Komma vor „sowohl – als auch“?

Ob ein Komma bei sowohl – als auch gesetzt wird, ist das Thema meines heutigen Beitrags. Nebenbei schaue ich auch noch auf die Frage, wann sowohl ein wie auch folgt und wie es sich mit dem Sowohl-als-auch verhält.

Bei sowohl – als auch handelt es sich um eine mehrteilige Konjunktion, also um ein Bindewort, das zwischen Wörtern, Satzgruppen oder Sätzen steht. Typische Vertreter dieser Wortart sind zum Beispiel und, oder, aber auch sowie. Wie und ist sowohl – als auch eine kopulative, also verbindende Konjunktion. Das weist auch den Weg in Sachen Kommasetzung.

„Sowohl – als auch“: mit Komma nur in Ausnahmefällen

Sowohl – als auch wirkt, wie eben schon festgestellt, in Sätzen verbindend. Es wird daher in der Regel kein Komma vor als gesetzt. Ich finde sowohl rot als auch blau toll. Er war sowohl begeistert als auch ziemlich aufgeregt. Und dies bleibt sogar so, wenn man besonders begeistert vom Wörtchen als in dieser Konstruktion ist. Er wandte sich sowohl an seine Anhänger als auch an die Demonstranten als auch an die Weltöffentlichkeit. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde sowohl – als auch übrigens auch teilweise noch negativ mit nicht gebraucht, wie man in einem interessanten Artikel der Gesellschaft für deutsche Sprache nachlesen kann.

Manchmal steht trotzdem ein Komma bei „sowohl – als auch“

Insbesondere bei Infinitivgruppen steht verpflichtend oder fakultativ ein Komma. Er behauptete[,] sowohl süßes als auch salziges Popcorn zu lieben. Oder verpflichtend: Ihn überkam der Drang, sein Gegenüber zur gleichen Zeit sowohl zu loben als auch zu beschimpfen.
Ebenfalls wird ein Komma gesetzt, wenn zwei vom Hauptsatz gleichwertig abhängige Nebensätze angebunden werden: Er rief mich an, sowohl, um mir zu gratulieren, als auch, um für den Abend abzusagen. Wie genau die Regel aussieht und was es bedeutet, dass Nebensätze gleichwertig vom Hauptsatz abhängen, habe ich im Artikel Komma vor und: Alles, was Sie dazu wissen müssen erklärt (im Absatz Kein Komma bei gleichrangigen Nebensätzen).

Sowohl – wie auch?

Wenn man statt eines als ein wie in der Fügung mit sowohl verwendet, ist dies korrekt. Es ist Ihnen also völlig freigestellt, welches der beiden Wörter Sie verwenden. Bei Vergleichen gibt es allerdings eine Unterscheidung. In solchen Fällen betont als eine Ungleichheit und wie die Gleichheit. Relevant ist die Unterscheidung vor allem dann, wenn es um die Frage nach der Kommasetzung bei als geht.

Komma vor sowohl – als auch?

In den meisten Fällen steht kein Komma. Gesetzt wird es dann, wenn man eine Infinitivgruppe mit sowohl – als auch abtrennt. Wenn man die Fügung substantiviert, schreibt man übrigens nur den ersten Buchstaben groß: Er dachte ausgiebig über das Sowohl-als-auch nach. Wobei die Schreibung von Wörtern mit Bindestrichen schon wieder ein ganz eigenes Thema ist …

Auf einen Blick

Im Normalfall steht kein Komma vor sowohl als auch. Ich finde sowohl Spam-Mails als auch Werbeanrufe ziemlich nervig.

Ein Komma wird bei Appositionen (1) und Infinitivgruppen (manchmal optional) (2) und bei Nebensatzkonstruktionen (3) gesetzt.
(1) Wir alle, sowohl meine Frau als auch die Kinder und ich, waren schockiert.
(2) Ich begann[,] sowohl zu winken als auch zu schreien.
(3) Ich versicherte, dass ich sowohl laut rufen könne, als auch, dass ich laut schreiend winken könne.

„Guten Morgen“ groß, „Bis morgen“ klein – das ist der Unterschied

Einmal wird Morgen großgeschrieben, ein anderes Mal schreibt man morgen klein. Aber wo genau liegt der Unterschied. Warum heißt es „Heute Morgen habe ich noch keinen Kaffee getrunken, aber morgen werde ich Kaffee trinken“? In diesem Blogbeitrag erläutere ich, wie die Rechtschreibung bei „morgen“ bzw. „Morgen“ aussieht.

Beide Schreibungen sind möglich, das sehen Sie in meinem Beispielsatz. Allerdings handelt es sich nicht um optionale Schreibweisen wie z. B. bei Fantasie/Phantasie. Man schreibt morgen klein oder Morgen groß, weil es sich bei den äußerlich identischen Formen um unterschiedliche Wortarten handelt. Das Substantiv der Morgen wird großgeschrieben. Bei der Kleinschreibung geht es um das Adverb morgen. Aber schauen wir uns beide Fälle genauer an.

Groß schreibt man das Substantiv „Morgen“

Mein Morgen war gut … Dieser Morgen hatte es in sich … Am Morgen komme ich nicht aus dem Bett – in all diesen Sätzen schreibt man Morgen groß, weil das Wort hier als Substantiv steht. Das erkennt man z. B. am Artikel – der Morgen. Aber auch an Präpositionen, also Wörtern, die vorangestellt sind und mit dem Artikel verschmelzen können: am (= an dem) Morgen . Darum schreibt man auch den Satz aus der Einleitung mit großem Morgen: Heute [also an diesem] Morgen, habe ich noch keinen Kaffee getrunken.
Dies gilt auch für Fügungen wie vom Morgen bis zum Abend oder eines Morgens.

Als Adverb schreibt sich „morgen“ klein

Anders verhält es sich, wenn man sagt: Ich komme morgens nicht aus dem Bett. Während es bei eines Morgens um eine bestimmte Zeiteingabe geht, bedeutet morgens hier, dass etwas regelmäßig der Fall ist.
Generell spielt der zeitliche Aspekt in der Unterscheidung eine Rolle. Man schreibt morgen klein, wenn man sich auf den nächsten Tag bezieht. Deshalb wird sie morgen anrufen. Es wird morgen früh wieder ein harter Morgen. Natürlich kann morgen aber auch für eine unbestimmte Zeit in der Zukunft stehen: Das ist die Technik von morgen!

Schreibt man „Morgen“ groß? Je nach Wortart!

Die Regeln und Fälle für ein klein- oder großgeschriebenes Morgen sind also sehr eindeutig. Wenn Sie sich unsicher sind, können Sie immer versuchen, ob das Wort mit einem Artikel im Satz funktioniert. Noch besser ist es natürlich, wenn Sie sich genau klar machen, was Sie aussagen wollen. Ich sage es dir morgen (irgendwann am nächsten Tag). Ich sage es dir gleich morgen früh (am nächsten Tag morgens). Aber: Ich sage es dir am Morgen (am nächsten Morgen).

Zusammenfassung

Man schreibt Morgen groß, wenn es sich um das Substantiv handelt, das mit Artikel oder Präposition steht: ein schöner Morgen; der Morgen kam langsam; es graute der Morgen; gleich am Morgen rufe ich an.

Man schreibt morgen klein, wenn es als (zeitliches) Adverb fungiert und z. B. eine Regelmäßigkeit ausdrückt: Morgen [Vormittag] rufe ich an; morgens rufe ich [regelmäßig] an; bis morgen.

Titelbild: David Brooke Martin on Unsplash

Komma vor oder: Wann steht ein Komma?


Wahrheit oder Pflicht, ja oder nein, das grüne oder das blaue Kleid – bei all diesen Fragen muss man sich für etwas entscheiden. Bloß eines steht fest: Nirgendwo steht vor „oder“ ein Komma.

Wann setzt man ein Komma vor oder und wann steht kein Komma vor oder?

Es gibt die eben beschriebenen einfachen Fälle – und es gibt viele Sätze, bei denen Zweifel aufkommen. Darum stelle ich hier die Regeln zur Kommasetzung im Zusammenhang mit oder vor und erkläre, wann bei Aufzählungen oder Fragen ein Komma vor oder gesetzt wird.

Wie immer beginne ich mit ein paar kurzen Sätzen zur Wortart. Oder ist eine Konjunktion, also ein Bindewort, das Sätze oder Teilsätze, aber auch Wörter verbinden kann. Entweder Sie rufen mich an, oder ich melde mich. Ich kaufe das blaue oder das rote Kleid. Hop oder top? Um noch etwas genauer zu werden: Oder ist eine nebenordnende Konjunktion wie auch und oder sowie. Im Gegensatz dazu gibt es auch unterordnende Konjunktionen wie wenn, um etc. Eine ausführliche Übersicht finden Sie zum Beispiel auf der Seite Wortwuchs.

Kehren wir aber zurück zur Ausgangsfrage dieses Textes.

Kein Komma vor oder steht …

… bei der Aufzählung gleichrangiger Wörter. Du darfst dir zwei Sachen aussuchen: ein Eis und einen Schokoriegel oder Gummitierchen und Zuckerwatte. Ein Goldfisch oder eine Katze oder ein Hund – welches Haustier soll es sein?

… bei nebengeordneten Wortgruppen (1) oder gleichrangigen Nebensätzen (2). (1) Ich rufe meinen Mann an oder meine Schwester. (2) Ich rufe an, wenn ich angekommen bin oder wenn ich Verspätung habe. Man merkt, dass Nebensätze gleichrangig sind, wenn sie sich in gleicher Weise auf den Hauptsatz beziehen. Im oberen Beispiel wird jeder der beiden Nebensätze durch ein wenn eingeleitet.

… bei gleichrangigen Infinitivgruppen. Er hat mir aufgetragen, mich um die Katze zu kümmern oder den Hund zu versorgen. Auch hier beziehen sich beide Infinitivgruppen in gleicher Weise auf den ersten Satzteil. Mehr zur Kommas und Infinitiven mit zu finden Sie in meinem Blogbeitrag Kommasetzung bei Infinitivgruppen.

Ein Komma vor oder steht …

… bei einer Apposition, also einer Beifügung. Mir helfen immer unser Nachbar, Herr Kolk, oder Frau Utzler aus dem Erdgeschoss. Die Beifügung Herr Kolk wird regulär in Kommas eingeschlossen, darum steht auch ein Komma vor oder.

… bei eingeschobenen Nebensätzen (1) und mit Kommas einzuklammernden Infinitivgruppen (2). (1) Ich soll ihn abholen, wenn er da ist, oder er nimmt den Bus. (2) Ich brauche deine Erlaubnis, um zu fahren, oder ich muss hierbleiben.

… optional bei verbundenen Hauptsätzen. Ich rufe an[,] oder ich fahre direkt. Das Komma muss aber wie beim Komma vor und zwischen Hauptsätzen nicht gesetzt werden.

… optional, (jetzt wird es komplizierter) wenn sich ein Satzgefüge anschließt, das mit einem Nebensatz oder einer Infinitivgruppe beginnt. Ich schreibe diesen Text[,] oder wenn ich das nicht tue, spiele ich am Computer. Meiner Meinung nach gehören solche Formulierungsfälle aber eher zu den Exoten.

Entweder oder – Komma?

Erinnern Sie sich noch an den Beginn meines Textes, oder schwirren Ihnen schon diverse Kommafälle durch den Kopf? Dann schauen wir uns jetzt noch die mehrgliedrige Konjunktion entweder oder an. Glücklicherweise finden die Regeln Anwendung, die ich eben schon vorgestellt habe.

Zwischen Hauptsätzen kann das Komma gesetzt werden, es ist aber nicht verpflichtend. Entweder ich setze ein Komma[,] oder ich setze kein Komma. Bei gleichrangigen Nebensätzen wird kein Komma vor oder gesetzt. Ich werde im Sommer gutes Geld verdienen, weil ich entweder im Schwimmbad arbeite oder Eis verkaufe.

Das ist doch eigentlich alles gar nicht so schwer, oder? Genau, dieses Komma hatte ich noch vergessen. Es steht als Teil einer Stellungnahme, weil man auch sagen könnte: Das ist doch eigentlich alles gar nicht so schwer, oder etwa nicht? Wie auch bei anderen Konjunktionen sind einige Regeln eindeutig, andere liegen im Ermessensspielraum des Schreibers bzw. der Schreiberin. Im Lektorat empfehle ich in der Regel, auch die optionalen Kommas zu setzen.

Zusammenfassung

Sind Satzbestandteile gleichrangig, steht kein Komma vor oder. Dabei kann es sich um Wörter, Satzteile oder auch um Nebensätze oder Infinitivgruppen handeln. Wir fahren nach Berlin oder Potsdam oder Dresden. Wir kommen auf Sie zurück, wenn wir eine freie Stelle haben oder wenn wir Ihnen endgültig absagen müssen.

Ein Komma vor oder steht zum Beispiel bei eingeschobenen Nebensätzen oder bei Appositionen. Wir kommen auf Sie zurück, wenn wir eine freie Stelle haben, oder wir melden uns garantiert im nächsten Jahr. Wir fahren nach Potsdam, die Hauptstadt von Brandenburg, oder nach Dresden.

Ein Komma kann, aber muss nicht gesetzt werden, wenn zwei Hauptsätze verbunden werden. Ich fahre nach Potsdam[,] oder ich fahre nach Dresden.

Titelbild: Brendan Church on Unsplash

Autokorrektur: Rechtschreibung einfach vom Computer prüfen lassen. Geht das?

Texte automatisch durch eine Software korrigieren lassen, das klingt verlockend – und ist vor allem auch günstiger als die Arbeit professioneller Lektorinnen und Lektoren. Hat der Rotstift damit ausgedient?

Ein Hinweis vorab: Dieser Artikel basiert teilweise auf meinen persönlichen Erfahrungen mit dem Duden Korrektor. Die Version 12 habe ich mir selbst gekauft, die Version 13 konnte ich kostenlos testen und darf sie weiter kostenlos nutzen. LanguageTool Plus konnte ich zeitlich begrenzt kostenlos als Premium-Version testen. Ich erhalte keine Provisionen bei Bestellungen/Verkäufen.

Autokorrektur: Diese Möglichkeiten gibt es

Onlineprüfung: kopieren, einfügen, prüfen lassen

Algorithmen und KI sind inzwischen in aller Munde, digitale Prozesse sollen in Zukunft viele menschliche Aufgaben übernehmen. Die Word-Rechtschreibprüfung gibt es zwar schon eine ganze Weile, trotzdem nimmt das Thema zunehmend Fahrt auf. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Rechtschreibung eines Textes online prüfen zu lassen, z. B. auf der Website von Duden oder mithilfe des Programms LanguageTool.

Viele weitere Prüfangebote wie z. B. Rechtschreibprüfung24 oder Spellboy nutzen die Prüfmuster von LanguageTool und liefern genau die gleichen Ergebnisse. Auf der Duden-Website gibt es aktuell eine Rechtschreibprüfung, die wie der neue Duden-Mentor in der Betaphase ist. Duden-Mentor will als Textprüfung vor allem mit Stilempfehlungen und dem Thesaurus für bessere Texte sorgen.

Programme, die in Word prüfen

Will man auf dem Rechner ein Word-Dokument prüfen lassen, gibt es zum einen die bereits erwähnte hauseigene Word-Korrektur, die bei mir lange Zeit einen schlechten Ruf hatte. Inzwischen hat sich die Leistungsfähigkeit allerdings verbessert, wie mein Test zeigt. LanguageTool bzw. LanguageTool Plus bietet neben der Online-Korrektur ein Add-on für Word – und auch der Duden Korrektor arbeitet auf diese Weise.

LanguageTool ist eine Open-Source-Software, die bereits seit 2010 entwickelt wird. Der Duden Korrektor ist ein ehemaliges Projekt des Bibliographischen Instituts, das zwischendurch eingestellt worden war. Inzwischen wird das Programm von der Firma epc entwickelt und vertrieben. Ich habe mir vor zwei Jahren die Version 12 gekauft und habe nun die Betaversion 13 kostenlos testen dürfen – die ich auch im Nachgang weiter kostenlos nutzen darf. Ich hatte im letzten Frühjahr auch eine Testversion von LanguageTool Plus und das zugehörige Word-Add-on getestet und habe für diesen Beitrag erneut eine Testlizenz genutzt.

Der Testsatz …

Was genau man von den jeweiligen Korrekturlösungen erwarten kann, wollte ich mit wenigen Sätzen ausprobieren, in die ich einige Fehler eingebaut habe. Es handelt sich dabei natürlich nur um einen kleinen Ausschnitt, eine Stichprobe. Für einen umfangreicheren Test bräuchte man ein ganzes Team an Leuten und vor allem einen Text, der sehr ausgewogen möglichst viele verschiedene Fehlerarten enthält. Aber auch mein kurzer Satz reicht schon, um die Fähigkeiten oder aber auch die Blindheit der Software zu demonstrieren.
Mein Testsatz lautet wie folgt:

Ich heiß Christiann un wohhne in Potsdam. Heute, teste ich mal dieses Tool. Um das zu verstehen muss ich mich damit rumschlagen. Oke, jetz heißt es wohl abschiednehmen.

… und die Ergebnisse

Die Fehler bei Christiann, un, wohhne, jetz, abschiednehmen fanden alle Programme.

Was keinem Rechtschreibprogramm gelang, war mir die korrekte Version von Abschied nehmen vorzuschlagen. Entweder lieferten die Programme nur Abschiednehmen, es geht hier aber nicht um eine Substantivierung. LanguageTool probierte es mit verschiedenen Varianten, aber auch abschied nehmen oder abschied Nehmen sind falsch. Generell hatten alle Programme Probleme, mir z. B. für Oke eine Korrektur vorzuschlagen. Duden-Mentor versuchte es mit Ole, LanguageTool mit Ecke.

Am besten hat insgesamt die Duden-Rechtschreibprüfung (online) abgeschlossen, da sie auch die beiden Kommafehler beanstandete. Das Komma nach Heute darf nicht gesetzt werden, nach Um das zu verstehen ist ein Komma hingegen zwingend.

LanguageTool fand einen der beiden Kommafehler, schlug aber eine Korrektur von rumschlagen vor. Diese Formulierung ist jedoch nicht falsch geschrieben.

Der Duden Korrektor übersah beide Kommafehler.

Duden-Mentor schnitt exakt gleich ab und fand erstaunlicherweise die Kommafehler nicht, die die Duden-Rechtschreibprüfung auf derselben Seite anmahnte.

Word fand den ersten Kommafehler bei Heute, fand dafür aber Oke in Ordnung.

Bei den Stilprüfungen von Duden-Mentor und Duden Korrektor (hier: Füllwörter) wurde auf mal und wohl hingewiesen. Nicht erwähnt wurde hingegen Ich heiß, was nicht falsch, aber auch kein guter Stil ist.

Testupdate, 19.03.2019

Die von mir informierten Anbieter wurden direkt tätig. Bei LanguageTool Plus ist nun rumschlagen kein Fehler mehr, auch Abschied nehmen wird nun als Korrektur vorgeschlagen. Die Krux liegt hier am ehesten darin, dass es auch andere Vorschläge gibt und man sich darum mit den Regeln zur Schreibung von Substantivierungen auskennen muss.

Der gerade erschienene Duden Korrektor erkennt nun den Komma-Fehler bei Um das zu verstehen.

Das Team von duden.de hat auf meine Anfrage vom 08.02.2019, was die relativ schlechte Korrekturleistung des Duden Mentor angeht, leider nicht reagiert.

Was Korrektursoftware kann

Diese kleine Stichprobe spiegelt die Erfahrungen wider, die ich mit Korrektursoftware gemacht habe. Sie hilft bei Flüchtigkeitsfehlern, sie gleicht menschliche Schwächen wie Ermüdung oder mangelnde Konzentration aus, indem sie Buchstabendreher, fehlende oder doppelte Buchstaben findet, aber auch doppelte Wörter anmahnt. Ich persönlich schätze am Duden Korrektor, dass er auch die Kann-Schreibungen berücksichtigt, also z. B. potentiell/potenziell oder Fantasie/Phantasie, und die Duden-Empfehlung ausgibt. Auch LanguageTool Plus bietet diese Funktion in der Premium-Variante. Prüft man die Texte kostenlos auf der Seite erfolgt jedoch kein Hinweis auf Geographie/Geografie o. Ä.

Was eher nicht geht

Auf die Tücken der Word-Korrektur hatte ich in einem Facebook-Eintrag bereits hingewiesen. Ein Hauptproblem ist, dass die Programme nicht allein zurechtkommen. Trotz vieler Hilfestellungen durch die Software müssen Nutzer/innen am Ende immer noch selbst entscheiden, welche Korrekturvorschläge richtig sind. Besonders bei optionalen Fällen in der Kommasetzung wird ein Hinweis nicht unbedingt weiterhelfen. Im Deutschen gibt es jede Menge solcher optionalen Fälle – bei Schreibungen wie bei der Kommasetzung.

Außerdem sind nicht alle Korrekturen wirklich richtig oder notwendig. Abseits von ganz grundsätzlichen Entscheidungen zur richtigen Rechtschreibung oder Grammatik kann keines der Programme zum jetzigen Zeitpunkt eine zum Text passende stilistische Empfehlung geben. Ein Gutachten muss stilistisch anders bewertet werden als ein persönlicher Brief. Darum müsste die KI zuerst erkennen können, welche Textsorte gerade bearbeitet wird.
Nicht zuletzt haben Korrekturprogramme auch immer Probleme mit Neologismen, also Wortneuschöpfungen. Oft müssen neu auftretende Sonderfälle erst mit den existierenden Regeln abgeglichen und zusammengeführt werden.

Mit reiner Automatisierung erzielt man aktuell mittlere Qualitätslevel

Ein Kollege, Jürgen Hahnemann, hatte den Duden Korrektor bereits 2017 umfassend getestet und seine Befunde in einem Blogbeitrag mit dem Titel „Kollege Computer?“ veröffentlicht. Er fand das Programm nicht nützlich, da die permanente Entscheidung zwischen Fehlern und Fehlalarmen gerade bei längeren Texten zu zeitaufwendig sei. Außerdem konnte er keine Zielgruppe ausmachen.

Ich glaube, die Entscheidung für oder gegen eine automatische Korrektur hat etwas mit den eigenen Zielen und Erwartungen zu tun. Wenn man bereit ist, ein nur durchschnittliches Qualitätslevel zu akzeptieren, dann kann man sich tatsächlich das Geld für ein Lektorat sparen und wird mit der automatischen Korrektur zurechtkommen. Bessere Ergebnisse liefern zu diesem Zeitpunkt aber noch versierte, konzentrierte Lektorinnen und Lektoren.

Ich selbst nutze den Duden Korrektor als Absicherung am Ende meiner Korrekturdurchläufe. Wenn die Texte in einem guten Zustand sind, findet der Duden Korrektor oft noch die letzten Flüchtigkeitsfehler oder eine übersehene Duden-Empfehlung. Diese Einschätzung dürfte im Übrigen auf alle Programme zutreffen: Wenn Texte besonders fehlerreich sind, haben Programme und Nutzer größere Probleme und der Zeitaufwand steigt exorbitant.

Duden online, LanguageTool Plus, Duden Korrektor?

Für die regelmäßige Arbeit an längeren Texten sind die Add-ons des Duden Korrektors oder von LanguageTool Plus durchaus hilfreich. Beide lieferten in etwa ähnliche Ergebnisse und brauchten auch ähnlich lang für eine Korrektur. Bei umfangreichen Texten können hier schon einige Minuten vergehen.
Lediglich die Preismodelle sind sehr unterschiedlich. Den Duden Korrektor kann man zum Festpreis von 79 Euro zzgl. Mehrwertsteuer erwerben, der nächste Versionsschritt kostet als Update dann die Hälfte. LanguageTool Plus wird abonniert und kostet dann als Einzelplatzversion 59 Euro im Jahr.

Natürlich muss man dazu sagen, dass auch die hauseigene Prüfung von Word inzwischen viele Fehler findet. Im Vergleichstest schnitt sie nicht viel schlechter ab als die kostenpflichtigen Programme.
Die beste Leistung im Test zeigte aber die Duden-online-Prüfung. Diese ist allerdings auf 800 Zeichen beschränkt. Für kürzere Texte und die schnelle Prüfung ist sie daher also zu empfehlen, ansonsten aber weitgehend unbrauchbar. Es gibt momentan jedenfalls nach meinem Kenntnisstand keine Möglichkeit, die Zeichenzahl durch Bezahlung zu erweitern. Umso bedauerlicher ist es, dass der neu entwickelte Duden-Mentor keine so gute Korrekturleistung lieferte und die Kommas übersah.

Fazit des Tests: Eine voll funktionsfähige Automatisierung gibt es noch nicht

Festzuhalten bleibt, dass man der Automatisierung noch nicht vertrauen kann – das wissen auch alle Beteiligten. Die Künstliche Intelligenz arbeitet zwar ermüdungsfrei, findet aber auch nicht jeden Schnitzer im Text. Und am Ende weist sie nur auf Unstimmigkeiten hin – die Entscheidung, ob etwas falsch oder richtig ist, bleibt dem Nutzer, der Nutzerin überlassen. Unterstützen lassen kann man sich mit entsprechendem Vorwissen allerdings trotzdem schon ganz gut.

Ich freue mich über weitere Hinweise auf Korrektursoftware oder Ergänzungen zum Thema automatische Korrektur oder zur Funktionsweise der Programme.

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Total brutal

Versicherungen und die deutsche Sprache haben vielleicht eine Gemeinsamkeit: Es gibt sehr viele Menschen, die nicht viel von ihnen halten; und genauso gibt es einen Kreis eingefleischter Fans. (Wobei die Fangruppen sehr wahrscheinlich unterschiedliche Motive haben. Die meisten Sprachfans werden weniger mit ihrer Zuneigung verdienen als überzeugte Versicherungsvertreter). Ich komme darauf, weil ich bei der Textarbeit heute auf ein Wort gestoßen bin, dass direkt auf der Bruchkante von Versicherungen und Sprache liegt:

Totalentwendung

Das ist schon ein ziemlich brutaler Begriff, wie ich finde. Ich wollte erst automatisch zu Totalentwertung korrigieren, habe dann aber das Wort gesucht. Bei Google ca. 3000 Ergebnisse, es wird also verwendet, hauptsächlich im Kfz-Bereich. Bei Duden keine Treffer. Im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache nicht eigenständig vorhanden, aber ein automatisch generierter Treffer.

Aber was heißt Totalentwendung genau?

Mit einfachen Worten, die in Blobeiträgen dem Kampfbegriff Totalentwendung folgen, wird es greifbar. Nix, niente: Diebstahl, und zwar komplett.

Klar, manchmal wird nur ein Autoradio gestohlen. Aber muss man den Begriff Diebstahl wirklich durch Komplettentwendung ersetzen? Würde Kfz-Diebstahl nicht genauso gut funktionieren? Was mich an solchen Termini immer verwundert ist, wie künstlich, wie technokratisch und kalt sie sind. Ich überlege dann immer, ob man wirklich so sprechen würde. Bei Kaffee und Kuchen sitzend oder am Tresen der Kneipe, ein Nüsschen, eine Salzstange in der Hand: „Unser Auto ist totalentwendet worden. Nicht nur entwendet. Nein, totalentwendet. Stellt euch das mal vor.“ Oder beim Thema Organhandel in den Nachrichten: „Soundsovielmal sind Menschen Organe totalentwendet worden.“

Am Ende einer solchen Gedankenkette bleibe ich lieber aufseiten der Sprachliebhaber. Immerhin verdiene ich als Lektor ja durchaus an meiner Passion. Und dem Kunden lasse ich seine Totalentwendung. Fachausdrücke sind selten schön, aber sollen suggerieren, dass wir einen Experten vor uns haben. Ob es hilft, bleibt dahingestellt – und ist auch nicht Gegenstand einer Korrektur.

Foto: Luke Brugger on Unsplash

Werbung und Sprache: am besten direkt

Als ich neulich die BVG-Werbung Nur hier trifft dicht auf Dichter. sah, war ich unmittelbar begeistert. Das liegt nicht zuletzt daran, wie sprachlich unverkrampft mit wenigen Worten ein breiter Kontext eröffnet wird.

Dicht und Dichter sind zunächst beides gebräuchliche Wörter, jemand ist „total dicht“, wenn er betrunken oder auf Drogen ist, der Dichter schreibt eben Gedichte. Beide zusammenzubringen ist sprachlich reizvoll, weil Dichter als Steigerungsform von dicht einen Kreuzverweis herstellt („nur Goethe war Dichter“), dabei aber ohne Augenzwinkerei auskommt. Keines der Worte muss verändert werden, jedes kann genuin auftreten und wird erst durch den Kontext eingebettet. In diesem werden zwei scheinbar völlig konträre Gruppen zusammengebracht. Es geht um Distinktionen, also ein Rangempfinden zwischen hoch und niedrig, auf der einen Seite steht der ernste Intellekt, auf der anderen Seite der ungezügelte Hedonismus. Die Werbung appelliert hier nicht an potenzielle Kunden, sie stellt vielmehr dar: Sie zählt nur auf, was es (wahrscheinlich durchaus) wirklich gibt. Das ist umso eindrucksvoller, als dass es zwei anderen Werbeanzeigen nicht gelingt.

Edeka: Politik, Wirtschaft, Kriminalität – und am Ende doch nur Obst

Edeka hat sich einen Namen gemacht in der Werbewelt, die Anzeige Käuflich und erpressbar finde ich allerdings nicht gelungen. Dies liegt zunächst an der rein sprachlich schiefen Ebene. Mit den Adjektiven käuflich und erpressbar wird ein Hintergrund von Kriminalität, Wirtschaft und Politik evoziert. Zugleich bildet das Edeka-Angebot für diese Wörter aber einen Rahmen, in dem die Wörter neutral und gesetzeskonform erscheinen sollen. Beide Wörter sind allerdings im Supermarktkontext eher ungeläufig bzw. werden nicht in den konkreten Situationen angewendet. Niemand fragt vor dem Regal, ob eine Sache „käuflich zu erwerben“ sei. Und niemand würde sagen: „Dieses Obst ist erpressbar“. Man würde nicht mal sagen: pressbar. Der Witz ist also ganz schön um die Ecke gedacht, was bei großen Kunstwerken gut ist, nicht aber bei Werbung. Die Aussage lautet: Ich kann bei Edeka Obst erwerben, das ich danach in einer Saftpresse ausquetschen kann. So what. Kann ich das nicht mit jedem Obst? Warum sollte ich dafür zu Edeka gehen? Zumal der Politik-, Mafia- und Skandalkontext überhaupt nicht verfängt.

Taxi: Ich störe mich vor allem an einem Kunstwort

Das letzte Beispiel arbeitet sehr stark mit Sprache. Vier Wörter werden untereinander aufgereiht: Späti, Party, Frühi, Taxi. Der Ansatz, hier den Abend mit wenigen Wörtern in einer typischen Chronologie ablaufen zu lassen, funktioniert. Die große Botschaft kommt an. Ich habe allerdings ein Problem mit dem Wort „Frühi“. Natürlich reiht es sich gut ein, es passt an sich vor allem lautlich dahin. Aber der Vergleich ist der Anfang allen Übels: Und wenn ich vergleiche, dann sehe ich, dass die BVG-Werbung diesen Taschenspielertrick nicht braucht. Niemand sagt: Frühi. Die Reihung ist auch dahingehend schwierig, dass nur Späti ein Kunstwort ist, eine liebevolle Verknappung des Wortes Spätkauf. Taxi und Party sind zwar lautlich ähnlich, aber sie sind eben keine Abkürzungswörter. Zudem fügt Frühi in der Abkürzung etwas hinzu, während Späti ja vor allem Wortlänge einspart. Es scheint mir ein Zeichen von Mündlichkeit zu sein, dass man nicht ohne Not Wörter erweitert. Der Umfang des Gesprochenen kann sich durch Einschübe, durch Interjektionen erweitern. Aber wenn ich früh aufstehen muss, sage ich niemandem, dass es heute „frühi“ war.

Akkurat zum Hintersinn

Werbung muss fast immer um die Ecke denken, wenn sie gut sein will. Sprache ist fast immer ein elementares Mittel, um die Botschaft zu den Verbrauchern zu bringen. Meiner Meinung nach funktionieren Wörter und Sätze umso besser, je natürlicher sie sich einfügen und je mehr sie, trotz eines völlig regelrechten, üblichen Gebrauchs, beim Konsumenten ein Denken um die Ecke provozieren, ohne dabei selbst ungelenk zu sein.