Samstag, elfter April 2015

Gerade Franzens Freedom fertiggelesen, zwischendurch an die Corrections gedacht, bei Perlentaucher, in einem Moment textlicher Zähigkeit, die nicht einheitlich begeisterten Kritiken gelesen. Trotzdem: wieder unendlich beeindruckt. Was ich bei den heutigen Russen nicht mehr sehe, den großen, realistischen, klugen Gesellschaftsroman, finde ich bei den Amerikanern. Vielleicht gefällt es mir gerade deshalb so gut, weil ich selbst stets die Phantastik, die Flucht ins Magische und Groteske für meine eigenen Texte vorziehe.1 Weil man sich in den Defekten der Figuren wiederfinden, die Genese von Persönlichkeiten erleben kann. Weil man für 100 Seiten vergisst, dass es einen Autor hinter dem ganzen Geschehen gibt und die Figuren nicht von allein so organisch miteinander umgehen. Natürlich gibt es Kritikpunkte. Ich habe weniger gelacht, es war eine ernstere Art der Absurditäten, die das Buch durchziehen. Andere kleine Abstriche erscheinen mir im Nachhinein nicht wichtig, weil mich das Buch überzeugt und wie schon die Corrections überwältigt hat.

So war das zuletzt nur bei Knausgard, und etwas abgeschwächter bei DeLillos Underworld. Dabei hatte ich Franzen nur als Einschub in Johnsons Jahrestage vorgesehen, die ich zwar ungemein klassisch erzählt finde, aber zu spröde und hart, um sie in einem Durchgang weglesen zu können. Nun aber zurück nach Mecklenburg, New York.

1 Es wäre nun denkbar, eine große Debatte im Sinne Franzens über die Freiheit zu führen: Ob Sorokin, Pelevin, Jurjew usw. systembedingt phantastisch schreiben. Aber dies ist an dieser Stelle unnötig.

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