Autokorrektur: Rechtschreibung einfach vom Computer prüfen lassen. Geht das?

Texte automatisch durch eine Software korrigieren lassen, das klingt verlockend – und ist vor allem auch günstiger als die Arbeit professioneller Lektorinnen und Lektoren. Hat der Rotstift damit ausgedient?

Ein Hinweis vorab: Dieser Artikel basiert teilweise auf meinen persönlichen Erfahrungen mit dem Duden Korrektor. Die Version 12 habe ich mir selbst gekauft, die Version 13 konnte ich kostenlos testen und darf sie weiter kostenlos nutzen. LanguageTool Plus konnte ich zeitlich begrenzt kostenlos als Premium-Version testen. Ich erhalte keine Provisionen bei Bestellungen/Verkäufen.

Autokorrektur: Diese Möglichkeiten gibt es

Onlineprüfung: kopieren, einfügen, prüfen lassen

Algorithmen und KI sind inzwischen in aller Munde, digitale Prozesse sollen in Zukunft viele menschliche Aufgaben übernehmen. Die Word-Rechtschreibprüfung gibt es zwar schon eine ganze Weile, trotzdem nimmt das Thema zunehmend Fahrt auf. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Rechtschreibung eines Textes online prüfen zu lassen, z. B. auf der Website von Duden oder mithilfe des Programms LanguageTool.

Viele weitere Prüfangebote wie z. B. Rechtschreibprüfung24 oder Spellboy nutzen die Prüfmuster von LanguageTool und liefern genau die gleichen Ergebnisse. Auf der Duden-Website gibt es aktuell eine Rechtschreibprüfung, die wie der neue Duden-Mentor in der Betaphase ist. Duden-Mentor will als Textprüfung vor allem mit Stilempfehlungen und dem Thesaurus für bessere Texte sorgen.

Programme, die in Word prüfen

Will man auf dem Rechner ein Word-Dokument prüfen lassen, gibt es zum einen die bereits erwähnte hauseigene Word-Korrektur, die bei mir lange Zeit einen schlechten Ruf hatte. Inzwischen hat sich die Leistungsfähigkeit allerdings verbessert, wie mein Test zeigt. LanguageTool bzw. LanguageTool Plus bietet neben der Online-Korrektur ein Add-on für Word – und auch der Duden Korrektor arbeitet auf diese Weise.

LanguageTool ist eine Open-Source-Software, die bereits seit 2010 entwickelt wird. Der Duden Korrektor ist ein ehemaliges Projekt des Bibliographischen Instituts, das zwischendurch eingestellt worden war. Inzwischen wird das Programm von der Firma epc entwickelt und vertrieben. Ich habe mir vor zwei Jahren die Version 12 gekauft und habe nun die Betaversion 13 kostenlos testen dürfen – die ich auch im Nachgang weiter kostenlos nutzen darf. Ich hatte im letzten Frühjahr auch eine Testversion von LanguageTool Plus und das zugehörige Word-Add-on getestet und habe für diesen Beitrag erneut eine Testlizenz genutzt.

Der Testsatz …

Was genau man von den jeweiligen Korrekturlösungen erwarten kann, wollte ich mit wenigen Sätzen ausprobieren, in die ich einige Fehler eingebaut habe. Es handelt sich dabei natürlich nur um einen kleinen Ausschnitt, eine Stichprobe. Für einen umfangreicheren Test bräuchte man ein ganzes Team an Leuten und vor allem einen Text, der sehr ausgewogen möglichst viele verschiedene Fehlerarten enthält. Aber auch mein kurzer Satz reicht schon, um die Fähigkeiten oder aber auch die Blindheit der Software zu demonstrieren.
Mein Testsatz lautet wie folgt:

Ich heiß Christiann un wohhne in Potsdam. Heute, teste ich mal dieses Tool. Um das zu verstehen muss ich mich damit rumschlagen. Oke, jetz heißt es wohl abschiednehmen.

… und die Ergebnisse

Die Fehler bei Christiann, un, wohhne, jetz, abschiednehmen fanden alle Programme.

Was keinem Rechtschreibprogramm gelang, war mir die korrekte Version von Abschied nehmen vorzuschlagen. Entweder lieferten die Programme nur Abschiednehmen, es geht hier aber nicht um eine Substantivierung. LanguageTool probierte es mit verschiedenen Varianten, aber auch abschied nehmen oder abschied Nehmen sind falsch. Generell hatten alle Programme Probleme, mir z. B. für Oke eine Korrektur vorzuschlagen. Duden-Mentor versuchte es mit Ole, LanguageTool mit Ecke.

Am besten hat insgesamt die Duden-Rechtschreibprüfung (online) abgeschlossen, da sie auch die beiden Kommafehler beanstandete. Das Komma nach Heute darf nicht gesetzt werden, nach Um das zu verstehen ist ein Komma hingegen zwingend.

LanguageTool fand einen der beiden Kommafehler, schlug aber eine Korrektur von rumschlagen vor. Diese Formulierung ist jedoch nicht falsch geschrieben.

Der Duden Korrektor übersah beide Kommafehler.

Duden-Mentor schnitt exakt gleich ab und fand erstaunlicherweise die Kommafehler nicht, die die Duden-Rechtschreibprüfung auf derselben Seite anmahnte.

Word fand den ersten Kommafehler bei Heute, fand dafür aber Oke in Ordnung.

Bei den Stilprüfungen von Duden-Mentor und Duden Korrektor (hier: Füllwörter) wurde auf mal und wohl hingewiesen. Nicht erwähnt wurde hingegen Ich heiß, was nicht falsch, aber auch kein guter Stil ist.

Testupdate, 19.03.2019

Die von mir informierten Anbieter wurden direkt tätig. Bei LanguageTool Plus ist nun rumschlagen kein Fehler mehr, auch Abschied nehmen wird nun als Korrektur vorgeschlagen. Die Krux liegt hier am ehesten darin, dass es auch andere Vorschläge gibt und man sich darum mit den Regeln zur Schreibung von Substantivierungen auskennen muss.

Der gerade erschienene Duden Korrektor erkennt nun den Komma-Fehler bei Um das zu verstehen.

Das Team von duden.de hat auf meine Anfrage vom 08.02.2019, was die relativ schlechte Korrekturleistung des Duden Mentor angeht, leider nicht reagiert.

Was Korrektursoftware kann

Diese kleine Stichprobe spiegelt die Erfahrungen wider, die ich mit Korrektursoftware gemacht habe. Sie hilft bei Flüchtigkeitsfehlern, sie gleicht menschliche Schwächen wie Ermüdung oder mangelnde Konzentration aus, indem sie Buchstabendreher, fehlende oder doppelte Buchstaben findet, aber auch doppelte Wörter anmahnt. Ich persönlich schätze am Duden Korrektor, dass er auch die Kann-Schreibungen berücksichtigt, also z. B. potentiell/potenziell oder Fantasie/Phantasie, und die Duden-Empfehlung ausgibt. Auch LanguageTool Plus bietet diese Funktion in der Premium-Variante. Prüft man die Texte kostenlos auf der Seite erfolgt jedoch kein Hinweis auf Geographie/Geografie o. Ä.

Was eher nicht geht

Auf die Tücken der Word-Korrektur hatte ich in einem Facebook-Eintrag bereits hingewiesen. Ein Hauptproblem ist, dass die Programme nicht allein zurechtkommen. Trotz vieler Hilfestellungen durch die Software müssen Nutzer/innen am Ende immer noch selbst entscheiden, welche Korrekturvorschläge richtig sind. Besonders bei optionalen Fällen in der Kommasetzung wird ein Hinweis nicht unbedingt weiterhelfen. Im Deutschen gibt es jede Menge solcher optionalen Fälle – bei Schreibungen wie bei der Kommasetzung.

Außerdem sind nicht alle Korrekturen wirklich richtig oder notwendig. Abseits von ganz grundsätzlichen Entscheidungen zur richtigen Rechtschreibung oder Grammatik kann keines der Programme zum jetzigen Zeitpunkt eine zum Text passende stilistische Empfehlung geben. Ein Gutachten muss stilistisch anders bewertet werden als ein persönlicher Brief. Darum müsste die KI zuerst erkennen können, welche Textsorte gerade bearbeitet wird.
Nicht zuletzt haben Korrekturprogramme auch immer Probleme mit Neologismen, also Wortneuschöpfungen. Oft müssen neu auftretende Sonderfälle erst mit den existierenden Regeln abgeglichen und zusammengeführt werden.

Mit reiner Automatisierung erzielt man aktuell mittlere Qualitätslevel

Ein Kollege, Jürgen Hahnemann, hatte den Duden Korrektor bereits 2017 umfassend getestet und seine Befunde in einem Blogbeitrag mit dem Titel „Kollege Computer?“ veröffentlicht. Er fand das Programm nicht nützlich, da die permanente Entscheidung zwischen Fehlern und Fehlalarmen gerade bei längeren Texten zu zeitaufwendig sei. Außerdem konnte er keine Zielgruppe ausmachen.

Ich glaube, die Entscheidung für oder gegen eine automatische Korrektur hat etwas mit den eigenen Zielen und Erwartungen zu tun. Wenn man bereit ist, ein nur durchschnittliches Qualitätslevel zu akzeptieren, dann kann man sich tatsächlich das Geld für ein Lektorat sparen und wird mit der automatischen Korrektur zurechtkommen. Bessere Ergebnisse liefern zu diesem Zeitpunkt aber noch versierte, konzentrierte Lektorinnen und Lektoren.

Ich selbst nutze den Duden Korrektor als Absicherung am Ende meiner Korrekturdurchläufe. Wenn die Texte in einem guten Zustand sind, findet der Duden Korrektor oft noch die letzten Flüchtigkeitsfehler oder eine übersehene Duden-Empfehlung. Diese Einschätzung dürfte im Übrigen auf alle Programme zutreffen: Wenn Texte besonders fehlerreich sind, haben Programme und Nutzer größere Probleme und der Zeitaufwand steigt exorbitant.

Duden online, LanguageTool Plus, Duden Korrektor?

Für die regelmäßige Arbeit an längeren Texten sind die Add-ons des Duden Korrektors oder von LanguageTool Plus durchaus hilfreich. Beide lieferten in etwa ähnliche Ergebnisse und brauchten auch ähnlich lang für eine Korrektur. Bei umfangreichen Texten können hier schon einige Minuten vergehen.
Lediglich die Preismodelle sind sehr unterschiedlich. Den Duden Korrektor kann man zum Festpreis von 79 Euro zzgl. Mehrwertsteuer erwerben, der nächste Versionsschritt kostet als Update dann die Hälfte. LanguageTool Plus wird abonniert und kostet dann als Einzelplatzversion 59 Euro im Jahr.

Natürlich muss man dazu sagen, dass auch die hauseigene Prüfung von Word inzwischen viele Fehler findet. Im Vergleichstest schnitt sie nicht viel schlechter ab als die kostenpflichtigen Programme.
Die beste Leistung im Test zeigte aber die Duden-online-Prüfung. Diese ist allerdings auf 800 Zeichen beschränkt. Für kürzere Texte und die schnelle Prüfung ist sie daher also zu empfehlen, ansonsten aber weitgehend unbrauchbar. Es gibt momentan jedenfalls nach meinem Kenntnisstand keine Möglichkeit, die Zeichenzahl durch Bezahlung zu erweitern. Umso bedauerlicher ist es, dass der neu entwickelte Duden-Mentor keine so gute Korrekturleistung lieferte und die Kommas übersah.

Fazit des Tests: Eine voll funktionsfähige Automatisierung gibt es noch nicht

Festzuhalten bleibt, dass man der Automatisierung noch nicht vertrauen kann – das wissen auch alle Beteiligten. Die Künstliche Intelligenz arbeitet zwar ermüdungsfrei, findet aber auch nicht jeden Schnitzer im Text. Und am Ende weist sie nur auf Unstimmigkeiten hin – die Entscheidung, ob etwas falsch oder richtig ist, bleibt dem Nutzer, der Nutzerin überlassen. Unterstützen lassen kann man sich mit entsprechendem Vorwissen allerdings trotzdem schon ganz gut.

Ich freue mich über weitere Hinweise auf Korrektursoftware oder Ergänzungen zum Thema automatische Korrektur oder zur Funktionsweise der Programme.

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Ein wenig Web-Statistik zu einem meiner Blogbeiträge

Grammatik, Rechtschreibung, Stil: Dinge, die mich natürlich interessieren. Genauso interessant finde ich aber alle Aspekte, die mit dem Internet, mit Suchmaschinen, Algorithmen und Co. zu tun haben. An meinem Blogbeitrag Wie schreibt man ein gesundes neues Jahr? Groß oder klein? lässt sich z. B. hervorragend ein zeitlich eingegrenztes Suchverhalten beobachten.

Veröffentlicht habe ich den Beitrag am 8. Dezember 2017, für die Suchmaschinen hat er beim letzten Jahreswechsel aber noch keine Rolle gespielt. Meine Beiträge finden sich im Allgemeinen nach 1 bis 2 Wochen im Ranking wieder, in diesem Fall hat Google den Beitrag zum ersten Mal Anfang Januar gerankt. Man sieht das an der lila eingefärbten Linie. Im Verlauf des Jahres schwankte die Position bei Google ziemlich, der Artikel war also „noch nicht so richtig angekommen“. Anfang November änderte sich das schließlich, mein Beitrag hatte sich auf Position 2 festgesetzt.

Auswertung Zugriffe Blog-Beitrag Gesundes Neues Jahr Lektorat Christian Wöllecke

Für die Zugriffszahlen spielte das alles noch keine Rolle, denn im November suchen nur die wenigsten Menschen danach, wie man „ein gesundes neues Jahr“ schreibt. Dass sich das ändern würde, war mir natürlich klar. Ich hatte allerdings keine Idee, wie viele Zugriffe der Beitrag haben würde und wie sie sich verteilten. Da mindestens 90 Prozent oder mehr der Zugriffe über Google erfolgen, konzentriere ich mich weiter auf diese eine Suchmaschine.

Die meisten Zugriffe gab es in den ersten beiden Wochen des neuen Jahres

Ich hatte vermutet, dass es sehr viele Zugriffe in der Woche vor Weihnachten geben würde, da sich meine Seite und meine Leistungen ja vor allem an Geschäftskunden richten. Es gab auch tatsächlich höhere Zugriffe, in der Spitze um die 300; vorher hatte ich meist 5 bis 10 Zugriffe pro Tag gehabt, also eine ordentliche Steigerung.

Auswertung Zugriffe Blog-Beitrag Gesundes Neues Jahr Lektorat Christian Wöllecke
Gleichzeitig hatte ich mich aber dahingehend verschätzt, dass viele Besucher und Besucherinnen die Schreibweise vor dem Jahreswechsel abfragen würden, beispielsweise für Grußkarten. Die meisten Zugriffe – um die 1200 an Spitzentagen – gab es in den beiden ersten Wochen des neuen Jahres. Hier wird es sich sehr wahrscheinlich um das schnelle Suchen nach Formulierungen für E-Mails etc. handeln.

Auswertung Zugriffe Blog-Beitrag Gesundes Neues Jahr Lektorat Christian Wöllecke

Der Beitrag hat eine außergewöhnlich hohe Click-trough rate – mit einer Delle an den Feiertagen

Es gibt aber mit dem Blick auf Google eine interessante Bewegung in der sogenannten CTR, der Click-trough rate (grüne Linie). Sie gibt an, wie oft ein in der Suche angezeigter Artikel auch tatsächlich angeklickt wurde. Diese Rate schwankt, je nachdem wie spezifisch ein angezeigter Beitrag bzw. die angezeigte Vorschau bei Google zur Suche eines Nutzers bzw. einer Nutzerin passt. Für viele Artikel liegt er bei mir zwischen 1 und 4 Prozent.

Auswertung Zugriffe Blog-Beitrag Gesundes Neues Jahr Lektorat Christian Wöllecke
Die durchschnittliche CTR für meinen Neujahrsbeitrag liegt hingegen bei 11 Prozent. Der Wert wäre noch höher, aber es gab um den Jahreswechsel herum eine ordentliche Delle. Extrem viele Menschen suchten im Vergleich zu den sonstigen Tagen am Silvesterabend nach der korrekten Schreibung, auch meine Klicks (dunkelblaue Linie) stiegen an; aber im Vergleich zum Zeitraum davor und danach fiel die Klickrate mit 3 Prozent mager aus, auch die Position war kurz abgerutscht. In den Wochen, in denen vermutlich vorrangig im beruflichen Kontext gesucht wurde, stieg die CTR auf 30 Prozent.

Diese hohe Klickrate hat sicher etwas damit zu tun, dass die Leute ziemlich genau das finden, was sie wollen. Die Fragestellung ist sehr klar umrissen, die Antwort direkt und einfach möglich. Inwiefern meine These von privater und geschäftlicher Nutzung zutrifft, lässt sich allerdings nicht validieren.

Da ich kein weitergehendes Data-Mining betreibe, kann ich nichts Genaues zum Nutzerverhalten sagen, dies ist für mich im Moment aber auch weitgehend irrelevant. Meine Blogbeiträge sind ein probates Mittel, um die Wirkung von Texten und SEO-Optimierung in Bezug auf Google und die Suchmaschinenplatzierung auszutesten. Das ist auch schon Gold wert. In diesem Sinne noch ein frohes und gesundes neues Jahr!

Titelbild: on Unsplash