Semikolon: weder Komma noch Punkt. Wann sollte man es setzen?

Das Semikolon – auch Strichpunkt genannt – macht sich in vielen deutschen Texten rar. Und das nicht nur, weil es für Augenrollen bei allen Freunden fester Regeln sorgt. Darum will ich heute darüber schreiben, wann man ein Semikolon setzen kann. Am schnellsten informiert wie immer die Zusammenfassung am Karacho-Montag. Allen anderen sei der gesamte Text empfohlen.

Eins vorweg: Wer darauf hofft, dass man etwas völlig Verbindliches über das Semikolon sagen kann, wird enttäuscht. Das Semikolon ist ein Zwitter aus Komma und Punkt. Es schiebt sich ein wenig aus dem Regelkanon der deutschen Sprache. Das Semikolon kann freier als andere Satzzeichen verwendet werden, es trennt stärker als ein Komma, aber schwächer als ein Punkt. Dagegen ersetzt es nicht die Gedankenstrich. Bevor ich trotzdem ein paar Empfehlungen gebe, wie man das Semikolon benutzt, hier noch ein wenig Wissen für den nächsten Party-Small-Talk. „Wusstest du übrigens, dass ein Semikolon wie das Komma zwei Pluralformen hat? Ja … tatsächlich, Semikolons oder Semikola.“

Wann sollte man ein Semikolon setzen – Einsatzgebiet eins: Aufzählungen

Völliges Chaos herrscht beim Thema Semikolon aber trotzdem nicht. Es ist sehr gut dazu geeignet, in längeren Aufzählungen einzelne Sinneinheiten abzutrennen: In unserem Geschäft verkaufen wir Hamster, Meerschweine, Hasen; Sittiche, Papageien, Zebrafinken; Schnappschildkröten, Landschildkröten und Sumpfschildkröten. Besonders umfangreiche Aufzählungen werden in solchen Portionen leichter lesbar. Noch deutlicher wird dies, wenn Verben fehlen:
Teilnehmer von links nach rechts: Herr Meyer, Herr Müller, X AG; Frau Nadel, XY GmbH; Frau Müller, Herr Schnabel, XYZ AG

Wann man ein Semikolon noch verwenden kann – Einsatzgebiet zwei: gleichrangige Teilsätze

Gleichrangige Teilsätze, also zum Beispiel Hauptsätze, lassen sich mit dem Semikolon voneinander abgrenzen, wenn die Trennung mit einem Punkt zu deutlich wäre. Dabei bezieht man sich vor allem auf die inhaltliche Zusammengehörigkeit von Hauptsätzen. Da das Semikolon einen nebenordnenden Zweck erfüllt, also gleichwertige Satzteile verbindet, trennt es nie Haupt- und Nebensätze.

Ich fuhr nach Berlin; meine Tante aber fuhr nach Prag.

Ich kaufte eine Schnappschildkröte; später kaufte ich mir eine Sumpfschildkröte hinzu, die allerdings bald davonschwamm.

Zudem wird das Semikolon bei Anschluss mit Konjunktionen oder Adverbien wie deswegen, deshalb, daher, denn, doch, darum verwendet.

Ich kaufte eine Schnappschildkröte; deshalb hatte ich bald rote Fingerspitzen. Im Büro haben wir quergelüftet; deswegen habe ich mich erkältet.

Scheinbar überflüssig, selten gebraucht: Wer trotzdem für das Semikolon einsteht

Wie die Beispiele zeigen, ist das Semikolon eine ziemlich optionale Angelegenheit; was darin mündet, dass man es im Lektorat nur sehr selten zu Gesicht bekommt. Man kann also durchaus die Frage stellen, warum man ein Semikolon setzen sollte bzw. warum es überhaupt benutzt wird. Die strukturierende Funktion ist vielleicht noch am stärksten in der Trennung bestimmter Elemente einer Aufzählung zu erkennen. Gerade bei Aufzählungen in Bildunterschriften oder Datenblättern kann ein Semikolon das Lesen erleichtern. Für das Semikolon als Zeichen intellektueller Wahlfreiheit im Schreibprozess tritt ein kurzer Artikel von Johannes Waechter in der „Süddeutschen Zeitung“ ein. Eine weitere Hommage auf das Semikolon mit historischer Erläuterung stammt von Kathrin Klette und ist in der „NZZ“ erschienen.

Diesen Artikel habe ich am 4. April 2016 veröffentlicht und am 28. November 2018 überarbeitet und erweitert.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

Das Semikolon trennt stärker als ein Komma und schwächer als ein Punkt. Man sollte es in folgenden Fällen setzen:

  • Sinneinheiten in Aufzählungen: Wir lieben Brezeln, Sauerkraut, Kartoffeln; Pasta, Pizza, Lasagne; Baguettes, Croissants und Coq au vin.
  • Trennung von gleichrangigen Sätzen: Ich glaube, ich sehe den Zug jetzt kommen; heute ist er spät dran.
  • Satzanschluss über Konjunktionen wie deshalb, deswegen, daher, dennoch, doch: Der Zug war unpünktlich; deswegen kommen wir zu spät.

 

Fantasie oder Phantasie, Delphin oder Delfin? Kann-Schreibungen im Deutschen

„Mit ’ner Menge Fantasie … kann ich alles sein, was ich will.“ So lautet ein Satz, den ich vor gut 10 Jahren in einer SpongeBob-Schwammkopf-Folge gehört habe. Damals lief nicht mehr viel Musik auf den Musiksendern, aber ein heute noch immer aktuelles Thema war schon damals präsent. Gebrauchen wir unsere Fantasie oder unsere Phantasie? Warum führen viele falsche Entscheidungen manchmal zu Katastrophen, nie aber zu Katastrofen?

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Dass von vielen Wörtern zwei Schreibweisen existieren, hat etwas mit der Rechtschreibreform aus dem Jahre 1996 zu tun. Vor 22 Jahren wurde eine Entscheidung getroffen: Fremdwörter, die mehr und mehr diesen fremden Status verlieren, sollten auch in einer ans Deutsche angepassten Schreibweise erscheinen. Beim Telefon oder der Kulisse ist das schon passiert. Es wird nur noch selten Telephon oder Coulisse geschrieben, solche Schreibweisen gelten inzwischen als exzentrisch.

Fremdwörter werden nach und nach heimisch – das soll sich auch in ihrer Schreibung niederschlagen

Für eine gewisse Gruppe von Fremdwörtern sollte dieser Prozess forciert werden, man legte also fest, dass diese in einer einfacheren, „deutscheren“ Form geschrieben werden könnten. Dies gilt für phon-, phot- und graph-Fremdwörter – Geografie, Fotovoltaik, Grafiker – aber auch für einzelne andere Fremdwörter wie eben Fantasie. Genauso ergeben sich Kann-Schreibungen bei Tunfisch/Thunfisch oder Spagetti/Spaghetti.
Viele Fremdwörter durften so bleiben, wie sie sind. Katastrophe oder Philosophie oder Strophe wurden nicht angepasst.
Bei anderen Fremdwörtern war die eingedeutschte Form so ungebräuchlich, dass sie inzwischen wieder zurückgenommen wurde. Beispiele sind Ketschup, Majonäse oder Grislibär. Diese Schreibweisen sind seit 2017 nicht mehr zulässig.
Ein ähnlich gelagertes Feld ist übrigens die Zusammen- oder Getrenntschreibung von Fremdwörtern und einheimischen Wörtern, z. B. Charityveranstaltung oder Corporate Identity.

Lektorat Text Berlin Website Christian Wöllecke Werbelektorat Beschriftung einer Ketchupflasche: Nur die Schreibung Ketchup ist korrekt.
Was draufsteht, ist auch drin: Ketchup. Andere Schreibweisen sind nicht mehr zulässig. Foto: Charisse Kenion on Unsplash

Auch nach vielen Jahren schwankt der Gebrauch der einzelnen Schreibweisen

Aber nicht nur ein Wort wie Roulett hat ausgedient und ist abgeschafft. Auch in anderen Fällen kan man nicht von einem Erfolg auf breiter Flur sprechen. Mich selber schaudert es immer, wenn ich eine Korrektur wie Fotovoltaikanlage empfehle. Warum? Ich weiß es nicht. Aber es geht vielen Schreibern und Schreiberinnen genauso. Womit wir beim Problem wären, dass sich auch 22 Jahre nach der Reform die Schreibgewohnheiten massiv verändern, sich aber gerade bei Wörtern wie Fantasie/Phantasie nur allmählich Tendenzen abzeichnen. Schließlich hat der Gebrauch der ph-Form immer ein bisschen den Dünkel der sprachlichen Meisterschaft; man besinnt sich vermeintlich auf die sprachliche Vergangenheit und die Herkunft des Wortes. Bei der Photovoltaikanlage verstärkt sich meinem Eindruck nach eher der technisch-sachliche Bezug des Herstellers, der so seine Expertise präsentiert. „So schreibt der Fachmann!“ Andererseits sieht man die Formen Graphik bzw. Graphiker eher noch im Atelierkontext, aber weniger als Berufs- oder Leistungsbezeichnung.

Am wichtigsten: Einheitlichkeit, egal welche Schreibweise man wählt

Wichtig ist meiner Meinung nach, dass man sich für eine Form entscheidet, am besten projektübergreifend. Damit wird es leichter, die Schreibungen einheitlich zu halten. In Einzelfällen und auch bei Einzelwörtern kann man dann auch abweichen, wenn es sein muss. So lange man sich für eine Schreibweise entscheidet, ist das fantastisch … oder natürlich phantastisch. Das gilt auch in anderen Fällen, zum Beispiel bei der Frage, ob man sodass oder so dass schreibt. Beides ist möglich, man muss sich aber auf eine Variante festlegen.
Die konkrete Einzelfallentscheidung kann trotzdem nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Varianten von einer gewissen Willkür geprägt sind und nicht konsequent umgesetzt werden. Man sollte die Entwicklung der Schreibweisen also im Auge behalten.

Sollte in keinem Schrank fehlen: ein Delfin- oder eben auch Delphinkostüm. Via GIPHY

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

Man kann Fantasie oder Phantasie schreiben. Die von Duden empfohlene Schreibung Fantasie ist Folge der Rechtschreibreform. Fremdwörter, die schon lange in unserer Sprache existieren, werden zu heimischen Wörtern, dies soll sich auch in der Schreibweise ausdrücken. Dies gilt für phon-, phot- und graph-Fremdwörter – Geografie, Fotovoltaik, Grafiker etc.Ähnlich ist es bei Fremdwörtern wie Thunfisch/Tunfisch, Spaghetti/Spagetti, Delfin/Delphin, Joghurt/Jogurt. Die empfohlenen Schreibungen Thunfisch, Spaghetti, Delfin, Joghurt folgen dabei keiner einheitlichen Regel, sondern der Häufigkeit ihrer Verwendung durch die Schreibenden.

Komma vor als: Wann steht vor als ein Komma?

Ein Satzklassiker, den fast jeder schon einmal gehört haben dürfte, ist dieser hier: „Als ich in deinem Alter war …“ Was auch immer Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel und sonstige Besserwisser damit sagen wollen, es wird sich mit einem Komma anschließen. Aber nicht in jedem Fall steht vor als ein Komma.

Ein Komma wird gesetzt, wenn ein untergeordneter Satz folgt

Geht es um die Frage, wann nach als ein Komma, manchmal auch Beistrich genannt, folgt, muss man wissen, was sich anschließt. Es heißt also, möglichst einfach und schnell herauszufinden, über welche Satzkonstruktion man spricht. Wird ein untergeordneter Satz angeschlossen, wird das Komma gesetzt. Schließt sich nur ein einfacher Vergleich an, steht kein Komma. Wie aber unterscheidet man hier?

Im Allgemeinen lohnt es sich, am Ende des Satzes nach einem Verb zu suchen – es steht dort in seiner finiten Form. Eine solche finite Verbform (also das Tätigkeitswort, zum Beispiel schwimmen, fahren, laufen) ist in Person und Zahl bestimmt: Es war Torsten, der dort schwamm (und nicht seine Freunde, die schwammen). Ich war mir nicht sicher, ob es lief. (Ich war mir aber sicher, dass nicht meine Freunde dort liefen).

Bei einem möglichen Komma nach als verhält es sich genauso: Er war viel größer, als ich es in Erinnerung hatte. Sie kam später, als uns lieb war. Gleich der erste Satz aus meiner Einleitung fügt sich allerdings scheinbar nicht in das Schema: Als steht am Anfang. Trotzdem setzt man auch hier ein Komma: Als ich in deinem Alter war, bin ich gern schwimmen gegangen. Man kann die Satzteile nämlich auch einfach tauschen und es passt wieder zur Regel: Ich bin gern schwimmen gegangen, als ich in deinem Alter war. Über das Komma nach Satzanfängen habe ich bereits einen eigenen Artikel geschrieben. Generell ist es wichtig, sich nicht an starren Schemas festzuhalten. Nur wenn man den Aufbau eines Satzes versteht, bereitet die Kommasetzung keine Probleme.

Kein Komma bei Vergleichen, die nicht als untergeordneter Satz gelten

Findet man kein finites oder sonst irgendein Verb in dem Satzteil, der mit als angeschlossen wird, braucht es in der Regel auch kein Komma. Zum Beispiel steht ohne Komma: Er war viel größer als in meiner Erinnerung. Dagegen noch einmal der Kommasatz aus dem vorherigen Abschnitt: Er war viel größer, als ich es in Erinnerung hatte. Immer wenn als einen Vergleich ohne Verb anschließt, setzt man kein Komma. Sie kam später als wir. Das bleibt auch so, wenn der Vergleich sehr umfangreich ausfällt: Sie war klüger als die meisten schlauen und durchaus gebildeten Menschen in dieser Runde. Diese Regel lässt sich übrigens eins zu eins auf Sätze mit wie übertragen. Er war so stark wie wild und unabhängig. Er hatte nur die besten Absichten, wie er mir versicherte. Wieder findet sich im ersten Beispiel kein finites Verb, im zweiten Beispiel leitet wie einen untergeordneten Satz ein. Anders als bei einer einer entgegengesetzten Konjunktion wie sondern, bei der das Komma immer steht, kommt es hier also auf den Einzelfall an.

Noch ein letzter Hinweis: Man verwendet als, wenn man Unterschiede betonen möchte. Wie drückt dagegen eine Gleichheit aus. Er war größer als ich. Er war so groß wie ich. Hier kommt es gerade in der täglichen Umgangssprache recht schnell zu Verwechselungen, die man mit dieser einfachen Regel leicht vermeiden kann.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

Ein Komma vor als steht, wenn sich ein Nebensatz mit Verb anschließt (genauer ein untergeordneter Temporalsatz: Wir waren noch weit von unserem Ziel entfernt, als es Abend wurde) bzw. ein untergeordneter Vergleichssatz bzw. eine entsprechende Infinitivgruppe: Er war größer, als es mir im ersten Moment erschienen war. Er konnte sich etwas Besseres vorstellen, als das hier zu lesen.

Kein Komma steht vor einem Vergleich ohne Verb: Sie war größer als ich. Ich bin älter als viele in der Gruppe. Er kam später als erwartet.

 
Titelbild: unsplash-logorawpixel

Mal eben kurz ums Haus

Werbeaufdrucke dürfen nicht zu lang sein, der Kunde soll auf einen Blick erkennen, was ihm geboten wird. Nicht immer gelingen solche Verkürzungen allerdings, und manchmal wird es sogar richtig kniffelig.

Rasen mähen, Treppen putzen, Hecken stutzen: Gerade in Mehrfamilienhäusern sind alle Dienstleistungen rund ums Haus meist an entsprechende Firmen ausgelagert. Damit sich am Ende niemand beklagt, dass Mieter X wieder nicht gefegt hat, und damit man sich im Zweifel auch qualifiziert beschweren kann: „Geld gegen Leistung, okay?“

Auto mit Beschriftung "Rund ums Haus" Lektorat Berlin

Einen Apostroph braucht es bei Verschmelzungen wie „ums, ins, aufs“ nicht

Einen Apostroph braucht es dabei nicht, denn in diesem Fall wird eine Präposition mit einem Verhältniswort verschmolzen: Alles rund um das Haus. In einigen Fällen ist eine solche Verschmelzung übrigens verpflichtend. Man sagt nicht: „Mir wird warm um das Herz. Um das Verrecken nicht“, sondern benutzt die verschmolzene Form. Weitere Verschmelzungen sind zum Beispiel: ins, aufs, durchs, hinters, unters.

So weit, so einfach. Aber jetzt.

Auto mit falscher Beschriftung "Rund ums Haus & Garten" Lektorat Berlin

Was fängt man an mit einem Satz wie: „Service rund um’s Haus & Garten“? Der Apostroph ist falsch, das haben wir ja eben schon gesehen. Auch das Et-Zeichen gehört nicht in das Motto. Und ums Garten? Nein. Man könnte schreiben: Alles rund um das Haus und den Garten. Aber dann wäre es mit der Kürze vorbei. Minimal kürzer, rechtschreibregelkonform, aber sprachlich äußerst unelegant: Alles rund ums Haus und um’n Garten. Und wenn man die Verschmelzung einfach wegließe? Die Verkürzung auf um klappt nur, wenn man sie wirklich räumlich meint: „Wir spazierten an diesem Nachmittag rund um Haus und Garten.“ Wenn man aber das Thema meint, dann muss man es auch erwähnen. Alles rund ums Thema Haus und Garten. (Was aber kaum die Aussage der Werbung sein dürfte.)

Kürze heißt eben auch, Ungeschriebenes mitzudenken

Wobei man – und das ist ja so ein bisschen das Wesen der Kürze – auch einfach beim Haus bleiben könnte. Wenn man über ein Aquarium voller Fische spricht, muss man das Wasser nicht extra erwähnen, die Fische können nicht in der Luft schwimmen. Zu jedem Haus gehört mindestens ein Grünstreifen, in der Regel ist aber auch ein größeres Stück Wiese vorhanden oder es gibt eine kleine Parkfläche. Von daher bleibt es am besten bei der kurzen Form: Alles rund ums Haus. Und den Garten denkt man sich einfach mit.

Beitragsbild: unsplash-logoLucas Gruwez
Fotos im Text: Christian Wöllecke

Komma vor „sowie“ bei Aufzählungen?

Kommas vor sowie können einen überall anspringen. Ich sehe sie oft im Lektorat, neulich fiel auch eines gleich frühmorgens über mich her, direkt vom Druck auf der Brötchentüte. Richtig steht das Komma in den meisten Fällen trotzdem nicht.

Das Komma vor sowie bereitet offensichtlich regelmäßig Probleme. Nicht umsonst ist dieser Artikel einer der am häufigsten aufgerufenen auf meiner Website. Vielleicht liegt es daran, dass die Stellung des Wortes sowie nicht ganz klar ist, es so anders als das Wort und erscheint. Eine Zusammenfassung und schnelle Übersicht findet sich am Ende dieses Textes.

Schauen wir uns eine Konstruktion an, in der das Komma klassischerweise falsch gesetzt wird: Wir verkaufen Hundetränken, Katzentränken und Vogeltränken, sowie Meerschweinchentränken. In dieser Aufzählung steht sowie als Und-Ersatz; man versucht damit, eine Doppelung zu vermeiden – stilistisch ist das aber nicht gerade die beste Lösung. Allerdings ergibt sich gerade aus dieser Analogie, dass nämlich sowie ein und ersetzen kann, auch die Kommaregel. Beide Wörter sind Konjunktionen, die Satzteile oder Sätze verbinden. Es handelt sich bei ihnen um nebenordnende Konjunktionen, sie werden also genau gleich eingesetzt. Der Satz zu den Tiertränken wird daher ohne Komma vor sowie geschrieben. Übrigens gibt es auch unterordnende Konjunktionen wie um oder weil. Bei einer solchen Verbindung setzt man immer ein Komma. Wir verkaufen Tränken, weil die Tiere sonst verdursten. Viele Menschen kaufen Tränken im Internet, um Geld zu sparen.

Richtig? – Ja. Schön? – Nein

Auch wenn man Aufzählungen mit sowie gliedern kann, ist dies nur selten Ausdruck guten Stils. Man kann eine Aufzählung zum Beispiel problemlos mit vier Gliedern gestalten und dann das letzte Wort hinter das und ordnen: Wir verkaufen Hundetränken, … Vogeltränken und Meerschweinchentränken. Man spart sich damit das ungelenke sowie und eine weitere Silbe. Außerdem kann man die Sätze auch einfach teilen, was sich bei längeren Aufzählungen besonders anbietet. Wir verkaufen Hundetränken und Katzentränken. Wir haben auch Tränken für Vögel und Nager wie Kaninchen und Meerschweinchen im Angebot.
Ohne Not sollte man und ohnehin nie durch sowie ersetzen, was ich in einem anderen Beitrag zum Wesen der Konjunktion „und“ bereits ausgeführt habe. Ich finde, solche Sätze lesen sich sonst sehr umständlich, sie haben fast schon „beamtischen“ Charakter. Wann der Ersatz trotzdem möglich ist, steht ebenfalls in meinem Beitrag zum und.

Ich will aber unbedingt ein Komma vor „sowie“ setzen!

Auch das ist möglich. In diesem Fall muss sowie allerdings anders gebraucht werden. Nicht mehr im Sinne von und, sondern als Konjunktion, die einen Nebensatz einleitet. Sowie wird dann analog zu sobald gebraucht: Ich verlasse das Geschäft, sowie ich eine Meerschweinchentränke gekauft habe. Wie so oft kommt es in der deutschen Sprache also auf den konkreten Einzelfall an, viele Wörter können je nach Einsatz im Satzgefüge auf verschiedene Art und Weise funktionieren.

Scheiden tut weh

Das war es dann auch schon fast; aber wo wir gerade beim Thema Trennung sind: So wie wird getrennt geschrieben, wenn es sich um einen Vergleich handelt: So, wie ich den Wöllecke kenne, kann er sich keine Beispielsätze ohne abstrus lange Wörter wie Meerschweinchentränke ausdenken. Stimmt!

Dieser Artikel erschien zuerst am 3. März 2017 und wurde vom mir am 19. März 2018 überarbeitet und erweitert.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-MontagFreitag

Erfüllt sowie in einer Aufzählung die Funktion von und, wird kein Komma gesetzt. Ich kaufe Pilze, Speck und Eier sowie Petersilie. In den meisten Fällen ist ein zusätzliches sowie aber nicht nötig.
Ein Komma kommt vor sowie, wenn es im Sinne von sobald gebraucht wird. Sowie ich da war, musste ich ein Bier trinken.
Getrennt schreibt man es, wenn sowie in einem Vergleich steht. Dieses Auto ist superschnell, nicht so wie deine alte Karre.

Sodass oder so dass – getrennt oder zusammen?

„So – vorne s, hinten o.“ Ich weiß nicht, wann ich den Spruch zum ersten Mal gehört habe. Ich muss jedenfalls regelmäßig an ihn denken. Vielleicht, weil er ziemlich blöd ist. Mit sodass bzw. so dass würde er allerdings auch nicht besser. Aber welche Form ist die richtige?


In diesem Beitrag geht es um die Verbindung von so und dass. Heraus kommt eine Konjunktion, ein sogenanntes Bindewort wie und also. Konjunktionen verbinden Sätze miteinander, in diesem Fall Haupt- und Nebensätze, sodass (oder so dass) ich nicht länger über den irgendwie nicht passenden ersten Satz nachdenken muss. Der Hauptsatz könnte dabei auch allein für sich selbst stehen. Der Nebensatz hingegen funktioniert nicht eigenständig, sondern nur über den Anschluss über die Konjunktion. Nun komme ich aber direkt zur Frage nach dem sodass oder so dass. Hier kommt der nächste Beispielsatz, der sich nicht direkt in die Erklärung einschaltet: Ich habe den Bus verpasst, sodass ich zu spät kam. Die Zusammenschreibung ist korrekt, man könnte aber auch getrennt schreiben. Er vergaß, mich abzuholen, so dass ich den ganzen Abend allein herumsaß.Sodass leitet Folgesätze ein, sogenannte Konsekutivsätze. In diesen wird die Wirkung des Geschehens im Hauptsatz geschildert. Weil ich den Bus nicht mehr erreicht habe, war ich zu spät dran. Weil ich nicht abgeholt wurde, blieb ich allein. Auch dass und als dass stehen am Anfang von diesen Folgesätzen.

Sodass oder so dass? Ich empfehle die Zusammenschreibung

Ich habe mir im Lekorat angewöhnt, sodass generell zusammenzuschreiben bzw. diese Schreibung zu empfehlen. Dabei steht das Komma immer vor sodass. Ich trenne die Form nur, wenn sich ein Komma dazwischenschiebt. Also dann, wenn so im Hauptsatz mit dass verbunden ist, also nicht mehr die Konjunktion sodass den Nebensatz einleitet. Ich zitterte so, dass es alle Leute sahen. Würde man hier zusammenschreiben und das Komma vor sodass setzen, käme kein Folgesatz heraus. Denn die Leute schauen einen nicht gleich an, wenn man ein bisschen vor Kälte bibbert. Wenn man aber derart stark zittert, wie im Beispielsatz angegeben, dann werden andere Menschen auf einen aufmerksam.

Von daher ist es in diesem Fall ziemlich einfach. Beide Schreibweisen sind erlaubt. Ich folge der Duden-Empfehlung, sodass zusammenzuschreiben.

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Sodass kann getrennt oder zusammengeschrieben werden (Empfehlung: Zusammenschreibung).

Es leitet Konsekutivsätze ein, in denen die Folgen eines Ereignisses aus dem Hauptsatz beschrieben werden.

Beitragsbild: sodas von mararie unter der Lizenz CC BY-SA 2.0