Bindestrich im Wortinneren II

Wie im ersten Teil versprochen, reiche ich nun noch ein paar weitere Bindestrichregeln nach.
Zunächst möchte ich aber auf einen Blogeintrag zum Thema verweisen, der mir letzte Woche unter die Augen kam: http://www.sprachlog.de/2017/05/04/das-deppenleerzeichen-gibt-es-nicht-eine-art-replik/ Auf sprachlog.de schreibt Kristin Kopf über Bindestrich und Leerzeichen.

Ein interessanter Punkt in Kopfs Beitrag ist die Verwendung des Bindestrichs zum „auffälligen Trennen“. Dies spiegelt sich auch in meiner täglichen Arbeit als Lektor wider. Namen und Fremdwörter werden mit Bindestrich gekoppelt, laut Kopf, weil „sie […] strukturell ungewöhnlich und deshalb markierungsbedürftig [sind]“. Dies hat etwas mit unseren Lesegewohnheiten zu tun. Gerade bei Namen und Fremdwörtern kann es nämlich schnell zu Irritationen kommen, wenn man sie nicht kennt. In Mode vernarrte Menschen könnten heute ein Styleansinnen verfolgen, besser liest sich Style-Ansinnen. Oder ein Experte, fiktiver Name Klaus Kohlschütter, entwickelt eine Empfehlung, dann wird es bei Kohlschütterempfehlung schnell schwierig zu lesen: Kohlschütterem … ach nein … Kohlschütter|em … okay … Darum ist auch hier die Schreibung mit Bindestrich zu bevorzugen.

Hervorhebung, gleichrangige Adjektive und Farbwörter

Diese Form der Hervorhebung zeigt sich auch, wenn man Hoch-Zeit schreibt, weil man nicht die Vermählung, sondern eine meist geschichtliche Blütezeit meint. Gleichrangige Adjektive können ebenfalls mit Bindestrich geschrieben werden: ein heiter-beschwingter Abend. Verstärkt das erste Adjektiv hingegen nur, folgt kein Bindestrich: eine hochbeschwingte Veranstaltung. Wer Farbe bekennen will, der kann dies mit oder ohne Bindestrich tun. Stehen Farben nebeneinander, wird ein Bindestrich gesetzt. Meint man die Mischfarbe, entfällt er. Zu seinen blaugrünen Augen trägt er ein schwarz-weiß gestreiftes Hemd.

Aus-der-Haut-Fahren ist nicht angesagt, der Bindestrich feiert einen 100 : 0-Sieg

Dann gibt es da noch eine schöne Kategorie, die aus substantivisch gebrauchten Infinitiven besteht. Dahinter verbergen sich Formulierungen wie das Langsam-aber-sicher-kirre-Werden oder das In-habt-Acht-Stellung stehen.
Letztes Mal ging es bereits um einzelne Buchstaben, aber auch einzelne Ziffern werden mit Bindestrich geschrieben. Ganz egal ob es um den 14-jährigen Jungen oder den 14-Jährigen als solches geht. Auch 100-prozentig, x-beliebig oder 3-mal werden auf diese Weise mit Bindestrich geschrieben. Für Günther-Jauch- wie auch Fußballfans ist noch folgende Sache interessant: Ein 5 : 1-Sieg wird genau wie ein 50 : 50-Joker mit Bindestrich, aber Leerzeichen vor und nach dem Doppelpunkt geschrieben. Dies fand ich persönlich sehr ungewöhnlich, da man Leerzeichen in solchen Koppelungen nicht erwartet. Aber wie bei u. a. oder z. B. bleibt der Abstand „5 zu 1; 50 zu 50“ offenbar auch in einer Abkürzung bestehen.

Ich ziehe hier – Verzeihung für dieses allerletzte Wortspiel – einen Schlussstrich. Es gibt eine Menge Einsatzmöglichkeit für Bindestriche im Wortinneren, ob nun zur Hervorhebung oder aber weil es tatsächlich eine Regel vorschreibt. Tendenziell ist es besser, einen Bindestrich zu setzen, als gar nicht zu koppeln. Allerdings wäre überhaupt nichts dagegen einzuwenden, hin und wieder auch den Mut für eine ganz einfache, grundsolide Zusammenschreibung aufzubringen.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-MontagDienstag

Einzelne Buchstaben oder Ziffern werden mit Bindestrichen gekoppelt. A-Dur, 8-Tonner
Der Bindestrich wird dann gesetzt, wenn ein Wort in einem Kompositum hervorhebungsbedürftig ist oder markiert werden soll. Dies ist bei Namen und Fremdwörtern häufig der Fall. Meiser-Konstante, Publicity-Faktor
Unübersichtliche Konstruktionen, Aneinanderreihungen und gleichrangige Adjektive werden mit Bindestrichen versehen. Museums-Oberaufsichtsleiter, Zwei-Komponenten-Kleber, wild-romantisch
Außerdem kann man einen Bindestrich setzen, wenn drei Vokalbuchstaben aufeinandertreffen:
Allee-Entourage

Bindestrich im Wortinneren

Die deutsche Sprache kennt eine schöne Grundregel: Worte werden direkt miteinander verbunden, man schreibt weder Leer-Zeichen noch Binde Striche. Doch mit einer Bindestrich- und Leerzeichenschwemme, gerade in werbenden Texten, steigt die Unsicherheit. Und das ist gar nicht so verwunderlich.

Im Gegensatz zur Zusammenschreibung ist die Bindestrichschreibung ein Feld voll von Varianten und Ausnahmen, es gibt viele Auslegungsmöglichkeiten. Also schwingen wir die Hacke und lockern den Bindestrichboden ein wenig auf.

Endlich, endlich hielt sie das Druckerzeugnis in den Händen

Kürzlich bin ich einem Text über das Wort Druckerzeugnis gestolpert. Mir schien ein Bindestrich sinnvoll – der Duden empfiehlt ihn. Tatsächlich geht es hier um die Verständlichkeit. In den meisten Fällen wird man damit eine Zeitschrift oder Ähnliches meinen, also ein Druck-Erzeugnis. Man könnte natürlich auch von einem Drucker-Zeugnis sprechen. Von einer gedruckten Urkunde also (die ein Drucker zum Abschluss der Ausbildung erhält). Damit klar wird, was genau gemeint ist, sollte ein Bindestrich gesetzt werden.

Beim Treffen der Kreis-
schifffahrtsgesellschaftsteilhaber kam es zum Eklat

Das Gleiche trifft auf unübersichtliche Wortzusammensetzungen zu. Natürlich sind hier Diskussionen vorprogrammiert: Ab wann genau wird es unübersichtlich? Mancher Texter würde sicher schon Staub-Sauger unübersichtlich genug finden, um die Schreibung mit Bindestrich zu rechtfertigen. Bei einem Kompositum wie Kreisschifffahrtsgesellschaftsteilhaber sollte ein Bindestrich gesetzt werden, und zwar an der Haupttrennfuge. Im Beispiel könnte man also Kreisschifffahrts-Gesellschaftsteilhaber schreiben, wenn man den Gesellschafter der Kreisschifffahrt meint. Oder Kreis-Schifffahrtsgesellschaftsteilhaber – wenn der Gesellschafter einem bestimmten Kreis angehört.
Wo wir gerade bei drei zusammentreffenden Buchstaben sind: Einen Bindestrich kann man setzen, wenn drei Vokalbuchstaben aufeinanderfolgen. Man schreibt also Tee-Elefant oder Lama-Aasgeier; Teeelefant oder Lamaaasgeier sind aber auch richtig.

Noch mehr Bindestrichuneinheitlichkeiten auf einer Fischverpackung.
Interessant ist: Das Unternehmen schreibt Bio Forelle, aber Räucherfisch-Spezialität. Friedrichs-Rauchgeschmack, aber FRIEDRICHS Bio Räucherforellen.

Einzelbuchstabe sucht …

Wenn sich ein Einzelbuchstabe überlegt, was er überhaupt mit irgendwem gemeinsam hat – sagen wir mit Formelzeichen und Ziffern –, dann kann er an den Bindestrich denken. Man schreibt X-Beine oder V-Ausschnitt genau wie 8-Tonner und y-Achse. Zu dieser bunten Truppe stoßen auch die Abkürzungen in Komposita: KFZ-Schein, UKW-Frequenz, Lkw-Führerschein.
Falsch ist hingegen, was ich immer wieder im Supermarkt sehe, zum Beispiel auf Käsepackungen. Auch wenn Bioprodukte sicher tolle Lebensmittel sind, wird der erste Wortbestandteil weder mit einem Leerzeichen noch mit einem Bindestrich abgetrennt. Man schreibt Biokäse wie Biografie oder Biochemiker.

Ringel, Ringel Reihe, sind der Wörter dreie

Man kann sich ein DIN-A4-Heft kaufen oder zu einem Progressive-Rock-Konzert gehen. Wenn man nicht gerade einen fiesen Magen-Darm-Virus hat. Stehen mehrere Wörter vor einem Zweitglied, werden sie mit Bindestrichen durchgekoppelt.

Jetzt aber erst mal kurz ausruhen: Da schon ganze Menge Bindestrichregeln zusammengekommen sind (und heiter an den Händen gefasst vor den Augen tanzen), wird das Vorbeten weiterer Regeln auf den nächsten Karacho-Montag-Beitrag verschoben.

Komma vor „sowie“ bei Aufzählungen?

Kommas vor sowie können einen überall anspringen. Ich sehe sie oft bei der Arbeit, neulich fiel auch eines gleich frühmorgens über mich her, direkt vom Druck auf der Brötchentüte. Richtig steht das Komma in den meisten Fällen trotzdem nicht.

Schauen wir uns eine Konstruktion an, in der das Komma häufig falsch gesetzt wird: Wir verkaufen Hundetränken, Katzentränken und Vogeltränken, sowie Meerschweinchentränken. In dieser Aufzählung steht sowie als Und-Ersatz; man versucht damit, eine Doppelung zu vermeiden. Gerade aus dieser Analogie, dass nämlich sowie ein und ersetzen kann, ergibt sich auch die Kommaregel. Beide Wörter sind Konjunktionen, die Satzteile oder Sätze verbinden. Der Satz zu den Tiertränken wird also ohne Komma vor sowie geschrieben.

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Richtig? – Ja. Schön? – Nein

Auch wenn man Aufzählungen mit sowie gliedern kann, ist dies nur selten Ausdruck guten Stils. Man kann eine Aufzählung problemlos mit vier Gliedern gestalten und dann das letzte Wort hinter das und ordnen: Wir verkaufen Hundetränken, … Vogeltränken und Meerschweinchentränken. Man spart sich damit das ungelenke sowie und eine weitere Silbe. Bei längeren Aufzählungen teilt man die Sätze am besten.
Ohne Not sollte man und ohnehin nie durch sowie ersetzen, was ich in einem anderen Beitrag zum Wesen der Konjunktion „und“ bereits ausgeführt habe. Ich finde, solche Sätze lesen sich sonst sehr umständlich, sie haben fast schon „beamtischen“ Charakter. Wann der Ersatz trotzdem möglich ist, steht ebenfalls in meinem Beitrag zum und.

Ich will aber unbedingt ein Komma vor „sowie“ setzen!

Auch das ist möglich. In diesem Fall muss sowie allerdings anders gebraucht werden. Nicht mehr im Sinne von und, sondern als Konjunktion, die einen Nebensatz einleitet. Sowie wird dann analog zu sobald gebraucht: Ich verlasse das Geschäft, sowie ich eine Meerschweinchentränke gekauft habe.

Scheiden tut weh

Das war es dann auch schon fast; aber wo wir gerade beim Thema Trennung sind: So wie wird getrennt geschrieben, wenn es sich um einen Vergleich handelt: So, wie ich den Wöllecke kenne, kann er sich keine Beispielsätze ohne abstrus lange Wörter wie Meerschweinchentränke ausdenken. Stimmt!

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-MontagFreitag

Erfüllt sowie in einer Aufzählung die Funktion von und, wird kein Komma gesetzt. Ich kaufe Pilze, Speck und Eier sowie Petersilie. In den meisten Fällen ist ein zusätzliches sowie aber nicht nötig.
Ein Komma kommt vor sowie, wenn es im Sinne von sobald gebraucht wird. Sowie ich da war, musste ich ein Bier trinken.
Getrennt schreibt man es, wenn sowie in einem Vergleich steht. Dieses Auto ist superschnell, nicht so wie deine alte Karre.
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Sehr gern oder sehr gerne – der Unterschied zwischen Umgangs- und Standardsprache

Mancher ist gern allein, ein anderer ist lieber gerne alleine (und ein Dritter hat beim Essen gerne seine Ruhe). Inhaltlich unterscheiden sich die beiden Fälle offensichtlich nicht, aber wie verhält es sich mit den Schreibweisen?

Ganz praktisch kann man das an meinem Sohn nachvollziehen. Mit seinen zweieinhalb Jahren kann er zwar noch nicht alles, möchte es aber gern. So kann es schnell passieren, dass er bei jeder Handlung hyperventilierend schreit: „Iiiich, iiiich, alleine!“ Er hat dafür zweifelsohne wichtige Gründe und artikuliert sich völlig korrekt. Allein, in den meisten Texten sollte man die endungslose Form bevorzugen, vor allem in fachsprachlichen.
Gibt man dem kindlichen Ansinnen nach, ist alles gut. Kann oder möchte man nicht, wird die Sache ganz schnell schwierig. Meistens enden Wutanfälle auf dem Sofa im Kinderzimmer – mit einem gebellten: „Du nicht, geh weg!“ Das Kind möchte gern für sich sein. (Auch hier gilt die kürzere Version als standardsprachlich, die lange Form – ich möchte gerne Eis essen – ist als umgangssprachlich anzusehen.)

Ein oder einen Meter?

Bei Längenmaßen gibt es, zumindest sprachlich, einigen Spielraum. Im Normalfall würde man sagen: „Mensch, der hat ja mindestens einen Meter am Tor vorbeigeschossen.“ In kürzeren Formen kann man aber auch ein verwenden: „Sie haben es aufgezeichnet. Dort sieht man: genau ein Meter.“ So ähnlich verhält es sich auch mit der Flexion (der Beugung) von Meter/-n. Insbesondere, wenn der Artikel fehlt, steht man schnell vor der Beugungsfrage. Die Regel besagt hier, dass die Flexionsendung fehlt, wenn das Gemessene unmittelbar folgt. Also: Ich springe aus tausend Meter Höhe ab. (Aber auch die Form mit Endung kommt gelegentlich vor.) Im Gegensatz dazu wird flektiert, wenn man sagt: „Der Sprung erfolgt bei tausend Metern.“

Nicht nur eine Frage von falsch oder richtig

Entweder man setzt sich vorn oder vorne ins Auto. Die Benutzung variiert je nach Textart. In Dialog-Passagen eines Romans kann die endungslose Form schnell steif wirken. (Das genaue Gegenteil gilt übrigens für die Verbform in der ersten Person Singular. Ich hab alleine gewartet klingt mündlicher als: Ich habe allein gewartet. Ein Apostroph ist bei “hab” übrigens nicht üblich.) Richtet sich ein Unternehmen an Kunden oder Geschäftspartner, verwendet es eher die standardsprachliche Form: Wir haben gern mit ihm zusammengearbeitet. Geht es um eine besonders authentische Wiedergabe der letzten Betriebsfeier im Mitarbeitermagazin, kann man ebenfalls mit der Umgangssprache arbeiten. (Und dann, das war der unbestrittene Höhepunkt des Abends, spielte vorne/vorn unser Herr Mayer aus der Produktion auf seiner Ukulele „Es gibt kein Bier auf Hawaii“.) Ich reserviere der Umgangssprache in der Regel aber einen Platz als vorrangig literarisches Mittel für glaubhafte Figurenrede.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-MontagDienstag

In Formen wie vorn, allein, gern bewirkt ein zusätzliches “e” eine Verschiebung in die stilistische Ebene der Mündlichkeit. Bei Verbformen in der ersten Person Singular führt hingegen der Wegfall des Buchstabens “e” in die gleiche Richtung: Na, das hab ich mir ja gleich gedacht.
Man schreibt einen Meter, in kürzeren Varianten ist auch ein Meter zulässig.
Steht eine Längen- oder Höhenangabe ohne Artikel, dann wird sie gebeugt, wenn das Gemessene nicht unmittelbar folgt. Sonst steht sie ungebeugt.
Eine Strecke von 50 Metern. Eine Strecke von 50 Meter Länge (auch: 50 Metern).


Apostrophe: Was macht ihr Geheimnis aus?

Warum der Titel heute wie der einer Tierdoku klingt? Weil es manchmal einen Rechtschreib-Sielmann bräuchte, um Bilder zu liefern von tobenden, schlafenden, balzenden, fressenden Apostrophen. Denn obwohl Apostrophe eigentlich nur wenig rätselhaft sind, wirken sie häufig wie ein einziges Enigma.

Vielleicht würde so ein Rechtschreib-Sielmann gar nichts bewirken. Apostrophe haben eigentlich nichts Exotisches, sie sind keine Löwen oder Zebras im Stadtbild, eher Tauben, Mäuse, Ratten. Sie sind dauerpräsent – aber leider häufig am falschen Platz. Vielleicht geht es vielen dabei so wie mit dem Semikolon: In der Schule hat der Einsatz der Zeichen keine Rolle gespielt, die Anwendung wurde nicht eingeübt. Nun ist das Zeichen aber da. Was da ist, sollte ja auch irgendwie verwendet werden. Und da haben wir Tine’s Friseurshop, Bernd’s Wurstexpress und Claudia’s Iss’ wat. Bei mir um die Ecke steht die Imbissbude Elias’ Gyrosland (die ich – nicht nur wegen des korrekten Apostrophs – sehr empfehlen kann). Und nun könnte man noch rufen: „Gib’ acht!“ oder „Dieser Text liest sich wie ein einziger Schuss in’s Blaue.“ Oder man fängt an, aus diesem Wust die falschen und richtigen Apostrophe herauszufiltern. So einfach ist das!

Apostroph – Aufbau, Funktion, natürliches Habitat

Aber im Ernst: An sich ist der Gebrauch eines Apostrophs wirklich kein Drama. Es steht immer dort, wo etwas ausgelassen wird. Ruft also ein froher, bettbereiter Nachtschwärmer seinen noch unternehmungslustigen Kumpanen „Habt noch ’ne schöne Nacht“ zu, weil ihm „eine schöne Nacht“ zu umständlich ist, wird ein Apostroph gesetzt.
Bleiben wir im Bild. Der bettbereite Nachtschwärmer hebt den Fuß verträumt über eine Pfütze, und einer der dankbaren Freunde warnt ihn, ruft: „Hab Acht!“ Dann braucht es keinen Apostroph. In diesem Fall, weil es sich um einen üblichen Befehl handelt. Dies gilt auch für feste Grußformeln. Geh mir fort. Bleib doch stehen. Generell soll ein Apostroph bei schwer lesbaren oder missverständlichen Formen gesetzt werden. In der ersten Person Singular des Präsens Indikativ setzt man ihn darum normalerweise nicht. Ich hab da was gehört. Ich hol ihn mal eben. Es ist außerdem nicht notwendig, bei Verschmelzungen von es mit vorangehenden Verben u. Ä. einen Apostroph zu setzen. Mir geht’s gut oder mir gehts gut. Verschmelzungen aus Präposition und Artikel erhalten keinen Apostroph, wenn sie als allgemein üblich gelten: ans, aufs, hinters, vors, beim, zum, übern, vorn.

Namen und Apostrophe

Endet ein Name ohne dazugehörigen Artikel, und wirklich nur ein Name, im Genitiv auf s, ss, ß, tz, x, ce, dann wird ein Apostroph gesetzt. Wir sagen nicht Eliases Gyrosland oder Andreases Wurstbude, sondern Max’ Wurstexpress. Schauen wir uns den Fall von Andrea und Andreas an: Wenn Andreas’ Imbisseck von Andrea übernommen würde, hieße es entweder Andreas Imbisseck oder aber auch Andrea’s Imbisseck. Auch wenn nicht ganz klar wird, warum man es braucht, ist der Apostroph bei Andrea’s Imbisseck zur Kennzeichnung der Grundform des Namens zulässig. Ein Apostroph vor dem Genitiv-s von Namen ist ansonsten aber unüblich.

Der Apostroph im Wortinneren

Man kann sich mit Heidegger beschäftigen oder mit Mario Barth, das macht für das folgende Beispiel keinen Unterschied. Spricht man von ihrer Art und Weise, Dinge zu tun, sind jeweils zwei Formen legitim: der heideggersche oder der Heidegger’sche Hammer. Die barthsche oder Barth’sche Lehre, dass Frauen nicht mit diesem Hammer umgehen können. Wahrscheinlich führt der Weg aus dem Olympiastadion dann direkter zum Ku’Damm als nach der Heidegger-Vorlesung (wonach es eher in die Mensa geht, um das In-der-Welt-sein von Tellern und Tassen zu prüfen). Jedenfalls: Wenn im Wortinneren von Namen größere Buchstabengruppen weggelassen werden, setzt man einen Apostroph.

Kein Apostroph wird gesetzt …

… bei Abkürzungen mit Genitiv- und Pluralformen: des Jhs., die Pkws. Die Schreibung von verkürzten Jahreszahlen mit Apostroph stammt aus dem englischen Sprachraum, ist momentan aber in der deutschen Sprache noch nicht als Regel vorgesehen: Weihnachten 94. Ganz falsch ist der Apostroph natürlich auch in Claudias Fall vom Anfang: Iss wat enthält schlicht keine Auslassung. Wäre es als Frage gemeint, könnte man einen Apostroph verwenden: Is’ was? Aber mit dieser herzlichen Schnodderigkeit wird Gitti ihren Gästen höchstens direkt hinter dem Tresen begegnen – nicht schon im Schaufenster.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

1.) Apostrophe kennzeichnen unübliche Auslassungen. 2.) Sie können gesetzt werden bei es-Anschlüssen, das ist aber nicht zwingend. Bei Verschmelzungen von Präposition und Artikel ist der Apostroph unüblich (3.), genau wie in der 1. Person Singular Präsens Indikativ (4.).
1.) So ’ne Frechheit. 2.) Mir geht’s gut 3.) Aufs Haus oder ins Herz, das ist mir gleich. 4.) Ich ruf ihn mal.
Im Wortinneren kann der Apostroph bei Ableitungen von Eigennamen stehen, oder er markiert die Auslassung größerer Buchstabengruppen in Wörtern.
Der freudsche/Freud’sche Komplex. Der Ku’Damm befindet sich im Westen der Stadt.
Enden Namen auf s, ss, ß, tz, z, ce und stehen ohne Artikel, kennzeichnet der Apostroph den Genitiv. Ein Apostroph vor dem Genitiv-s von Namen wird normalerweise nicht gesetzt, er kann gelegentlich aber zur Betonung der Grundform verwendet werden. Hans’ Wellensittich ist in Form. Gauß’ Ideen sind spannend. Daniela’s Hundesalon ist sehr zu empfehlen.


Aufs Tapet gebracht: Wie funktioniert die Verschmelzung von Präposition und Artikel?

Ob man im Haus oder in dem Haus sagt, hängt stark von der Bedeutung im Satz ab. Die Verwendung kann sich nach Kriterien wie Ort, Zeit, Mündlichkeit etc. richten. In diesem Text beleuchte ich das Thema näher, eine Übersicht gibt es in der Karacho-Box.

„Ich steig dir gleich aufs Dach.“ Ein solcher Satz stammt entweder von einem Dachdecker oder von einer auf uns wütenden Person. Doch ganz gleich, von wem die Worte kommen – weder Handwerker noch Wutbürger würden wohl „Ich steige Dir gleich auf das Dach“ sagen.

Der Beispielsatz führt uns vor Augen, was gemeint ist mit „Verschmelzung von Artikel und Präposition“ (Präpositionen sind Verhältniswörter, die Ausdrücke aneinander anschließen). Solche Verhältniswörter wie auf, in, unter, vor können mit Artikeln verschmelzen: ans, aufs, ins, im, unterm, vors. Die Verschmelzung entstammt, auch das zeigt das erste Beispiel, vor allem der Mündlichkeit. Sie tritt bei schwachen Artikeln auf und gilt in manchen Fällen als standardsprachlich.

Welche Verschmelzungen sind regelkonform?

Folgende Verschmelzungen sind unter anderem ungeeignet für den Schriftgebrauch: an’n, auf’m, in’n, nach’m. Dies liegt daran, dass Konsonantenverbindungen im Deutschen unüblich sind. Außerdem wird der Präposition eine zusätzliche Silbe angefügt.

Den Mittelweg bilden Verschmelzungen, die aus der gesprochenen Sprache kommen und teilweise als standardsprachlich angesehen werden (oder als feste Verbindungen bestehen): außerm, hintern, hinters, unterm, vorm, vors.

Als standardsprachlich und häufig nicht ersetzbar gelten folgende Verschmelzungen: ans, auf, durchs, fürs, ins, ums, am, beim, im, vom, zur.

Verschmelzung oder selbstständiger Artikel?

Trotzdem kann es auch bei standardsprachlichen Verschmelzungen hin und wieder vorkommen, dass sich der Artikel von der Präposition trennt. Dies passiert dann, wenn etwas über einen ganz bestimmten Fall ausgesagt wird, eine Art spezifischer Information erfolgt. In meiner Jugend habe ich in dem Haus hier gelebt (übrigens: indem = damit, dass; in dem = in welchem). Komm rein, das haben wir im Haus. Auch bei Raumangaben finden sich oft Verschmelzungen: Im Dorf war kein Laut zu hören. Er krachte aufs Deck. (Aber: In dem Dorf ist mein Vater geboren.)

Verschmelzungen treten bei eher allgemeinen Aussagen auf: Wir gehen aufs Gymnasium. Aber: Ich gehe auf das Albert-Schweitzer-Gymnasium. Ähnlich verhält es sich bei Zeitangaben: Im Mai / am Sonntag bin nicht zu Hause. Aber: An dem Sonntag (an dem etwas Bestimmtes passiert) bin nicht zu Hause.

Im übertragenen Sinne, bei Redewendungen und festen Verbindungen sind Verschmelzungen gang und gäbe: Hand aufs Herz, das geht aufs Haus, ins Gras beißen.

Die Kleinteiligkeit des Textes und die Häufigkeit verschiedener Regeln zeigen schon: Es gibt für präpositionale Verschmelzungen keine einheitlichen Empfehlungen. Häufig entscheiden subjektives Rhythmus- und Sprachgefühl. Oft sind auch beide Varianten denkbar. Für spezielle Fälle muss sich der Schreibende auf sein Sprachgefühl verlassen oder einen Ratgeber konsultieren.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-MontagDonnerstag

Verschmelzungen von Präposition und Artikel entstammen der Umgangssprache, sind aber teilweise standardsprachlich geworden. Insbesondere bei Angaben von Zeit und Ort, aber auch in festen Verbindungen, übertragenem Sinn und Redewendungen tauchen Verschmelzungen auf.
Um 12 Uhr. Am 1. Juli. Die Kinder stehen am Stall. Ins Hintertreffen geraten. Zur Unzeit. Zum Wohl!
Selbstständige Artikel kommen dort ins Spiel, wo etwas Spezifisches ausgesagt oder der Bezug zu einer weiteren Information hergestellt wird.
An dem Stall dort muss etwas gemacht werden. In dem Rathaus hat man uns damals getraut.
Es gibt keine generellen, übergreifenden Regeln zu Verschmelzungen, was sicher ihrem Ursprung geschuldet ist.