Das Bild zeigt falsche Verwendungen des Streckenstrichs in Hausnummerangaben auf Straßenschildern.

Punkt, Punkt, Komma, Strich …

und fertig? Ja – wenn, es so einfach wäre. Mit dem unscheinbaren Wörtchen Strich fangen die Kalamitäten an. Denn es gibt Bindestriche, Streckenstriche, Gedankenstriche. Teilweise unterschiedlich lang, jeweils unterschiedlich eingesetzt. Was, wo und wie erkläre ich in der heutigen Ausgabe des Karacho-Montags. Für alle, denen das ewige Geschreibe gegen den Strich geht, gibt es hier die schnelle Zusammenfassung.

Worauf man beim Nachdenken über Striche kommt: die Rettung des Galgenmännchens

Bei meinen Vorbereitungen zu diesem Blogbeitrag musste ich daran denken, dass man beim Wörterraten in der Schule ja regelmäßig kleine Männchen am Balken baumeln ließ. Ohne die Wortknobelei auf höchstem Niveau zu beherrschen, könnte man den kleinen Kerl vielleicht so retten: ein Galgen aus Bindestrichen, der Strick ein Gedankenstrich …
Gut, ehe es zu abseitig wird, erkläre ich hier der Grund meiner Gedankenspielerei: Bindestriche entsprechen in der Regel einem Viertelgeviert, man kennt sie als „Minus“ auf der Tastatur. Und es gibt Gedankenstriche, die einem Halbgeviert, also der doppelten Länge, entsprechen. Ein kurzer Galgen, ein langer Strich … müsste doch klappen, oder?

Der Bindestrich

Der Bindestrich, auch bekannt als Divis, verbindet zusammengehörende Wörter und ist damit der natürliche Feind des sogenannten Deppenleerzeichens. Zunächst: Beinahe alle Wörter können im Deutschen ganz einfach zusammengeschrieben werden. Der Bindestrich kann eingesetzt werden, um mehr Übersichtlichkeit zu schaffen (Fußballkommentator/Fußball-Kommentator) oder auch zur Hervorhebung einer Zusammensetzung (Karacho-Montag). Außerdem verbindet der Bindestrich Wörter mit Abkürzungen (EU-Norm) bzw. Konstruktionen aus fremdsprachigen (i. d. R. noch nicht „eingedeutschten“) und deutschen Wörtern; für das Wort Businessclass schlägt der Duden zum Beispiel momentan noch die alternative Schreibung Business-Class vor. Schließlich kommt der Bindestrich auch als Ergänzungsstrich (Apfel- oder Rhabarberkompott) und als Strich der Silbentrennung vor. Was allen Anwendungsarten gemein ist: Es gibt keinen Abstand zwischen Wort und Bindestrich.

Der Gedankenstrich

Die Abstandsregel sieht beim Gedankenstrich ganz anders aus: jeweils ein Leerzeichen trennt ihn vom umgebenden Text. Er wird vor allem als Pausen- bzw. Ankündigungszeichen eingesetzt (Es gab einen Schlag – dann folgte Stille. Ich trat erwartungsvoll in die Küche – Mutter machte wirklich Buchteln!). Auch für Einschübe (Teilsatz, Satz, Zusatz) wird der Gedankenstrich, analog zum Komma, verwendet: Diese Buchteln – sie strahlten und dampften in der Schüssel wie pures Gold – waren sein ganzes Glück. Zu beachten ist dabei, dass die generelle Zeichensetzung unangetastet bleibt: Dass diese Buchteln sein ganzes Glück waren – sie strahlten und dampften in der Schüssel wie pures Gold –, konnte man ohne jeden Zweifel sagen.
Wird der Gedankenstrich hingegen als Streckenstrich verwendet, entfällt der Abstand. Dies – und die Verwendung des kurzen Bindestrichs als Streckenstrich – sind im Lektorat häufig anzutreffende Fehler. Der Streckenstrich steht zum Beispiel bei Öffnungszeiten (9–15 Uhr), Entfernungsangaben (Berlin–Helsinki: ca. 1248 km) oder auch Seitenzahlen (S.12–14).
Der Gedankenstrich wird zudem als Minuszeichen und zur Kennzeichnung von zeilenweise gegliederten Aufzählungen als Spiegelstrich verwendet. Hier steht er frei vor der Zeile:
Städte, die ich noch besuchen will:
– Helsinki
– Berlin
– Budweis

Fertig ist das Mondgesicht …

Im Großen und Ganzen ist das einfache Wörtchen Strich also tatsächlich kein überkomplexes Thema. Bei den meisten Korrekturen spielen nur Verwechslungen von Binde- und Gedankenstrichen sowie das (Nicht-)Einhalten von Abständen eine Rolle. Für den zweiten Gedankenstrich einen kürzeren Bindestrich zu verwenden ist übrigens auch ein beliebter Fehler. Neben den erwähnten Strichen gibt es auch noch den Geviertstrich, der aber sehr selten vorkommt. Er wird im Englischen als Gedankenstrich ohne Abstände eingesetzt.

Ein Beispiel, das die fehlerhafte Verwendung von Bindestrichen zeigt.
Bei diesem Beispiel ist mir nicht klar, welcher Regel der Ersteller in puncto Streckenstrichen folgt.

In der Verwendung der einzelnen Striche geht es häufig drunter und drüber, sie stellen für viele Schreibende nur Marginalien dar, die häufig nach Gutdünken eingesetzt oder von Word auto-formatiert werden. Darum kann die durchgehend korrekte Verwendung häufig schon als Indikator für die Versiertheit und Sorgfalt im Umgang mit der Sprache angesehen werden. Es gilt also auch hier: kleine Sache, große Wirkung.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

Der Bindestrich
entspricht einem Viertelgeviert. Er wird immer ohne Abstände eingesetzt und verbindet Wörter mit anderen (fremdsprachigen) Wörtern oder Abkürzungen (Karacho-Montag, Business-Class, EU-Norm). Er ist Ergänzungs- und Silbentrennungsstrich. Er liebt Vanille- und Schokobuchteln.

Der Gedankenstrich
ist doppelt so lang wie der Bindestrich (Halbgeviert). Er wird fast immer mit Abständen eingesetzt und gilt als Pausen- und Ankündigungszeichen: Achtung – hier komme ich. Außerdem wird er für Einschübe verwendet. Das ist – und das sehe ich wirklich so – eine schöne Sache. Eine Ausnahme stellt seine Verwendung als Streckenstrich dar (bis-Strich, 9–15 Uhr): Hier entfallen die Abstände.

 

Der nächste Karacho-Oster-Montag hilft beim Suchen. Beliebte Fehlerverstecke, die im Lektorat immer wieder auftauchen, sind dann das Thema. Tragen Sie sich gerne in den Newsletter ein, wenn Sie etwas über die besten Korrektoren-Eastereggs erfahren wollen.

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