Bildunterschrift mit Rätselfaktor

Der heutige Liveticker im Tagesspiegel startet mit folgender Bildunterschrift: „Je grüner, desto schwimmt es. Gesundheitsgefährdet ist das Ganze aber nicht.“
Ich habe den Satz gelesen. Ich habe gedacht: „Moment mal. Gesundheitsgefährdet?“ Ich war mir sicher, dass es gesundheitsgefährdend heißt, und das stimmt auch. Gefährdet tritt als Verb auf: Ist meine Gesundheit gefährdet? Dieser Schüler ist versetzungsgefährdet. Im Tagesspiegel-Satz wird aber gefragt, wie das Wasser ist. Dies erfordert das Adjektiv gesundheitsgefährdend. Ein Fehler, den ich nicht recht nachvollziehen kann.

Diesmal: allgemeine Ratlosigkeit

Wobei ich darüber zum ersten Satz zurückkam. Den ich ehrlich gesagt auch nicht begreife. Diese Verballhornung scheint mir als Sprachspiel schon viel zu weit weg von inhaltlicher Verständlichkeit; ich sehe das Doppeldeutige nicht mehr darin, das ein Sprachspiel ausmacht. Sehr seltsam, das alles.

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Chancenlos – und trotzdem nicht gewonnen?

Gerade bei Livetickern geht es schnell mit den Fehlern. Und manchmal ist es nicht mal der erwartbare Buchstabendreher, sondern ein inhaltlicher Fauxpas. Auch das Wort aber kann hier keinen Gegensatz herstellen. Chancen vergibt man eben genau dann, wenn man das Tor nicht trifft.

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Der frühe Vogel und das Gold

Nachdem ich neulich über eine falsche Untertitelübersetzung in House of Cards geschrieben habe, komme ich heute zu einem ähnlich gelagerten Fall in Better Call Saul. Diesmal ist die Übersetzung nicht falsch, sie wählt statt einer einfachen, guten Lösung einen übertragenen Sinn und steht sich mit dieser Ungelenkheit schließlich selbst im Wege. Kim Wexler, Anwältin und Jimmy McGills Freundin, sitzt mit dessen älterem Bruder, er ist einer ihrer Chefs, sehr früh am Morgen, noch weit vor dem Arbeitsbeginn anderer Angestellter, in dessen Büro. Um ein Gespräch in Gang zu bringen, zitiert Charles McGill ein Sprichwort:
Now I guess it’s true what they say: The early bird gets the worm.
Die Übersetzung entscheidet sich hier für die scheinbar solide – wenn auch trotzdem nicht vollends nachvollziehbare – Version:
Tja, ich schätze, es stimmt, was man sagt: Morgenstund’ hat Gold im Mund.
Dass es mit „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ eine adäquatere Übersetzungsmöglichkeit gegeben hätte, rächt sich im direkt anschließenden Satz:
Which is good, if you like worms.
Was gut ist, wenn man Gold mag.
Nach dem Straucheln folgt der Fall. Natürlich wird es sicher den ein oder anderen Menschen geben, der von sich behauptet, kein Gold zu mögen. Der Wurm jedoch, ist für einen deutlich größeren Teil der Menschheit keine besonders appetitliche Angelegenheit, zumal wenn das Sprichwort mit den Kontexten des das Habens und Verspeisens spielt. Gerade diese Verbindung von Vogel und Wurm und das übertragene Verschlingen oder Einverleiben wird durch das anorganische, unverdauliche Gold noch zusätzlich unterminiert. Warum das „falsche“ Sprichwort gewählt wurde, weiß ich nicht. Vielleicht war die Vogel-Sache der Übersetzerin bzw. dem Übersetzer einfach nicht bekannt. Es bleibt zu konstatieren, dass Fehler auch auf rein inhaltlicher, metaphorischer Ebene passieren können. Und das natürlich auch in Texten, die keinen Sprachentransfer hinter sich haben.

Beitragsbild: early bird von Neil Tackaberry unter der Lizenz (CC BY-ND 2.0)

Vorbeugen ist besser …

Manchmal liest man, zögert, liest nochmal, denkt dann kurz darüber nach, ob die Rechtschreibreform ein solches Wort vielleicht möglich gemacht hat – man hat ja schon Pferde vor der Apotheke –, schaut im Duden nach, seufzt erleichert auf und beginnt zu lächeln:

„… ist das Zähneputzen ein Grundbestandteil jeder Profilaxe.“

Focus für mehr Solidarität zwischen den Generationen?

Über einem Beitrag auf Focus-Online lautet die Überschrift Renter verpassen (statt verprassen) unser Geld.

Glaubt man der (inzwischen korrigierten) Überschrift dieses Focus-Videobeitrags, dann hat sich hier ein besonders engagierter Redakteur für den Generationenvertrag stark machen wollen. Menschen unter 40, wehrt euch. Gebt euer Geld den Senioren! Denn wer den Bus verpasst, nimmt den nächsten. Beim Geld aber hört der Spaß auf. Genau wie bei Fehlern (ja genau, der Strich in der Überschrift müsste auch länger sein). Und wer jetzt nicht schauen will, warum Rentner unser Geld verprassen, der kann sich sicher sein: Über den nächsten Fünf-Gründe-Beitrag stolpert man garantiert gleich hinter der nächsten Internetecke (ja, auch in diesem Blog).

Untertitel in Serien: Warum ein Handyman nicht immer ein Telefon in der Hand halten muss

Dieses Mal richte ich den Blick etwas von Papier und Bildschirm hin zum Fernsehen: Das Serienangebot per Stream, zum Beispiel über Netflix, macht es möglich, die Folgen in der Originalsprache anzusehen. Wenn man sich nicht hundertprozentig sicher ist – es hat seinen Grund, warum ich mich nie an Übersetzungen versucht habe – sind die Untertitel eine schöne Möglichkeit, nicht die Hälfte der Serie inhaltlich zu verpassen. Aber sie sind auch eine reiche Fehlerquelle. Ich weiß nicht genau, wie und wo die Untertitel hergestellt und ob sie korrigiert werden.

Bei der Serie Ray Donovan gab es, was die Untertitel betrifft, einen unglaublichen Qualitätsverlust zwischen der 1. und 2. Staffel. Auf einmal gab es jede Menge Rechtschreibfehler, fehlende Buchstaben und ganz auffällige Patzer. Ein großes Problem, das übrigens beinahe alle Serien aus dem Englischen betrifft, ist auch die Verwendung von Personalpronomen im 2. Fall und in der Höflichkeitsform. Hier braucht es für eine korrekte Übersetzung oft ein inhaltliches Verständnis bzw. ein Gespür für die Szene. Und manchmal würde es auch einfach reichen, auf Kontinuität zu achten, damit Figuren sich nicht duzen, siezen und wieder duzen.

Der Fehler, auf den ich aber eigentlich hinauswill, ist von einer anderen, eigenwilligen Schönheit. Manchmal will man vielleicht gar nicht mehr glauben, dass man im Englischen zu einem Mobiltelefon nicht Handy, sondern zumeist mobile (phone) oder cell (phone) sagt. So jedenfalls erkläre ich mir das Folgende: In der Serie House of Cards repariert irgendwo in der zweiten Staffel der Leibwächter des Protagonisten Frank Underwood ein kaputtes Rudergerät und Underwood lobt ihn schließlich für seine vielen Qualitäten, u. a. als Handyman, in diesem Kontext also etwa Hand- oder Heimwerker. Im Untertitel wird Handyman jedoch mit Handyexperte übersetzt. Ein Fehler, der sich durchaus schnell aus der simultan genutzten Vielzahl von englischen und deutschen Begriffen für ein und dieselbe Sache ergibt. Interessanterweise steht der Begriff Handyman aber sogar im Duden und wird „scherzhaft“ für einen „Bastler“ oder „Heimwerker“ verwendet. Der Eintrag inklusive Herkunft findet sich auf http://www.duden.de/rechtschreibung/Handyman.