Adressiert man Brief mit der Anrede Herr oder Herrn? Lektorat und Text Berlin Christian Wöllecke

Herr oder Herrn?

Das Anschreiben ist eingetütet, die Briefmarke geklebt, jetzt nur noch schnell die Adresse … aber Moment, schreibt man Herr oder Herrn?

Natürlich tritt diese Frage meist schon viel früher auf, nämlich bei der Adresszeile. Wenn man an eine Frau schreibt, ist die Sache unproblematisch. Schreibt man an einen männlichen Empfänger, dann wird die Anrede Herrn verwendet. Man adressiert auf diese Weise, weil die Anrede im Akkusativ steht und dementsprechend flektiert – also gebeugt – wird. (An wen adressiert man den Brief? An Herrn Meyer.) So sieht es auch die DIN 5008, Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung, vor.
Auch Titel werden bei der Briefanrede üblicherweise entsprechend gebeugt und stehen im Akkusativ. Herrn Sachverständigen, Herrn Ersten Vorsitzenden.
Umgangssprachlich hat sich inzwischen die Variante verbreitet, z. B. in Mails zu schreiben: Ich habe Herr Meyer ebenfalls Bescheid gesagt. Dies ist allerdings keine standardsprachliche Variante und wird deshalb nicht empfohlen. Richtig ist es hingegen, bei der direkten Anrede den Nominativ zu nutzen: Ich möchte Ihnen, Herr Meyer, von Herzen danken.

Herrn Meyers Hund: Anrede und Namen werden beide flektiert

Das Sprichwort „Wer A sagt, muss auch B sagen“ trifft auch bei Anrede und Namen zu. Deshalb schreibt man: Ich musste mit Herrn Meyers Hund Gassi gehen. Bei einer Apposition, einer Beifügung also, gilt diese Regel ebenfalls. Der Arbeitsplatz unseres Geschäftsführers, Herrn Meyers, liegt im zweiten Stock.

So machen Sie deutlich, wer Ihren Brief öffnen darf

Nachdem ich Ihnen nun gerade die Regeln zur Beugung der Anrede Herrn vorgestellt habe, hier noch ein zusätzlicher Hinweis. Wenn Sie Ihr Schreiben persönlich an einen Empfänger richten wollen, stellen Sie seinen Namen über die Anschrift der Firma. Sie können die Vertraulichkeit zusätzlich durch einen Zusatz wie persönlich oder vertraulich verdeutlichen. In der Regel ist dies ausreichend. Die Fügung z. Hd. oder z. H. abgekürzt wird, ist – zumindest nach Duden – nicht mehr allzu gebräuchlich.
Steht der Name der Firma oder Institution hingegen zuerst, dann darf in der Regel jede Mitarbeiterin bzw. jeder Mitarbeiter, z. B. das Sekretariat, den Brief öffnen.

Zusammenfassung

In Briefanreden wird immer Herrn geschrieben.

Steht der Name des Empfängers in der Adresszeile über dem Firmennamen, gilt der Brief allgemein als an ihn persönlich gerichtet.


Dieser Artikel erschien zuerst am 17. Oktober 2017 und wurde von mir am 3. April 2019 grundlegend überarbeitet und erweitert.

Titelbild: Bundo Kim on Unsplash

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