Duden Mentor im Test: Was kann die Software?

Mit dem Duden Mentor gibt es eine Cloud-Software auf dem Markt, die Texte besser machen will. Ich habe mir auf Einladung des Duden Verlags angeschaut, ob Schreiber/innen so der richtige Weg gewiesen und zuverlässig geholfen wird.

Hinweis: Für diesen Test bietet mir der Duden Verlag einen kostenlosen sechsmonatigen Mentor-Nutzungszeitraum im Wert von 89 Euro. Ich hatte das Thema allerdings auch selbst auf der Agenda und hätte in jedem Fall einen Artikel verfasst.

Wenn Lektoren sich zu ihrem maschinellen Ersatz äußern sollen, steht das Urteil fest, oder? Nicht unbedingt. Ich bin durchaus interessiert, was Programme im Bereich Rechtschreibung und Sprache momentan leisten können. Deshalb hatte ich mich mit dem Thema schon in einem Beitrag zur automatischen Korrektur von Texten befasst. Zu dieser Zeit stand allerdings nur die Betaversion des Duden Mentors zur Verfügung. Nun ist die Premiumversion schon eine Weile online. Zeit für einen zweiten Blick.

Grundsätzlich kann man den Duden Mentor kostenlos nutzen. Dann aber nur mit 800 bzw. registriert mit 1500 Zeichen Prüfungsumfang und Werbung. Auch alle Premium-Funktionen wie die Stilverbesserung fehlen, die den Mentor erst zum Mentor machen. Ich beziehe meine Besprechung daher auf die Bezahlversion des Duden Mentors. Eine gute Übersicht, was welche Version bietet, finden Sie in einem Beitrag zum Duden Mentor auf Planet Text. Dort wird vor allem auch konkret auf das Handling beim Schreiben im Mentor-Fenster eingegangen. Ich prüfe Texte vorrangig über Copy and Paste, schreibe sie also vorher in einem anderen Programm und füge sie zum Testen ein.

Der Testsatz

Im damaligen Beitrag zur Autokorrektur hatte ich einen Testsatz verwendet, den ich natürlich auch hier wieder ausprobiere.

Ich heiß Christiann un wohhne in Potsdam. Heute, teste ich mal dieses Tool. Um das zu verstehen muss ich mich damit rumschlagen. Oke, jetz heißt es wohl abschiednehmen.

Das Ergebnis ist okay. Im Gegensatz zur Betaversion erkennt der Duden Mentor inzwischen die Kommafehler bei Heute und um. Weiterhin funktioniert nicht, für ein un ein und vorzuschlagen (Mentor-Empfehlung: nun). Auch aus Oke wird kein O. K. bzw. Okay (Mentor-Empfehlung: Ode). Schließlich kennt der Duden Mentor auch die korrekte Form Abschied nehmen nicht, er schlägt die falsche Substantivierung vor, es heißt aber nicht jetzt heißt es wohl [das] Abschiednehmen, sondern Abschied [zu] nehmen. Diesen Fehler habe ich übrigens schon vor einer ganzen Weile auch auf einem Edeka-Laster ausgemacht.

So interpretiere ich das Ergebnis

Wenn man die Korrekturleistung unter die Lupe nimmt, fällt auf, dass der Duden Mentor den Text sehr wahrscheinlich noch nicht überblicken kann. Seine Korrekturvorschläge basieren nicht vorrangig auf der Syntax oder der Grammatik, sondern auf Wort-Ähnlichkeiten. Das heißt, das Programm prüft nicht, ob beim ersten Satz eine Konjunktion wie und gefordert ist, sondern es versucht, ein Wort mit möglichst großer Nähe vorzuschlagen, da das Wort un nicht bekannt ist und somit nicht richtig sein kann. Nutzer/innen können sicher die richtige Form selbst finden, ihnen reicht der Hinweis. Anzumerken ist hierbei, dass auch die in Microsoft Word enthaltene Rechtschreibprüfung und andere Korrekturprogramme solche Fehler problemlos finden.

Beim Abschiednehmen ist die Sache weit schwieriger. Denn die Bildung von Substantivierungen bzw. die Unterscheidung, ob eher eine Infinitivform mit zu vorliegt, erfordert Kenntnisse, die Nutzer/innen ganz bestimmt von einer Software wie Duden Mentor erwarten. Wenn aber die falsche Form als die richtige vorgeschlagen wird, verfehlt die Software ihr Ziel. Das zeigt sich auch sehr deutlich bei einem weiteren Beispielsatz: Weder Mit ihm war nicht gut Kirschenessen noch Mit ihm war nicht gut kirschenessen wird als falsch angezeigt. Die einzige korrekte Form ist allerdings Mit ihm war nicht gut Kirschen essen. Denn man sagt wiederum nicht: Mit ihm war nicht gut [das] Kirschenessen.

Korrekturleistung: durchschnittlich

Damit eine Korrektur als zuverlässig angesehen werden kann, müssen Entscheidungen begründbar und nachvollziehbar sein. Da sich Duden Mentor grundsätzlich nur auf allgemeine Regeln bezieht und dem Nutzer bzw. der Nutzerin die Korrekturentscheidung überlässt, ist dies beim Korrigieren nicht automatisch gegeben. Denn Nutzer/innen müssen immer erst interpretieren, wie die vorgeschlagene Regel auszulegen ist und ob eine Korrektur daher infrage kommt.

Außerdem sollten bei einer Korrektur nach Möglichkeit keine neuen Fehler in den Text kommen. Bei der Arbeit mit dem Duden Mentor fiel mir ein schönes Beispiel für diese Problematik auf. Duden Mentor strich „Tipping Point“ als falsch an und empfahl mir das Wort „Tippping Point“, einer allgemeinen Regel folgend. Das Problem ist, dass die Software nicht identifizieren konnte, dass es sich hierbei um ein Lehnwort aus dem Englischen handelt und eben nicht um ein deutsches Wort. Die Regel passt daher einfach nicht. Es ist zu vermuten, dass Texte mit vielen Wortneuschöpfungen – also Neologismen – oder fremdsprachlichen Lehnwörtern dem Duden Mentor Probleme bereiten.

Die Kür? Test der Stilprüfung

Wenn man sich nicht mit sprachlichen Finessen und Kleinigkeiten aufhalten will, kann man sich auch einem größeren Thema zuwenden, dem Stil. Denn mit der Namensgebung Mentor intendiert Duden ja eine ganz bestimmte Fähigkeit. Im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache finden sich auf der entsprechenden Seite die Bedeutungen „erfahrener Lehrer“ bzw. „Ratgeber, Berater, väterlicher Freund“. In diesem Sinne soll der Mehrwert also vor allem im Bereich der Text-Expertise generiert werden.

Das passt durchaus zum neuen Image des Dudens, der weniger als Verlag, sondern als digitales Kreativunternehmen auftreten will. Viele aktuell im Verlag erscheinende Titel zielen augenscheinlich eher auf das kreative Ratgeber-Segment ab. Nicht mehr nur richtig, sondern vor allem besser, erfolgreicher, zielgruppengerechter zu schreiben ist das Motto.

Bestimmte analytische Verfahren und Mechaniken sollen Texte besser lesbar machen. Auch hier geht es, so viel sei vorweg gesagt, vor allem um Regelmäßigkeiten. Anders als ein Mentor, der sich ja gezielt um die Probleme seiner Schützlinge kümmern kann und vor allem ihren Wissens- und Leistungsstand kennt, arbeitet der Duden Mentor – wie andere Software auch – nach dem Gießkannenprinzip. Ich möchte das an einzelnen Funktionen demonstrieren.

Füllwörter

Ja, Füllwörter sind vielleicht überflüssig. Nuancen braucht es nicht, zumindest nicht für die Software. Die Blätter eines Baumes sind grün, sie müssen nicht recht grün oder ein bisschen grün oder regelrecht grün sein. Die Krux am Wegstreichen des Überflüssigen ist, dass dafür nicht immer eine Notwendigkeit besteht (ja … nicht immer … auch so eine Füll-Aufweichung). Natürlich, weniger ist mehr. Aber Texte leben auch von der eigenen Sprache ihrer Schreiber/innen. Und häufig blitzt diese Sprache gerade in Nuancen und Füllwörtern durch. Nicht zu vergessen, dass es in Texten auch darum gehen kann, Umgangssprache zu imitieren, den Text direkt sprechen zu lassen.

Womit wir schon beim heiklen Thema wären, dass die stilistische Analyse nur dann sinnvoll ist, wenn vorher klar ist, ob gerade ein schnöder Amtsbrief, ein anregender Magazinartikel oder ein reißerischer Blogbeitrag geschrieben werden soll.

Was den Duden Mentor neben all dem ebenfalls stören würde: In meinem Beispielsatz stand viermal das Wort „grün“.

Wortwiederholungen

Ich gebe zu, das Markieren von sich wiederholenden Wörtern ist prinzipiell hilfreich. Es kann in einigen Texten die Qualität verbessern, indem verschiedene Wörter für die gleiche Sache einen größeren sprachlichen Raum schaffen. Im SEO-Bereich wird dann gern vom holistischen Schreiben gesprochen, die Ganzheitlichkeit ist also nicht mehr nur in der Heilkunde ein Renner. Bei der Arbeit mit dem Duden Mentor hat sich allerdings gezeigt, dass auch diese Funktion nicht immer zielführend ist.

So wurde mir im Text angestrichen, dass sich das Wort „Duden“ wiederholen würde. Leider würde es keinem Text helfen, einen solchen Eigennamen zu variieren. Noch mehr, es ist oft schlicht unmöglich. Denn ich kann natürlich auch „die Marke“, „der Verlag“ usw. schreiben, es wäre dann aber viel weniger holistisch, weil ich am ehesten einen Teilbereich des Konglomerats „Duden“ meine. Und nicht zuletzt heißt es eben nicht Müller Mentor oder Meier Mentor, sondern Duden Mentor (ja, richtig, der Mentor unterstreicht in diesem Satz das Wort „Mentor“ als Wortwiederholung).

Zweites Problem: Gerade bei Fachtexten und wissenschaftlichen Aufsätzen würde die Exaktheit unter der zwangsweisen Varianz leiden. Ich habe einen durchaus gut zu lesenden wissenschaftlichen Essay in den Duden Mentor eingespeist und mir fielen fast die Augen aus dem Kopf vor lauter farbigen Markierungen. Geschätzt waren 60 Prozent der Hinweise auf die Wiederholung von Wörtern bezogen. Ich habe die Begutachtung dann ziemlich schnell abgebrochen, weil sie in diesem Kontext einfach nicht zielführend war.

Zu lange Sätze

Ebenso wie sich wiederholende Wörter kann auch die Anzeige langer Sätze ein nützliches Feature sein. Ich neige beim Lektorieren zwar auch dazu, Sätze mit mehr als einem Komma rauszuschmeißen, ich kürze, stelle um usw. Aber ich tue es mit Augenmaß. Für einen guten Lesefluss ist es besser, wenn sich lange und kurze Sätze abwechseln. Zwar ist das Schreiben in Hauptsätzen oft ein Garant für Kürze, aber es wird schnell langweilig.

Ich stand auf. Ich wusch mich. Ich ging in den Garten. Ich rief meine Mutter. Sie kam heraus. Im Garten sahen wir die Katze. Dann kam Vater. Er sah die Katze auch.

Zweites Problem: Wann ist ein Satz zu lang? Bei der Arbeit mit dem Duden Mentor wurden mir völlig unkritische Sätze als zu lang angezeigt, weil sie eine bestimmte Zeichenzahl überschritten. Häufig resultiert die Unverständlichkeit von Sätzen aber nicht aus der bloßen Zahl ihrer Zeichen. Es geht dann eher um den Nominalstil, um Passivkonstruktionen, Kommaschachteleien und solche Dinge.
Ich behaupte, dieser Satz ist lang, aber durchaus gut lesbar:

Es war heute Morgen, als ich beschloss, mit der Bahn in die Stadt zum Einkaufen zu Werthof zu fahren und dort ein sündhaft teures Collier für meine Freundin Marie zu kaufen, die ich erst ein paar Wochen zuvor bei einem Kurzurlaub auf den Malediven kennengelernt hatte – eine tolle Frau!

Nun dieser Satz; fast genauso lang, aber schwerer lesbar:

Am Morgen war mein Entschluss gereift, die Bahn zu nehmen, um im Werthof ein sündhaft teures Collier zu erwerben, was ich meiner neuen Freundin Marie, einer tollen Frau, schenken wollte, die ich, ein paar Wochen zuvor, bei einem Kurzurlaub auf den Malediven kennengelernt hatte.

Die Länge eines Satzes entscheidet also nur bedingt über seine Lesbarkeit.

Nur online: schwierig

Halten wir fest: Bis hierhin bietet der Duden Mentor einige durchaus nützliche Funktionen, die aber momentan ungeübten Schreiber/innen kaum weiterhelfen.

Die Praxis wird nun aber noch weiter durch zwei Dinge erschwert: Alles muss online passieren – und man kann nur 40.000 Zeichen korrigieren lassen. Natürlich hängt beides zusammen. Die Prüfung eines längeren Textes kostet Rechenleistung und Zeit. Außerdem wird es schnell unübersichtlich. Aber gerade wer professionell mit fremden Texten arbeitet oder selbst lange Romane oder Erzählungen verfasst, hat oft einen größeren Korrekturbedarf. Da heißt es dann permanent: Copy and Paste.

Sicher sind auch Add-ins in Microsoft Word nicht ohne Probleme, aber sie ersparen einem immerhin das Wechseln zwischen verschiedenen Fenstern. Man muss nicht den Überblick behalten, was man gerade kopiert und eingefügt, korrigiert und wieder herauskopiert hat. Hinweise zu Software, die solche Add-ins bietet, gebe ich übrigens gleich bei der Besprechung des Preismodells.

Dass man heute immer einen Internetzugang findet, ist durchaus üblich. Trotzdem ist es ein Punkt, den man bei der Auswahl einer Korrektursoftware im Hinterkopf haben sollte. Der Duden Mentor funktioniert nur, wenn man online gehen kann.

Bezahlmodell: Der Preis ist hoch

Mit 14,95 Euro pro Monat ist der Duden Mentor nicht gerade billig. Schon für 19,95 Euro kann man sich zum Beispiel das Stilwörterbuch aus dem gleichen Verlag kaufen. Dort stehen noch einmal ausführlich die Tipps, die der Duden Mentor stoisch anwendet.

Im Vergleich zu anderer Software wird der Unterschied noch deutlicher. Die Vollversion des Duden Korrektors kostet einmalig 79 Euro, für Language Tool Plus zahlt man als Privatperson oder Selbstständiger 59 Euro pro Jahr bzw. 4,92 Euro pro Monat. Beide Programme bieten die eben angesprochenenen Add-ins für Microsoft Office. Und wenn wir gerade beim Thema sind: Microsoft Office 365, das von Haus aus eine inzwischen solide Rechtschreib- und Grammatikprüfung mitbringt, kostet 69 Euro im Jahr für Einzelanwender/innen.

Ich habe momentan nicht das Gefühl, dass der Duden Mentor so viel Mehrleistung erbringt, dass der Preisaufschlag gerechtfertigt wäre. Im Prinzip reicht die Office-Prüfung schon aus. Wer Wert darauf legt, nach Duden-Empfehlung zu schreiben, ist mit einer zusätzlichen Bezahlsoftware aber gut versorgt.

Das Fazit: Keine Empfehlung für den „Duden Mentor“

Mir genügt das alles nicht, um den Duden Mentor vorbehaltlos zu empfehlen. Generell finde ich Korrektursoftware zur Absicherung meiner Korrekturergebnisse sehr nützlich. Und auch der höhere Abopreis ist natürlich nichts gegen den Stundensatz eines freiberuflichen Lektors. Aber der Preis sollte sich doch in der Leistung der Software widerspiegeln, und das ist für mich nicht der Fall. Dafür sind die Entscheidungen und Empfehlungen des Duden Mentors oft zu weit weg vom konkreten Text. Der Nutzer muss am Ende die Entscheidungen selbst treffen und hat eben keinen Berater an seiner Seite. (Ich bin hier auch so kleinlich, weil der Duden in Sachen Naming natürlich eine besondere Reputation besitzt und damit größere Verantwortung trägt. Sprache sollte ja keine Hohlkammer und keine werbetechnische Luftnummer sein.)

Wer die groben Schnitzer ausbügeln will und verschmerzen kann, dass hin und wieder auch neue Fehler in den Text kommen, der kann guten Gewissens mit der Korrekturfunktion von Microsoft Word arbeiten. Und wer einen Hinweis auf die von Duden empfohlene Schreibweise braucht, kann gut und gern zum Duden Korrektor oder zu Language Tool Plus greifen. Beide Programme sind ebenfalls noch nicht perfekt, aber werden kontinuierlich weiterentwickelt und haben einen guten und schnellen Support.

Titelbild: NeONBRAND on Unsplash

Autokorrektur: Rechtschreibung einfach vom Computer prüfen lassen. Geht das?

Texte automatisch durch eine Software korrigieren lassen, das klingt verlockend – und ist vor allem auch günstiger als die Arbeit professioneller Lektorinnen und Lektoren. Hat der Rotstift damit ausgedient?

Ein Hinweis vorab: Dieser Artikel basiert teilweise auf meinen persönlichen Erfahrungen mit dem Duden Korrektor. Die Version 12 habe ich mir selbst gekauft, die Version 13 konnte ich kostenlos testen und darf sie weiter kostenlos nutzen. LanguageTool Plus konnte ich zeitlich begrenzt kostenlos als Premium-Version testen. Ich erhalte keine Provisionen bei Bestellungen/Verkäufen.

Autokorrektur: Diese Möglichkeiten gibt es

Onlineprüfung: kopieren, einfügen, prüfen lassen

Algorithmen und KI sind inzwischen in aller Munde, digitale Prozesse sollen in Zukunft viele menschliche Aufgaben übernehmen. Die Word-Rechtschreibprüfung gibt es zwar schon eine ganze Weile, trotzdem nimmt das Thema zunehmend Fahrt auf. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Rechtschreibung eines Textes online prüfen zu lassen, z. B. auf der Website von Duden oder mithilfe des Programms LanguageTool.

Viele weitere Prüfangebote wie z. B. Rechtschreibprüfung24 oder Spellboy nutzen die Prüfmuster von LanguageTool und liefern genau die gleichen Ergebnisse. Auf der Duden-Website gibt es aktuell eine Rechtschreibprüfung, die wie der neue Duden-Mentor in der Betaphase ist. Duden-Mentor will als Textprüfung vor allem mit Stilempfehlungen und dem Thesaurus für bessere Texte sorgen.

Programme, die in Word prüfen

Will man auf dem Rechner ein Word-Dokument prüfen lassen, gibt es zum einen die bereits erwähnte hauseigene Word-Korrektur, die bei mir lange Zeit einen schlechten Ruf hatte. Inzwischen hat sich die Leistungsfähigkeit allerdings verbessert, wie mein Test zeigt. LanguageTool bzw. LanguageTool Plus bietet neben der Online-Korrektur ein Add-on für Word – und auch der Duden Korrektor arbeitet auf diese Weise.

LanguageTool ist eine Open-Source-Software, die bereits seit 2010 entwickelt wird. Der Duden Korrektor ist ein ehemaliges Projekt des Bibliographischen Instituts, das zwischendurch eingestellt worden war. Inzwischen wird das Programm von der Firma epc entwickelt und vertrieben. Ich habe mir vor zwei Jahren die Version 12 gekauft und habe nun die Betaversion 13 kostenlos testen dürfen – die ich auch im Nachgang weiter kostenlos nutzen darf. Ich hatte im letzten Frühjahr auch eine Testversion von LanguageTool Plus und das zugehörige Word-Add-on getestet und habe für diesen Beitrag erneut eine Testlizenz genutzt.

Der Testsatz …

Was genau man von den jeweiligen Korrekturlösungen erwarten kann, wollte ich mit wenigen Sätzen ausprobieren, in die ich einige Fehler eingebaut habe. Es handelt sich dabei natürlich nur um einen kleinen Ausschnitt, eine Stichprobe. Für einen umfangreicheren Test bräuchte man ein ganzes Team an Leuten und vor allem einen Text, der sehr ausgewogen möglichst viele verschiedene Fehlerarten enthält. Aber auch mein kurzer Satz reicht schon, um die Fähigkeiten oder aber auch die Blindheit der Software zu demonstrieren.
Mein Testsatz lautet wie folgt:

Ich heiß Christiann un wohhne in Potsdam. Heute, teste ich mal dieses Tool. Um das zu verstehen muss ich mich damit rumschlagen. Oke, jetz heißt es wohl abschiednehmen.

… und die Ergebnisse

Die Fehler bei Christiann, un, wohhne, jetz, abschiednehmen fanden alle Programme.

Was keinem Rechtschreibprogramm gelang, war mir die korrekte Version von Abschied nehmen vorzuschlagen. Entweder lieferten die Programme nur Abschiednehmen, es geht hier aber nicht um eine Substantivierung. LanguageTool probierte es mit verschiedenen Varianten, aber auch abschied nehmen oder abschied Nehmen sind falsch. Generell hatten alle Programme Probleme, mir z. B. für Oke eine Korrektur vorzuschlagen. Duden-Mentor versuchte es mit Ole, LanguageTool mit Ecke.

Am besten hat insgesamt die Duden-Rechtschreibprüfung (online) abgeschlossen, da sie auch die beiden Kommafehler beanstandete. Das Komma nach Heute darf nicht gesetzt werden, nach Um das zu verstehen ist ein Komma hingegen zwingend.

LanguageTool fand einen der beiden Kommafehler, schlug aber eine Korrektur von rumschlagen vor. Diese Formulierung ist jedoch nicht falsch geschrieben.

Der Duden Korrektor übersah beide Kommafehler.

Duden-Mentor schnitt exakt gleich ab und fand erstaunlicherweise die Kommafehler nicht, die die Duden-Rechtschreibprüfung auf derselben Seite anmahnte.

Word fand den ersten Kommafehler bei Heute, fand dafür aber Oke in Ordnung.

Bei den Stilprüfungen von Duden-Mentor und Duden Korrektor (hier: Füllwörter) wurde auf mal und wohl hingewiesen. Nicht erwähnt wurde hingegen Ich heiß, was nicht falsch, aber auch kein guter Stil ist.

Testupdate, 19.03.2019

Die von mir informierten Anbieter wurden direkt tätig. Bei LanguageTool Plus ist nun rumschlagen kein Fehler mehr, auch Abschied nehmen wird nun als Korrektur vorgeschlagen. Die Krux liegt hier am ehesten darin, dass es auch andere Vorschläge gibt und man sich darum mit den Regeln zur Schreibung von Substantivierungen auskennen muss.

Der gerade erschienene Duden Korrektor erkennt nun den Komma-Fehler bei Um das zu verstehen.

Das Team von duden.de hat auf meine Anfrage vom 08.02.2019, was die relativ schlechte Korrekturleistung des Duden Mentor angeht, leider nicht reagiert.

Was Korrektursoftware kann

Diese kleine Stichprobe spiegelt die Erfahrungen wider, die ich mit Korrektursoftware gemacht habe. Sie hilft bei Flüchtigkeitsfehlern, sie gleicht menschliche Schwächen wie Ermüdung oder mangelnde Konzentration aus, indem sie Buchstabendreher, fehlende oder doppelte Buchstaben findet, aber auch doppelte Wörter anmahnt. Ich persönlich schätze am Duden Korrektor, dass er auch die Kann-Schreibungen berücksichtigt, also z. B. potentiell/potenziell oder Fantasie/Phantasie, und die Duden-Empfehlung ausgibt. Auch LanguageTool Plus bietet diese Funktion in der Premium-Variante. Prüft man die Texte kostenlos auf der Seite erfolgt jedoch kein Hinweis auf Geographie/Geografie o. Ä.

Was eher nicht geht

Auf die Tücken der Word-Korrektur hatte ich in einem Facebook-Eintrag bereits hingewiesen. Ein Hauptproblem ist, dass die Programme nicht allein zurechtkommen. Trotz vieler Hilfestellungen durch die Software müssen Nutzer/innen am Ende immer noch selbst entscheiden, welche Korrekturvorschläge richtig sind. Besonders bei optionalen Fällen in der Kommasetzung wird ein Hinweis nicht unbedingt weiterhelfen. Im Deutschen gibt es jede Menge solcher optionalen Fälle – bei Schreibungen wie bei der Kommasetzung.

Außerdem sind nicht alle Korrekturen wirklich richtig oder notwendig. Abseits von ganz grundsätzlichen Entscheidungen zur richtigen Rechtschreibung oder Grammatik kann keines der Programme zum jetzigen Zeitpunkt eine zum Text passende stilistische Empfehlung geben. Ein Gutachten muss stilistisch anders bewertet werden als ein persönlicher Brief. Darum müsste die KI zuerst erkennen können, welche Textsorte gerade bearbeitet wird.
Nicht zuletzt haben Korrekturprogramme auch immer Probleme mit Neologismen, also Wortneuschöpfungen. Oft müssen neu auftretende Sonderfälle erst mit den existierenden Regeln abgeglichen und zusammengeführt werden.

Mit reiner Automatisierung erzielt man aktuell mittlere Qualitätslevel

Ein Kollege, Jürgen Hahnemann, hatte den Duden Korrektor bereits 2017 umfassend getestet und seine Befunde in einem Blogbeitrag mit dem Titel „Kollege Computer?“ veröffentlicht. Er fand das Programm nicht nützlich, da die permanente Entscheidung zwischen Fehlern und Fehlalarmen gerade bei längeren Texten zu zeitaufwendig sei. Außerdem konnte er keine Zielgruppe ausmachen.

Ich glaube, die Entscheidung für oder gegen eine automatische Korrektur hat etwas mit den eigenen Zielen und Erwartungen zu tun. Wenn man bereit ist, ein nur durchschnittliches Qualitätslevel zu akzeptieren, dann kann man sich tatsächlich das Geld für ein Lektorat sparen und wird mit der automatischen Korrektur zurechtkommen. Bessere Ergebnisse liefern zu diesem Zeitpunkt aber noch versierte, konzentrierte Lektorinnen und Lektoren.

Ich selbst nutze den Duden Korrektor als Absicherung am Ende meiner Korrekturdurchläufe. Wenn die Texte in einem guten Zustand sind, findet der Duden Korrektor oft noch die letzten Flüchtigkeitsfehler oder eine übersehene Duden-Empfehlung. Diese Einschätzung dürfte im Übrigen auf alle Programme zutreffen: Wenn Texte besonders fehlerreich sind, haben Programme und Nutzer größere Probleme und der Zeitaufwand steigt exorbitant.

Duden online, LanguageTool Plus, Duden Korrektor?

Für die regelmäßige Arbeit an längeren Texten sind die Add-ons des Duden Korrektors oder von LanguageTool Plus durchaus hilfreich. Beide lieferten in etwa ähnliche Ergebnisse und brauchten auch ähnlich lang für eine Korrektur. Bei umfangreichen Texten können hier schon einige Minuten vergehen.
Lediglich die Preismodelle sind sehr unterschiedlich. Den Duden Korrektor kann man zum Festpreis von 79 Euro zzgl. Mehrwertsteuer erwerben, der nächste Versionsschritt kostet als Update dann die Hälfte. LanguageTool Plus wird abonniert und kostet dann als Einzelplatzversion 59 Euro im Jahr.

Natürlich muss man dazu sagen, dass auch die hauseigene Prüfung von Word inzwischen viele Fehler findet. Im Vergleichstest schnitt sie nicht viel schlechter ab als die kostenpflichtigen Programme.
Die beste Leistung im Test zeigte aber die Duden-online-Prüfung. Diese ist allerdings auf 800 Zeichen beschränkt. Für kürzere Texte und die schnelle Prüfung ist sie daher also zu empfehlen, ansonsten aber weitgehend unbrauchbar. Es gibt momentan jedenfalls nach meinem Kenntnisstand keine Möglichkeit, die Zeichenzahl durch Bezahlung zu erweitern. Umso bedauerlicher ist es, dass der neu entwickelte Duden-Mentor keine so gute Korrekturleistung lieferte und die Kommas übersah.

Fazit des Tests: Eine voll funktionsfähige Automatisierung gibt es noch nicht

Festzuhalten bleibt, dass man der Automatisierung noch nicht vertrauen kann – das wissen auch alle Beteiligten. Die Künstliche Intelligenz arbeitet zwar ermüdungsfrei, findet aber auch nicht jeden Schnitzer im Text. Und am Ende weist sie nur auf Unstimmigkeiten hin – die Entscheidung, ob etwas falsch oder richtig ist, bleibt dem Nutzer, der Nutzerin überlassen. Unterstützen lassen kann man sich mit entsprechendem Vorwissen allerdings trotzdem schon ganz gut.

Ich freue mich über weitere Hinweise auf Korrektursoftware oder Ergänzungen zum Thema automatische Korrektur oder zur Funktionsweise der Programme.

Links

Ein wenig Web-Statistik zu einem meiner Blogbeiträge

Grammatik, Rechtschreibung, Stil: Dinge, die mich natürlich interessieren. Genauso interessant finde ich aber alle Aspekte, die mit dem Internet, mit Suchmaschinen, Algorithmen und Co. zu tun haben. An meinem Blogbeitrag Wie schreibt man ein gesundes neues Jahr? Groß oder klein? lässt sich z. B. hervorragend ein zeitlich eingegrenztes Suchverhalten beobachten.

Veröffentlicht habe ich den Beitrag am 8. Dezember 2017, für die Suchmaschinen hat er beim letzten Jahreswechsel aber noch keine Rolle gespielt. Meine Beiträge finden sich im Allgemeinen nach 1 bis 2 Wochen im Ranking wieder, in diesem Fall hat Google den Beitrag zum ersten Mal Anfang Januar gerankt. Man sieht das an der lila eingefärbten Linie. Im Verlauf des Jahres schwankte die Position bei Google ziemlich, der Artikel war also „noch nicht so richtig angekommen“. Anfang November änderte sich das schließlich, mein Beitrag hatte sich auf Position 2 festgesetzt.

Auswertung Zugriffe Blog-Beitrag Gesundes Neues Jahr Lektorat Christian Wöllecke

Für die Zugriffszahlen spielte das alles noch keine Rolle, denn im November suchen nur die wenigsten Menschen danach, wie man „ein gesundes neues Jahr“ schreibt. Dass sich das ändern würde, war mir natürlich klar. Ich hatte allerdings keine Idee, wie viele Zugriffe der Beitrag haben würde und wie sie sich verteilten. Da mindestens 90 Prozent oder mehr der Zugriffe über Google erfolgen, konzentriere ich mich weiter auf diese eine Suchmaschine.

Die meisten Zugriffe gab es in den ersten beiden Wochen des neuen Jahres

Ich hatte vermutet, dass es sehr viele Zugriffe in der Woche vor Weihnachten geben würde, da sich meine Seite und meine Leistungen ja vor allem an Geschäftskunden richten. Es gab auch tatsächlich höhere Zugriffe, in der Spitze um die 300; vorher hatte ich meist 5 bis 10 Zugriffe pro Tag gehabt, also eine ordentliche Steigerung.

Auswertung Zugriffe Blog-Beitrag Gesundes Neues Jahr Lektorat Christian Wöllecke
Gleichzeitig hatte ich mich aber dahingehend verschätzt, dass viele Besucher und Besucherinnen die Schreibweise vor dem Jahreswechsel abfragen würden, beispielsweise für Grußkarten. Die meisten Zugriffe – um die 1200 an Spitzentagen – gab es in den beiden ersten Wochen des neuen Jahres. Hier wird es sich sehr wahrscheinlich um das schnelle Suchen nach Formulierungen für E-Mails etc. handeln.

Auswertung Zugriffe Blog-Beitrag Gesundes Neues Jahr Lektorat Christian Wöllecke

Der Beitrag hat eine außergewöhnlich hohe Click-trough rate – mit einer Delle an den Feiertagen

Es gibt aber mit dem Blick auf Google eine interessante Bewegung in der sogenannten CTR, der Click-trough rate (grüne Linie). Sie gibt an, wie oft ein in der Suche angezeigter Artikel auch tatsächlich angeklickt wurde. Diese Rate schwankt, je nachdem wie spezifisch ein angezeigter Beitrag bzw. die angezeigte Vorschau bei Google zur Suche eines Nutzers bzw. einer Nutzerin passt. Für viele Artikel liegt er bei mir zwischen 1 und 4 Prozent.

Auswertung Zugriffe Blog-Beitrag Gesundes Neues Jahr Lektorat Christian Wöllecke
Die durchschnittliche CTR für meinen Neujahrsbeitrag liegt hingegen bei 11 Prozent. Der Wert wäre noch höher, aber es gab um den Jahreswechsel herum eine ordentliche Delle. Extrem viele Menschen suchten im Vergleich zu den sonstigen Tagen am Silvesterabend nach der korrekten Schreibung, auch meine Klicks (dunkelblaue Linie) stiegen an; aber im Vergleich zum Zeitraum davor und danach fiel die Klickrate mit 3 Prozent mager aus, auch die Position war kurz abgerutscht. In den Wochen, in denen vermutlich vorrangig im beruflichen Kontext gesucht wurde, stieg die CTR auf 30 Prozent.

Diese hohe Klickrate hat sicher etwas damit zu tun, dass die Leute ziemlich genau das finden, was sie wollen. Die Fragestellung ist sehr klar umrissen, die Antwort direkt und einfach möglich. Inwiefern meine These von privater und geschäftlicher Nutzung zutrifft, lässt sich allerdings nicht validieren.

Da ich kein weitergehendes Data-Mining betreibe, kann ich nichts Genaues zum Nutzerverhalten sagen, dies ist für mich im Moment aber auch weitgehend irrelevant. Meine Blogbeiträge sind ein probates Mittel, um die Wirkung von Texten und SEO-Optimierung in Bezug auf Google und die Suchmaschinenplatzierung auszutesten. Das ist auch schon Gold wert. In diesem Sinne noch ein frohes und gesundes neues Jahr!

Titelbild: on Unsplash