen.
  • Ein Männlein, das im Walde stand.
  • Es gab da ein Mädchen, das ich ganz toll fand.
  • Nach dem Zähenputzen keine Limo mehr, das ist klar.
  • Das Haus, in dem ich lebte.
  • Das musst du mir nicht zweimal sagen.
  • Das ist nämlich die Sache, dass ich ständig dass und das verwechsele.

Damit man sich getrost vom letzten Beispielsatz verabschieden kann und nicht immer dass und das verwechselt, muss man sich nur die hier genannten Kniffe einprägen. Gern prüfe ich im Lektorat aber auch Ihre Texte, ganz egal, bei welchen Wendungen Sie unsicher sind.

Nachgeschlagen

Dass leitet als Konjunktion einen Nebensatz ein.
Ich glaube, dass er ein entspannter Typ ist.
Das wird als Artikel, als Demonstrativ- und als Relativpronomen gebraucht.
Das Haus, das ich meine.
Ein Haus in Berlin kaufen? Das ist viel zu teuer.

Daß entspricht der alten Rechtschreibung. Nach neuer Rechtschreibung wird nur noch dass geschrieben.

Und Ihre Fenster? Sind sie auf oder stehen sie offen?

„Bei ihm habe ich noch eine Rechnung offen!“ „Ach, da hört ja wohl alles auf.“ In diesen beiden Sätzen stehen die Wörter auf und offen für sich. Sie erscheinen nicht austauschbar. Was aber, wenn wir nun zum Fenster treten. Ist es auf, steht es offen? Was ist richtig, was falsch? Oder geht beides?

Ran an den Duden

Als die Frage aufkam, habe ich gleich gewusst, dass ich das Thema nachschlagen muss. Ich bin regelmäßig Opfer von fälschlich erlernter Umgangssprache wie auch eingeschliffenen, falschen Schreibungen. So habe ich ewig evt. statt evtl. abgekürzt. Aber das ist eine andere Baustelle …
Bei der Frage nach dem Fenster geht es darum, dass auf oder offen in Verbindung mit Verben für bestimmte Vorgänge oder aber für bestimmte Ergebnisse stehen. Sie sind also eigentlich nicht austauschbar. Offen stehen, offen bleiben, offen sein – diese Wendungen drücken Zustände oder Ergebnisse aus (die Getrenntschreibung ergibt sich aus dem tatsächlichen Zustand; zusammengeschrieben würde offenstehen zum Beispiel im übertragenen Sinne. In diesem Unternehmen gab es so viele Türen, die Dir offenstanden …).
Hingegen geben aufgehen, aufplatzen, aufbrechen Vorgänge und Tätigkeiten wieder.

Darum habe ich im BWL-Studium die Begriffe deskriptiv und normativ auswendig lernen müssen

Wenn ich eben eigentlich schrieb, gibt es bei all dem natürlich wieder einen Unterschied zwischen Lehrmeinung und praktischer Anwendung. Wie soll es sein, wie ist es wirklich? Der Duden weist darauf hin, dass die Unterscheidung umgangssprachlich zu großen Teilen aufgehoben sei. Auf und offen stehen dabei beide für den erreichten Zustand: Das Fenster ist auf bzw. es steht offen.
In Fällen wie diesen kann einem zwar ein Licht aufgehen (und nur auf), aber die korrekte Anwendung bzw. das penibel beachtete Trennen von auf und offen, wird am ehesten in einem kleinen Kreis Gleichgesinnter Anerkennung finden. Ob die breite Leserschaft damit zu beeindrucken ist, darf bezweifelt werden. Immerhin taugt das Wissen um die richtige Verwendung aber als kleines dozierendes Lehrstück in der Mittagspause, beim abendlichen Smalltalk auf der WG-Party oder um dem geneigten Nachtlinienbusfahrer bei der nächtlich-morgendlichen Heimfahrt die Fahrt ein bisschen zu versüßen …