Bindestrich, Gedankenstrich? So verwendet man den sogenannten Halbgeviertstrich

Punkt, Punkt, Komma, Strich … und fertig? Ja – wenn es so einfach wäre. Mit dem unscheinbaren Wörtchen Strich fangen die Kalamitäten an. Denn es gibt Bindestriche, Streckenstriche, Gedankenstriche. Teilweise unterschiedlich lang, jeweils unterschiedlich eingesetzt. Was, wo und wie erkläre ich in der heutigen Ausgabe des Karacho-Montags. Für alle, denen das ewige Geschreibe gegen den Strich geht, gibt es hier die schnelle Zusammenfassung.

Worauf man beim Nachdenken über Striche kommt: der Gedankenstrich als Rettung des Galgenmännchens

Bei meinen Vorbereitungen zu diesem Blogbeitrag musste ich daran denken, dass man beim Wörterraten in der Schule ja regelmäßig kleine Männchen am Balken baumeln ließ. Ohne die Wortknobelei auf höchstem Niveau zu beherrschen, könnte man den kleinen Kerl vielleicht so retten: ein Galgen aus Bindestrichen, der Strick ein Gedankenstrich …

Gut, ehe es zu abseitig wird, erkläre ich hier den Grund meiner Gedankenspielerei: Bindestriche entsprechen in der Regel einem Viertelgeviert, man kennt sie als „Minus“ auf der Tastatur. Und es gibt Gedankenstriche, die einem Halbgeviert entsprechen, also der doppelten Länge. Microsoft Word verwandelt einen Strich, der mit je einem Leerschritt zwischen zwei Wörtern steht, übrigens automatisch in einen längeren Gedankenstrich. Auch wenn man zwei Striche hintereinander einfügt und dann auf „Enter“ drückt, wird ein Gedankenstrich daraus.

Ein kurzer Galgen aus Bindestrichen, aber ein langer Strich als Seil … müsste doch klappen, oder?

Der Bindestrich – auch Viertelgeviertstrich genannt

Der Bindestrich, auch bekannt als Divis, verbindet zusammengehörende Wörter und ist damit der natürliche Feind falscher Leerzeichen. Zunächst: Beinahe alle Wörter können im Deutschen ganz einfach zusammengeschrieben werden. Der Bindestrich kann eingesetzt werden, um mehr Übersichtlichkeit zu schaffen (Fußballkommentator/Fußball-Kommentator) oder auch zur Hervorhebung einer Zusammensetzung (Karacho-Montag).

Außerdem verbindet der Bindestrich Wörter mit Abkürzungen (EU-Norm) bzw. Konstruktionen aus fremdsprachigen (i. d. R. noch nicht „eingedeutschten“) und deutschen Wörtern; für das Wort Businessclass schlägt der Duden zum Beispiel momentan noch die alternative Schreibung Business-Class vor. Weiterführend habe ich mich mit diesem Thema in einem weiteren Blogartikel zu Bindestrichen im Wortinneren beschäftigt. Schließlich kommt der Bindestrich auch als Ergänzungsstrich (Apfel- oder Rhabarberkompott) und als Strich der Silbentrennung vor. Was allen Anwendungsarten gemein ist: Es gibt keinen Abstand zwischen Wort und Bindestrich.

Der Gedankenstrich – auch Halbgeviertstrich genannt

Die Abstandsregel sieht beim Gedankenstrich ganz anders aus: jeweils ein Leerzeichen trennt ihn vom umgebenden Text. Er wird vor allem als Pausen- bzw. Ankündigungszeichen eingesetzt. Es gab einen Schlag – dann folgte Stille. Ich trat erwartungsvoll in die Küche – Mutter machte wirklich Buchteln! Auch für Einschübe (Teilsatz, Satz, Zusatz) wird der Gedankenstrich, analog zum Komma, verwendet: Diese Buchteln – sie strahlten und dampften in der Schüssel wie pures Gold – waren sein ganzes Glück.

Zu beachten ist dabei, dass die generelle Zeichensetzung unangetastet bleibt: Dass diese Buchteln sein ganzes Glück waren – sie strahlten und dampften in der Schüssel wie pures Gold –, konnte man ohne jeden Zweifel sagen. Mehr dazu finden Sie in meinem Blogbeitrag zur Verwendung der paarigen Gedankenstriche.

Wird der Gedankenstrich hingegen als Streckenstrich verwendet, entfällt der Abstand. Dies – und die Verwendung des kurzen Bindestrichs als Streckenstrich – sind im Lektorat häufig anzutreffende Fehler. Der Streckenstrich steht zum Beispiel bei Öffnungszeiten (9–15 Uhr), Entfernungsangaben (Berlin–Helsinki: ca. 1248 km) oder auch Seitenzahlen (S. 12–14).

Der Gedankenstrich wird zudem als Minuszeichen und zur Kennzeichnung von zeilenweise gegliederten Aufzählungen als Spiegelstrich verwendet. Hier steht er frei vor der Zeile:
Städte, die ich noch besuchen will:

– Helsinki
Berlin
Budweis
Pilsen
– Ostrava
– Florenz

Wer sich für alle typografischen Feinheiten rund um Gedanken- und Bindestriche interessiert, dem sei der entsprechende Artikel auf Typefacts von Christoph Koeberlin ans Herz gelegt.

… fertig ist das Mondgesicht

Im Großen und Ganzen ist das einfache Wörtchen „Strich“ also tatsächlich kein überkomplexes Thema. Bei den meisten Korrekturen spielen nur Verwechslungen von Binde- und Gedankenstrichen sowie das (Nicht-)Einhalten von Abständen eine Rolle. Für den zweiten Gedankenstrich einen kürzeren Bindestrich zu verwenden ist übrigens auch ein beliebter Fehler. Neben den erwähnten Strichen gibt es auch noch den Geviertstrich, der aber sehr selten vorkommt. Er wird im Englischen als Gedankenstrich ohne Abstände eingesetzt.

Lektorat und Text Berlin: Texter und Lektor Christian Wöllecke, Strich, Bindestrich, Gedankenstrich, Streckenstrich und die häufig falsche Anwendung
Bei diesem Beispiel ist mir nicht klar, welcher Regel der Ersteller in puncto Streckenstrichen folgt.

Die verschiedenen Striche sollten beim Schreiben nicht als Marginalien betrachtet werden. Die durchgehend korrekte Verwendung kann nämlich häufig schon als Indikator für die Versiertheit und Sorgfalt im Umgang mit der Sprache angesehen werden. Es gilt also auch hier: kleine Sache, große Wirkung.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

Der Bindestrich
entspricht einem Viertelgeviert. Er wird immer ohne Abstände eingesetzt und verbindet Wörter mit anderen (fremdsprachigen) Wörtern oder Abkürzungen (Karacho-Montag, Business-Class, EU-Norm). Er ist Ergänzungs- und Silbentrennungsstrich. Er liebt Vanille- und Schokobuchteln.

Der Gedankenstrich
ist doppelt so lang wie der Bindestrich (Halbgeviert). Er wird fast immer mit Abständen eingesetzt und gilt als Pausen- und Ankündigungszeichen: Achtung – hier komme ich. Außerdem wird er für Einschübe verwendet. Das ist – und das sehe ich wirklich so – eine schöne Sache. Eine Ausnahme stellt seine Verwendung als Streckenstrich dar (bis-Strich, 9–15 Uhr): Hier entfallen die Abstände.

 

Dieser Artikel erschien am 21. März 2016 in der Reihe „Karacho-Montag“; ich habe ihn am 31. Juli 2019 überarbeitet und angepasst.

Großschreibung nach Doppelpunkt? In diesen Fällen geht es großgeschrieben weiter

Der Doppelpunkt als Zeichen der Ankündigung bringt eine häufige Frage mit sich, das merke ich in der Korrektur. Wie weiter, wenn er gesetzt wurde? Großschreibung nach dem Doppelpunkt, Kleinschreibung? In diesem Beitrag will ich die Antwort und eine Erklärung liefern. Karacho-Kenner wissen es bereits: Eine Zusammenfassung des Beitrags für alle Eiligen gibt es am Ende des Artikels.

Im Alphabet steht er zwischen Doppelprogramm und Doppelqualifikation. Der Duden kennt ihn als „Satzzeichen in Form zweier übereinanderstehender Punkte“. Selbst wer ihn nicht aktiv setzt, verwendet ihn ziemlich sicher; der Doppelpunkt ist ein Grundbaustein von Smileys. Als Satzzeichen wird er zur Trennung von Worten oder Einheiten schon lange verwendet. Man findet ihn zum Beispiel auf dem Nestorbecher von Ischia aus dem 8. Jahrhundert v. Chr., dort setzt er Versteile voneinander ab.
Während Smileys ganz einfach zusammengesetzt werden, ist die Schreibung nach dem Doppelpunkt bestimmten Regeln unterworfen, die ich an dieser Stelle erläutern möchte.

Großschreibung nach Doppelpunkt: Substantive und Eigennamen bleiben, wie sie sind

Wer den Doppelpunkt als Satzzeichen verwendet, stellt sich fast immer die gleiche Frage: Wann geht es nach dem Doppelpunkt großgeschrieben weiter, wann klein?

Zuerst das Einfache: Substantive und Eigennamen werden nach Doppelpunkt wie üblich großgeschrieben. Es gab nur eine, die ich wollte: Tina. Auch wenn eine direkte Rede folgt, wird großgeschrieben. Sie fragte: „Wen willst du?“

Sätze nach Doppelpunkt: Groß weiter, wenn sie als selbstständig gelten, sonst folgt Kleinschreibung

Darüber hinaus folgt die Großschreibung, wenn nach dem Doppelpunkt ein selbstständiger Satz folgt.

  • Eines war mir schon immer klar: Ich wollte Tina.
  • Paul, Georg, Ole: Das sind alles tolle Männer.

Wenn man einen eigenständigen Satz nach dem Doppelpunkt als Zusammenfassung des vorher Gesagten auffasst, kann ein solcher Satz auch kleingeschrieben weitergehen. Im Prinzip könnte in diesem Fall auch ein Gedankenstrich statt des Doppelpunktes stehen. Also: Paul, Georg, Ole – das sind alles tolle Männer. Genauso geht: Paul, Georg, Ole: das sind alles tolle Männer.
Andersherum können auch Sätze, die nicht selbstständig sind, als in sich geschlossene Sinneinheit angesehen werden. Wenn man den Doppelpunkt auch durch einen Punkt ersetzen könnte, folgt Großschreibung.
Paul, Georg und Ole helfen wo sie können: Alles tolle Männer.

Grundsätzlich gilt aber, dass unselbstständige Einzelwörter oder eine Wortgruppe nach dem Doppelpunkt kleingeschrieben werden.

  • Heute in der Kantine: drei Grützwürste mit Kartoffelbrei.
  • Ich wusste nur eines: dass ich Tina wollte.

In Überschriften bleiben die beschriebenen Regeln gleich

All diese Regeln gelten übrigens 1:1 für Überschriften. Wenn sich eine Erläuterung durch nämlich, das heißt, das ist, zum Beispiel und dergleichen anschließt, steht immer ein Komma statt des Doppelpunktes.

Doppelpunkte überall

Was Texter wissen: Doppelpunkte können glücklich machen, indem sie strukturieren, den Leser auf das Kommende aufmerksam machen, eine Begründung, Erläuterung und Fortführung ankündigen. Und sie scheinen eine schier unerschöpfliche Quelle für Benennungen zu sein. So gibt es eine Agentur mit dem Namen Doppelpunkt, aber auch ein evangelisches Wochenmagazin oder eine Publikation der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Und auch das dgs-doppelpunkt Fortbildungsinstitut für Sprachheilpädagogik macht seinem Namen alle Ehre. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, Sprachdoppelpunkte allerorten in der Google-Ergebnisliste.

Wie bei jedem anderen Satzzeichen auch sollte sich allerdings keine Flut an Doppelpunkten über den Text ergießen. In einigen Projekten habe ich schon Vorgaben gefunden, dass man zum Beispiel Doppelpunkte oder Gedankenstriche nur einmal pro Absatz verwendet. Gerade beim Lesen am Bildschirm wirkt der Text sonst schnell überladen.

Diesen Beitrag habe ich zuerst am 7. März 2016 veröffentlicht und am 16. Januar 2019 grundlegend überarbeitet und erweitert.

Titelbild: Mel Poole on Unsplash

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

Großschreibung folgt nach dem Doppelpunkt bei selbstständigen Sätzen, direkter Rede, Substantiven, in sich abgeschlossenen Sinneinheiten und Eigennamen.

Nach dem Doppelpunkt geht es klein weiter, wenn Einzelwörter oder Wortgruppen folgen oder wenn ein selbstständiger Satz als Zusammenfassung des Gesagten verstanden wird.

Semikolon: weder Komma noch Punkt. Wann sollte man es setzen?

Das Semikolon – auch Strichpunkt genannt – macht sich in vielen deutschen Texten rar. Und das nicht nur, weil es für Augenrollen bei allen Freunden fester Regeln sorgt. Darum will ich heute darüber schreiben, wann man ein Semikolon setzen kann. Am schnellsten informiert wie immer die Zusammenfassung am Karacho-Montag. Allen anderen sei der gesamte Text empfohlen.

Eins vorweg: Wer darauf hofft, dass man etwas völlig Verbindliches über das Semikolon sagen kann, wird enttäuscht. Das Semikolon ist ein Zwitter aus Komma und Punkt. Es schiebt sich ein wenig aus dem Regelkanon der deutschen Sprache. Das Semikolon kann freier als andere Satzzeichen verwendet werden, es trennt stärker als ein Komma, aber schwächer als ein Punkt. Dagegen ersetzt es nicht die Gedankenstrich. Bevor ich trotzdem ein paar Empfehlungen gebe, wie man das Semikolon benutzt, hier noch ein wenig Wissen für den nächsten Party-Small-Talk. „Wusstest du übrigens, dass ein Semikolon wie das Komma zwei Pluralformen hat? Ja … tatsächlich, Semikolons oder Semikola.“

Wann sollte man ein Semikolon setzen – Einsatzgebiet eins: Aufzählungen

Völliges Chaos herrscht beim Thema Semikolon aber trotzdem nicht. Es ist sehr gut dazu geeignet, in längeren Aufzählungen einzelne Sinneinheiten abzutrennen: In unserem Geschäft verkaufen wir Hamster, Meerschweine, Hasen; Sittiche, Papageien, Zebrafinken; Schnappschildkröten, Landschildkröten und Sumpfschildkröten. Besonders umfangreiche Aufzählungen werden in solchen Portionen leichter lesbar. Noch deutlicher wird dies, wenn Verben fehlen:
Teilnehmer von links nach rechts: Herr Meyer, Herr Müller, X AG; Frau Nadel, XY GmbH; Frau Müller, Herr Schnabel, XYZ AG

Wann man ein Semikolon noch verwenden kann – Einsatzgebiet zwei: gleichrangige Teilsätze

Gleichrangige Teilsätze, also zum Beispiel Hauptsätze, lassen sich mit dem Semikolon voneinander abgrenzen, wenn die Trennung mit einem Punkt zu deutlich wäre. Dabei bezieht man sich vor allem auf die inhaltliche Zusammengehörigkeit von Hauptsätzen. Da das Semikolon einen nebenordnenden Zweck erfüllt, also gleichwertige Satzteile verbindet, trennt es nie Haupt- und Nebensätze.

Ich fuhr nach Berlin; meine Tante aber fuhr nach Prag.

Ich kaufte eine Schnappschildkröte; später kaufte ich mir eine Sumpfschildkröte hinzu, die allerdings bald davonschwamm.

Zudem wird das Semikolon bei Anschluss mit Konjunktionen oder Adverbien wie deswegen, deshalb, daher, denn, doch, darum verwendet.

Ich kaufte eine Schnappschildkröte; deshalb hatte ich bald rote Fingerspitzen. Im Büro haben wir quergelüftet; deswegen habe ich mich erkältet.

Scheinbar überflüssig, selten gebraucht: Wer trotzdem für das Semikolon einsteht

Wie die Beispiele zeigen, ist das Semikolon eine ziemlich optionale Angelegenheit; was darin mündet, dass man es im Lektorat nur sehr selten zu Gesicht bekommt. Man kann also durchaus die Frage stellen, warum man ein Semikolon setzen sollte bzw. warum es überhaupt benutzt wird. Die strukturierende Funktion ist vielleicht noch am stärksten in der Trennung bestimmter Elemente einer Aufzählung zu erkennen. Gerade bei Aufzählungen in Bildunterschriften oder Datenblättern kann ein Semikolon das Lesen erleichtern. Für das Semikolon als Zeichen intellektueller Wahlfreiheit im Schreibprozess tritt ein kurzer Artikel von Johannes Waechter in der „Süddeutschen Zeitung“ ein. Eine weitere Hommage auf das Semikolon mit historischer Erläuterung stammt von Kathrin Klette und ist in der „NZZ“ erschienen.

Diesen Artikel habe ich am 4. April 2016 veröffentlicht und am 28. November 2018 überarbeitet und erweitert.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

Das Semikolon trennt stärker als ein Komma und schwächer als ein Punkt. Man sollte es in folgenden Fällen setzen:

  • Sinneinheiten in Aufzählungen: Wir lieben Brezeln, Sauerkraut, Kartoffeln; Pasta, Pizza, Lasagne; Baguettes, Croissants und Coq au vin.
  • Trennung von gleichrangigen Sätzen: Ich glaube, ich sehe den Zug jetzt kommen; heute ist er spät dran.
  • Satzanschluss über Konjunktionen wie deshalb, deswegen, daher, dennoch, doch: Der Zug war unpünktlich; deswegen kommen wir zu spät.

 

Fantasie oder Phantasie, Delphin oder Delfin? Kann-Schreibungen im Deutschen

„Mit ’ner Menge Fantasie … kann ich alles sein, was ich will.“ So lautet ein Satz, den ich vor gut 10 Jahren in einer SpongeBob-Schwammkopf-Folge gehört habe. Damals lief nicht mehr viel Musik auf den Musiksendern, aber ein heute noch immer aktuelles Thema war schon damals präsent. Gebrauchen wir unsere Fantasie oder unsere Phantasie? Warum führen viele falsche Entscheidungen manchmal zu Katastrophen, nie aber zu Katastrofen?

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Dass von vielen Wörtern zwei Schreibweisen existieren, hat etwas mit der Rechtschreibreform aus dem Jahre 1996 zu tun. Vor 22 Jahren wurde eine Entscheidung getroffen: Fremdwörter, die mehr und mehr diesen fremden Status verlieren, sollten auch in einer ans Deutsche angepassten Schreibweise erscheinen. Beim Telefon oder der Kulisse ist das schon passiert. Es wird nur noch selten Telephon oder Coulisse geschrieben, solche Schreibweisen gelten inzwischen als exzentrisch.

Fremdwörter werden nach und nach heimisch – das soll sich auch in ihrer Schreibung niederschlagen

Für eine gewisse Gruppe von Fremdwörtern sollte dieser Prozess forciert werden, man legte also fest, dass diese in einer einfacheren, „deutscheren“ Form geschrieben werden könnten. Dies gilt für phon-, phot- und graph-Fremdwörter – Geografie, Fotovoltaik, Grafiker – aber auch für einzelne andere Fremdwörter wie eben Fantasie. Genauso ergeben sich Kann-Schreibungen bei Tunfisch/Thunfisch oder Spagetti/Spaghetti.
Viele Fremdwörter durften so bleiben, wie sie sind. Katastrophe oder Philosophie oder Strophe wurden nicht angepasst.
Bei anderen Fremdwörtern war die eingedeutschte Form so ungebräuchlich, dass sie inzwischen wieder zurückgenommen wurde. Beispiele sind Ketschup, Majonäse oder Grislibär. Diese Schreibweisen sind seit 2017 nicht mehr zulässig.
Ein ähnlich gelagertes Feld ist übrigens die Zusammen- oder Getrenntschreibung von Fremdwörtern und einheimischen Wörtern, z. B. Charityveranstaltung oder Corporate Identity.

Lektorat Text Berlin Website Christian Wöllecke Werbelektorat Beschriftung einer Ketchupflasche: Nur die Schreibung Ketchup ist korrekt.
Was draufsteht, ist auch drin: Ketchup. Andere Schreibweisen sind nicht mehr zulässig. Foto: Charisse Kenion on Unsplash

Auch nach vielen Jahren schwankt der Gebrauch der einzelnen Schreibweisen

Aber nicht nur ein Wort wie Roulett hat ausgedient und ist abgeschafft. Auch in anderen Fällen kan man nicht von einem Erfolg auf breiter Flur sprechen. Mich selber schaudert es immer, wenn ich eine Korrektur wie Fotovoltaikanlage empfehle. Warum? Ich weiß es nicht. Aber es geht vielen Schreibern und Schreiberinnen genauso. Womit wir beim Problem wären, dass sich auch 22 Jahre nach der Reform die Schreibgewohnheiten massiv verändern, sich aber gerade bei Wörtern wie Fantasie/Phantasie nur allmählich Tendenzen abzeichnen. Schließlich hat der Gebrauch der ph-Form immer ein bisschen den Dünkel der sprachlichen Meisterschaft; man besinnt sich vermeintlich auf die sprachliche Vergangenheit und die Herkunft des Wortes. Bei der Photovoltaikanlage verstärkt sich meinem Eindruck nach eher der technisch-sachliche Bezug des Herstellers, der so seine Expertise präsentiert. „So schreibt der Fachmann!“ Andererseits sieht man die Formen Graphik bzw. Graphiker eher noch im Atelierkontext, aber weniger als Berufs- oder Leistungsbezeichnung.

Am wichtigsten: Einheitlichkeit, egal welche Schreibweise man wählt

Wichtig ist meiner Meinung nach, dass man sich für eine Form entscheidet, am besten projektübergreifend. Damit wird es leichter, die Schreibungen einheitlich zu halten. In Einzelfällen und auch bei Einzelwörtern kann man dann auch abweichen, wenn es sein muss. So lange man sich für eine Schreibweise entscheidet, ist das fantastisch … oder natürlich phantastisch. Das gilt auch in anderen Fällen, zum Beispiel bei der Frage, ob man sodass oder so dass schreibt. Beides ist möglich, man muss sich aber auf eine Variante festlegen.
Die konkrete Einzelfallentscheidung kann trotzdem nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Varianten von einer gewissen Willkür geprägt sind und nicht konsequent umgesetzt werden. Man sollte die Entwicklung der Schreibweisen also im Auge behalten.

Sollte in keinem Schrank fehlen: ein Delfin- oder eben auch Delphinkostüm. Via GIPHY

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

Man kann Fantasie oder Phantasie schreiben. Die von Duden empfohlene Schreibung Fantasie ist Folge der Rechtschreibreform. Fremdwörter, die schon lange in unserer Sprache existieren, werden zu heimischen Wörtern, dies soll sich auch in der Schreibweise ausdrücken. Dies gilt für phon-, phot- und graph-Fremdwörter – Geografie, Fotovoltaik, Grafiker etc.Ähnlich ist es bei Fremdwörtern wie Thunfisch/Tunfisch, Spaghetti/Spagetti, Delfin/Delphin, Joghurt/Jogurt. Die empfohlenen Schreibungen Thunfisch, Spaghetti, Delfin, Joghurt folgen dabei keiner einheitlichen Regel, sondern der Häufigkeit ihrer Verwendung durch die Schreibenden.

Komma vor als: Wann Sie es setzen müssen und wann nicht

Ein Satzklassiker, den fast jeder schon einmal gehört haben dürfte, ist dieser hier: „Als ich in deinem Alter war …“ Was auch immer Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel und sonstige Besserwisser damit sagen wollen, es wird sich mit einem Komma anschließen. Aber nicht in jedem Fall steht vor als ein Komma.

Ein Komma wird gesetzt, wenn ein untergeordneter Satz folgt

Geht es um die Frage, wann nach als ein Komma, manchmal auch Beistrich genannt, folgt, muss man wissen, was sich anschließt. Es heißt also, möglichst einfach und schnell herauszufinden, über welche Satzkonstruktion man spricht. Wird ein untergeordneter Satz angeschlossen, wird das Komma gesetzt. Schließt sich nur ein einfacher Vergleich an, steht kein Komma. Wie aber unterscheidet man hier?

Im Allgemeinen lohnt es sich, am Ende des Satzes nach einem Verb zu suchen – es steht dort in seiner finiten Form. Eine solche finite Verbform (also das Tätigkeitswort, zum Beispiel schwimmen, fahren, laufen) ist in Person und Zahl bestimmt: Es war Torsten, der dort schwamm (und nicht seine Freunde, die schwammen). Ich war mir nicht sicher, ob es lief. (Ich war mir aber sicher, dass nicht meine Freunde dort liefen).

Bei einem möglichen Komma nach als verhält es sich genauso: Er war viel größer, als ich es in Erinnerung hatte. Sie kam später, als uns lieb war. Gleich der erste Satz aus meiner Einleitung fügt sich allerdings scheinbar nicht in das Schema: Als steht am Anfang. Trotzdem setzt man auch hier ein Komma: Als ich in deinem Alter war, bin ich gern schwimmen gegangen. Man kann die Satzteile nämlich auch einfach tauschen und es passt wieder zur Regel: Ich bin gern schwimmen gegangen, als ich in deinem Alter war. Über das Komma nach Satzanfängen habe ich bereits einen eigenen Artikel geschrieben. Generell ist es wichtig, sich nicht an starren Schemas festzuhalten. Nur wenn man den Aufbau eines Satzes versteht, bereitet die Kommasetzung keine Probleme.

Kein Komma bei Vergleichen, die nicht als untergeordneter Satz gelten

Findet man kein finites oder sonst irgendein Verb in dem Satzteil, der mit als angeschlossen wird, braucht es in der Regel auch kein Komma. Zum Beispiel steht ohne Komma: Er war viel größer als in meiner Erinnerung. Dagegen noch einmal der Kommasatz aus dem vorherigen Abschnitt: Er war viel größer, als ich es in Erinnerung hatte. Immer wenn als einen Vergleich ohne Verb anschließt, setzt man kein Komma. Sie kam später als wir. Das bleibt auch so, wenn der Vergleich sehr umfangreich ausfällt: Sie war klüger als die meisten schlauen und durchaus gebildeten Menschen in dieser Runde. Diese Regel lässt sich übrigens eins zu eins auf Sätze mit wie übertragen. Er war so stark wie wild und unabhängig. Er hatte nur die besten Absichten, wie er mir versicherte. Wieder findet sich im ersten Beispiel kein finites Verb, im zweiten Beispiel leitet wie einen untergeordneten Satz ein. Anders als bei einer einer entgegengesetzten Konjunktion wie sondern, bei der das Komma immer steht, kommt es hier also auf den Einzelfall an.

Noch ein letzter Hinweis: Man verwendet als, wenn man Unterschiede betonen möchte. Wie drückt dagegen eine Gleichheit aus. Er war größer als ich. Er war so groß wie ich. Hier kommt es gerade in der täglichen Umgangssprache recht schnell zu Verwechselungen, die man mit dieser einfachen Regel leicht vermeiden kann.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

Ein Komma vor als steht, wenn sich ein Nebensatz mit Verb anschließt (genauer ein untergeordneter Temporalsatz: Wir waren noch weit von unserem Ziel entfernt, als es Abend wurde) bzw. ein untergeordneter Vergleichssatz bzw. eine entsprechende Infinitivgruppe: Er war größer, als es mir im ersten Moment erschienen war. Er konnte sich etwas Besseres vorstellen, als das hier zu lesen.

Kein Komma steht vor einem Vergleich ohne Verb: Sie war größer als ich. Ich bin älter als viele in der Gruppe. Er kam später als erwartet.

 
Titelbild: unsplash-logorawpixel

Mal eben kurz ums Haus

Werbeaufdrucke dürfen nicht zu lang sein, der Kunde soll auf einen Blick erkennen, was ihm geboten wird. Nicht immer gelingen solche Verkürzungen allerdings, und manchmal wird es sogar richtig kniffelig.

Rasen mähen, Treppen putzen, Hecken stutzen: Gerade in Mehrfamilienhäusern sind alle Dienstleistungen rund ums Haus meist an entsprechende Firmen ausgelagert. Damit sich am Ende niemand beklagt, dass Mieter X wieder nicht gefegt hat, und damit man sich im Zweifel auch qualifiziert beschweren kann: „Geld gegen Leistung, okay?“

Auto mit Beschriftung "Rund ums Haus" Lektorat Berlin

Einen Apostroph braucht es bei Verschmelzungen wie „ums, ins, aufs“ nicht

Einen Apostroph braucht es dabei nicht, denn in diesem Fall wird eine Präposition mit einem Verhältniswort verschmolzen: Alles rund um das Haus. In einigen Fällen ist eine solche Verschmelzung übrigens verpflichtend. Man sagt nicht: „Mir wird warm um das Herz. Um das Verrecken nicht“, sondern benutzt die verschmolzene Form. Weitere Verschmelzungen sind zum Beispiel: ins, aufs, durchs, hinters, unters.

So weit, so einfach. Aber jetzt.

Auto mit falscher Beschriftung "Rund ums Haus & Garten" Lektorat Berlin

Was fängt man an mit einem Satz wie: „Service rund um’s Haus & Garten“? Der Apostroph ist falsch, das haben wir ja eben schon gesehen. Auch das Et-Zeichen gehört nicht in das Motto. Und ums Garten? Nein. Man könnte schreiben: Alles rund um das Haus und den Garten. Aber dann wäre es mit der Kürze vorbei. Minimal kürzer, rechtschreibregelkonform, aber sprachlich äußerst unelegant: Alles rund ums Haus und um’n Garten. Und wenn man die Verschmelzung einfach wegließe? Die Verkürzung auf um klappt nur, wenn man sie wirklich räumlich meint: „Wir spazierten an diesem Nachmittag rund um Haus und Garten.“ Wenn man aber das Thema meint, dann muss man es auch erwähnen. Alles rund ums Thema Haus und Garten. (Was aber kaum die Aussage der Werbung sein dürfte.)

Kürze heißt eben auch, Ungeschriebenes mitzudenken

Wobei man – und das ist ja so ein bisschen das Wesen der Kürze – auch einfach beim Haus bleiben könnte. Wenn man über ein Aquarium voller Fische spricht, muss man das Wasser nicht extra erwähnen, die Fische können nicht in der Luft schwimmen. Zu jedem Haus gehört mindestens ein Grünstreifen, in der Regel ist aber auch ein größeres Stück Wiese vorhanden oder es gibt eine kleine Parkfläche. Von daher bleibt es am besten bei der kurzen Form: Alles rund ums Haus. Und den Garten denkt man sich einfach mit.

Beitragsbild: unsplash-logoLucas Gruwez
Fotos im Text: Christian Wöllecke