Getrennt- und Zusammenschreibung: deutsche und fremdsprachige Wörter

Ob es nun der Top Manager ist oder die Hot Stone Massage (beide Schreibungen sind falsch!) – bei der Getrennt- und Zusammenschreibung von Begriffen, die sich aus Wörtern unterschiedlicher Sprachen zusammensetzen, kommt es immer wieder zu Fehlern. Oft ist auch nicht ganz klar, welchen Status Wörter wie Manager oder auch Hot Stone in der deutschen Sprache einnehmen. Ich versuche an dieser Stelle, einen kleinen Überblick über den Flickenteppich der Wortzusammensetzungen zu geben.

Zusammenschreibung: die Grundlagen

Im Deutschen kann man Wörter ganz einfach zusammenschreiben, solche Komposita erlauben eine große Bandbreite im Ausdruck (was sich mit diesen Wörtern unmittelbar beweist). Dabei gilt, dass man deutsche Wörter einfach zusammenschreibt, Leerzeichen sind nicht vorgesehen. In bestimmten Fällen kann es angebracht sein, einen Bindestrich zu setzen, manchmal ist es auch verpflichtend. Wie das funktioniert, habe ich bereits in zwei anderen Artikel beschrieben:

Bindestrich im Wortinneren

Bindestrich im Wortinneren II

Ob man also Biohühner, Eierpappen oder Hausanschlüsse meint, es wird in diesen Fällen zusammengeschrieben. Davon kann man aber abweichen, wenn ein Bestandteil des Wortes als fremdsprachlich bzw. als noch nicht angeglichen gilt.

Exkurs: Wann gelten Wörter als fremd, wann als eigen?

Bevor es an die Schreibung von Zusammensetzungen aus fremden und eigenen Wörtern geht, ist der jeweilige Status dieser Wörter zu klären. Es gibt eine Menge fremder Wörter, die wir regelmäßig gebrauchen und die in unserem Wortschatz verankert sind: Team aus dem Englischen oder Session aus dem Lateinischen zum Beispiel. Zusammengesetzt werden sie daher ganz regelmäßig: Teamsitzung oder Livesession. Gerade bei Wörtern, die noch nicht so gebräuchlich sind, kann die Schreibung auch mit Bindestrich erfolgen. So soll eine bessere Lesbarkeit gewährleistet werden.
Der Status der Wörter ist dabei Auslegungssache. Im Lektorat wird häufig der Duden als Referenzrahmen angesehen: Wenn die Wörter dort aufgenommen sind, gelten sie als „eingedeutscht“. Man kann also Filterbubble oder Filter-Bubble schreiben, Handletteringworkshop oder Handlettering-Workshop, Energydrink oder Energy-Drink (denn mindestens eines der Wörter in den jeweiligen Zusammensetzungen gilt als deutsch bzw. angeglichen).

Zusammenschreibung mit Bindestrich

Wie schon beschrieben, bleiben die einheimischen Wörter nicht unter sich – die (digitale) Globalisierung schreitet voran – und dies wird sich auch nicht mehr zurückdrehen lassen. Deutsche und fremde Wörter strecken die Arme aus – und zack, gibt es ein Mischwort, das man zusammenschreiben kann. Außerdem lässt sich dieses so gewöhnliche wie außerordentliche Aufeinandertreffen auch durch einen Bindestrich markieren. Aneinanderreihungen von mehreren Wörtern werden ebenfalls zusammengeschrieben oder mit Bindestrichen gekoppelt. Energydrinkflasche oder Energy-Drink-Flasche. Werden Wortgruppen und Zusammensetzungen aneinandergereiht, schreibt man mit Bindestrich: Low-Carb-Diät oder High-Energy-Training.

Getrenntschreibung entlehnter Wörter

Die Low Carb Diet ist ein Fall, in dem ein nicht angeglichenes Fremdwort seine Schreibung beibehält. Allerdings wird es in den meisten Fällen so sein, dass Sprecher/-innen hier automatisch das deutsche Wort „Diät“ benutzen. Deshalb sollte man in der Regel auch Hot-Stone-Massage schreiben, da kaum jemand das Wort als „…-Massaasch“ aussprechen wird. Man könnte Fast Food Place schreiben, aber Fast-Food-Tempel. Oder auch Gourmethotspot oder Gourmet-Hot-Spot (die Gourmet-Variante mit Bindstrichen finde ich persönlich besser lesbar).

Businesslunch Lektorat Berlin Getrenntschreibung Zusammenschreibung
Sprachlich unbekannte oder ungebräuchliche Wendungen können ihre Schreibung behalten, also Business Lunch. Genauso ist die Schreibung Businesslunch möglich. Formal falsch ist die Zeitangabe: Sie wird mit Von-bis-Strich (Länge Halbgeviert), ohne Abstände gesetzt. Außerdem darf bei Einsatz des Striches kein „von“ davor stehen, da der Strich bereits für „von … bis“ steht: 11–16 Uhr.

Getrennt- und Zusammenschreibung: Grundsätzliche Schreibempfehlungen – und der Topmanager

Sprache ist lebendig. Gerade im Bereich der Wortbildungen und Komposita sind häufig mehrere Versionen möglich. Dieser Artikel wirft nur Schlaglichter auf die Verwendung, er ist kein umfassendes Kompendium. In den meisten Fällen ist es richtig, zusammenzuschreiben oder einen Bindestrich zu benutzen. Schreibweisen mit Leerschritt sind eher selten zu finden. Wichtig hierbei ist vor allem, sich schon zu Anfang für eine Form zu entscheiden und auch bei analogen Wortverwendungen ähnlich zu verfahren. Hier verhält es sich ähnlich wie mit dem Zitieren in wissenschaftlichen Arbeiten: Es muss nicht unbedingt eine bestimmte Art und Weise sein, die Einheitlichkeit der Zitierweise ist entscheidend.

Der Topmanager wird übrigens ebenfalls zusammengeschrieben – hier verbindet sich das englische Präfix Top- mit einem angeglichenen Fremdwort. Auch Topleistung oder Topfahrerin funktionieren problemlos.

Schreibung von Businesslunch Lektorat Berlin Getrenntschreibung Zusammenschreibung
Oft kann man sich entscheiden: Bindestrichschreibung oder direktes Zusammenschreiben. Wichtig ist vor allemdie Einheitlichkeit. Hier wurde eine einheitliche Schreibung gewählt. Auch die Zeitangaben hier formal korrekt.
Das Titelbild stammt von Unsplash: Dinh Pham

Bindestrich im Wortinneren II

Wie im ersten Teil versprochen, reiche ich nun noch ein paar weitere Bindestrichregeln nach.
Zunächst möchte ich aber auf einen Blogeintrag zum Thema verweisen, der mir letzte Woche unter die Augen kam: http://www.sprachlog.de/2017/05/04/das-deppenleerzeichen-gibt-es-nicht-eine-art-replik/ Auf sprachlog.de schreibt Kristin Kopf über Bindestrich und Leerzeichen.

Ein interessanter Punkt in Kopfs Beitrag ist die Verwendung des Bindestrichs zum „auffälligen Trennen“. Dies spiegelt sich auch in meiner täglichen Arbeit als Lektor wider. Namen und Fremdwörter werden mit Bindestrich gekoppelt, laut Kopf, weil „sie […] strukturell ungewöhnlich und deshalb markierungsbedürftig [sind]“. Dies hat etwas mit unseren Lesegewohnheiten zu tun. Gerade bei Namen und Fremdwörtern kann es nämlich schnell zu Irritationen kommen, wenn man sie nicht kennt. In Mode vernarrte Menschen könnten heute ein Styleansinnen verfolgen, besser liest sich Style-Ansinnen. Oder ein Experte, fiktiver Name Klaus Kohlschütter, entwickelt eine Empfehlung, dann wird es bei Kohlschütterempfehlung schnell schwierig zu lesen: Kohlschütterem … ach nein … Kohlschütter|em … okay … Darum ist auch hier die Schreibung mit Bindestrich zu bevorzugen.

Hervorhebung, gleichrangige Adjektive und Farbwörter

Diese Form der Hervorhebung zeigt sich auch, wenn man Hoch-Zeit schreibt, weil man nicht die Vermählung, sondern eine meist geschichtliche Blütezeit meint. Gleichrangige Adjektive können ebenfalls mit Bindestrich geschrieben werden: ein heiter-beschwingter Abend. Verstärkt das erste Adjektiv hingegen nur, folgt kein Bindestrich: eine hochbeschwingte Veranstaltung. Wer Farbe bekennen will, der kann dies mit oder ohne Bindestrich tun. Stehen Farben nebeneinander, wird ein Bindestrich gesetzt. Meint man die Mischfarbe, entfällt er. Zu seinen blaugrünen Augen trägt er ein schwarz-weiß gestreiftes Hemd.

Aus-der-Haut-Fahren ist nicht angesagt, der Bindestrich feiert einen 100 : 0-Sieg

Dann gibt es da noch eine schöne Kategorie, die aus substantivisch gebrauchten Infinitiven besteht. Dahinter verbergen sich Formulierungen wie das Langsam-aber-sicher-kirre-Werden oder das In-habt-Acht-Stellung stehen.
Letztes Mal ging es bereits um einzelne Buchstaben, aber auch einzelne Ziffern werden mit Bindestrich geschrieben. Ganz egal ob es um den 14-jährigen Jungen oder den 14-Jährigen als solches geht. Auch 100-prozentig, x-beliebig oder 3-mal werden auf diese Weise mit Bindestrich geschrieben. Für Günther-Jauch- wie auch Fußballfans ist noch folgende Sache interessant: Ein 5 : 1-Sieg wird genau wie ein 50 : 50-Joker mit Bindestrich, aber Leerzeichen vor und nach dem Doppelpunkt geschrieben. Dies fand ich persönlich sehr ungewöhnlich, da man Leerzeichen in solchen Koppelungen nicht erwartet. Aber wie bei u. a. oder z. B. bleibt der Abstand „5 zu 1; 50 zu 50“ offenbar auch in einer Abkürzung bestehen.

Ich ziehe hier – Verzeihung für dieses allerletzte Wortspiel – einen Schlussstrich. Es gibt eine Menge Einsatzmöglichkeit für Bindestriche im Wortinneren, ob nun zur Hervorhebung oder aber weil es tatsächlich eine Regel vorschreibt. Tendenziell ist es besser, einen Bindestrich zu setzen, als gar nicht zu koppeln. Allerdings wäre überhaupt nichts dagegen einzuwenden, hin und wieder auch den Mut für eine ganz einfache, grundsolide Zusammenschreibung aufzubringen.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-MontagDienstag

Einzelne Buchstaben oder Ziffern werden mit Bindestrichen gekoppelt. A-Dur, 8-Tonner
Der Bindestrich wird dann gesetzt, wenn ein Wort in einem Kompositum hervorhebungsbedürftig ist oder markiert werden soll. Dies ist bei Namen und Fremdwörtern häufig der Fall. Meiser-Konstante, Publicity-Faktor
Unübersichtliche Konstruktionen, Aneinanderreihungen und gleichrangige Adjektive werden mit Bindestrichen versehen. Museums-Oberaufsichtsleiter, Zwei-Komponenten-Kleber, wild-romantisch
Außerdem kann man einen Bindestrich setzen, wenn drei Vokalbuchstaben aufeinandertreffen:
Allee-Entourage

[nsu-form]

Bindestrich im Wortinneren

Die deutsche Sprache kennt eine schöne Grundregel: Worte werden direkt miteinander verbunden, man schreibt weder Leer-Zeichen noch Binde Striche. Doch mit einer Bindestrich- und Leerzeichenschwemme, gerade in werbenden Texten, steigt die Unsicherheit. Und das ist gar nicht so verwunderlich.

Im Gegensatz zur Zusammenschreibung ist die Bindestrichschreibung ein Feld voll von Varianten und Ausnahmen, es gibt viele Auslegungsmöglichkeiten. Also schwingen wir die Hacke und lockern den Bindestrichboden ein wenig auf.

Endlich, endlich hielt sie das Druckerzeugnis in den Händen

Kürzlich bin ich einem Text über das Wort Druckerzeugnis gestolpert. Mir schien ein Bindestrich sinnvoll – der Duden empfiehlt ihn. Tatsächlich geht es hier um die Verständlichkeit. In den meisten Fällen wird man damit eine Zeitschrift oder Ähnliches meinen, also ein Druck-Erzeugnis. Man könnte natürlich auch von einem Drucker-Zeugnis sprechen. Von einer gedruckten Urkunde also (die ein Drucker zum Abschluss der Ausbildung erhält). Damit klar wird, was genau gemeint ist, sollte ein Bindestrich gesetzt werden.

Beim Treffen der Kreis-
schifffahrtsgesellschaftsteilhaber kam es zum Eklat

Das Gleiche trifft auf unübersichtliche Wortzusammensetzungen zu. Natürlich sind hier Diskussionen vorprogrammiert: Ab wann genau wird es unübersichtlich? Mancher Texter würde sicher schon Staub-Sauger unübersichtlich genug finden, um die Schreibung mit Bindestrich zu rechtfertigen. Bei einem Kompositum wie Kreisschifffahrtsgesellschaftsteilhaber sollte ein Bindestrich gesetzt werden, und zwar an der Haupttrennfuge. Im Beispiel könnte man also Kreisschifffahrts-Gesellschaftsteilhaber schreiben, wenn man den Gesellschafter der Kreisschifffahrt meint. Oder Kreis-Schifffahrtsgesellschaftsteilhaber – wenn der Gesellschafter einem bestimmten Kreis angehört.
Wo wir gerade bei drei zusammentreffenden Buchstaben sind: Einen Bindestrich kann man setzen, wenn drei Vokalbuchstaben aufeinanderfolgen. Man schreibt also Tee-Elefant oder Lama-Aasgeier; Teeelefant oder Lamaaasgeier sind aber auch richtig.

Noch mehr Bindestrichuneinheitlichkeiten auf einer Fischverpackung.
Interessant ist: Das Unternehmen schreibt Bio Forelle, aber Räucherfisch-Spezialität. Friedrichs-Rauchgeschmack, aber FRIEDRICHS Bio Räucherforellen.

Einzelbuchstabe sucht …

Wenn sich ein Einzelbuchstabe überlegt, was er überhaupt mit irgendwem gemeinsam hat – sagen wir mit Formelzeichen und Ziffern –, dann kann er an den Bindestrich denken. Man schreibt X-Beine oder V-Ausschnitt genau wie 8-Tonner und y-Achse. Zu dieser bunten Truppe stoßen auch die Abkürzungen in Komposita: KFZ-Schein, UKW-Frequenz, Lkw-Führerschein.
Falsch ist hingegen, was ich immer wieder im Supermarkt sehe, zum Beispiel auf Käsepackungen. Auch wenn Bioprodukte sicher tolle Lebensmittel sind, wird der erste Wortbestandteil weder mit einem Leerzeichen noch mit einem Bindestrich abgetrennt. Man schreibt Biokäse wie Biografie oder Biochemiker.

Ringel, Ringel Reihe, sind der Wörter dreie

Man kann sich ein DIN-A4-Heft kaufen oder zu einem Progressive-Rock-Konzert gehen. Wenn man nicht gerade einen fiesen Magen-Darm-Virus hat. Stehen mehrere Wörter vor einem Zweitglied, werden sie mit Bindestrichen durchgekoppelt.

Jetzt aber erst mal kurz ausruhen: Da schon ganze Menge Bindestrichregeln zusammengekommen sind (und heiter an den Händen gefasst vor den Augen tanzen), wird das Vorbeten weiterer Regeln auf den nächsten Karacho-Montag-Beitrag verschoben.

Beim Lesen ganz schnell in die Jahre kommen

Dass man auch heute noch als Achtzehnjähriger auf Achtzigerjahrepartys Spaß haben kann, steht wohl außer Frage. Nachhaken sollte man allerdings bei allen Schreibweisen, die damit in Verbindung stehen. Wer beim Lesen des Textes nicht alt werden will, kann hier zur Zusammenfassung springen.

Ich hätte heute natürlich der Frage nachgehen können, warum es in journalistischen Artikeln mal Fußball-Kommentator und dann wieder Fußballkommentator heißt. Weil ich aber davon ausgehe, dass im Moment die entsprechende Zielgruppe sowieso zu beschäftigt ist, um meinen Rechtschreibhaarspaltereien zu folgen, gehe ich ganz fußballneutral in den Karacho-Montag.

Also: die Achtziger. Die 80er-Jahre. Es braucht weder g noch i. Zulässig wäre auch die Schreibung 80er Jahre, Duden empfiehlt aber die Schreibung mit Bindestrich, egal ob das Jahrzehnt oder das Lebensalter gemeint sind. Diese Auslegung ist nicht ganz unumstritten, es gibt durchaus Befürworter der Schreibung ohne Bindestrich, vor allem, wenn das Jahrzehnt gemeint ist. Im Beitragsbild zeigt sich allerdings auch, warum die Bindestrichschreibung ganz brauchbar ist. Man liest dann nicht – mit einem Sinnsprung – „die 70er und 80er … Jahre“.

Der Achtzehnjährige wird mit Ziffer so geschrieben: der 18-Jährige. Klein geschrieben wird jährig, wenn es als Adjektiv auftaucht: die 18-jährige Fahrschülerin. Steht die Ziffer zuerst, werden solche Komposita immer mit Bindestrich geschrieben. Formen mit „fach“ können wahlweise mit oder ohne Bindestrich geschrieben werden: 2fach/2-fach. Reiht man Wörter und Ziffern aneinander, dann wird auch dafür der Bindestrich genutzt: der 40-Tonnen-Koloss. Oder man schreibt aus – und zusammen: der Vierzigtonnenkoloss.

In einem sind sich Tage, Wochen, Monate und Jahre übrigens gleich: 2-täglich, 2-wöchentlich, 2-monatlich, 2-jährlich bezeichnen einen wiederkehrenden Turnus, während 2-tägig, 2-wöchig, 2-monatig und 2-jährig für die zeitliche Dauer stehen. Darum kann man auch sagen: ein achtzigjähriger Jubilar, aber nicht ein achtzigjähriger Geburtstag (nur: ein achtzigster Geburtstag).

Und weil wir gerade bei Zahlwörtern sind: Diese werden auch kleingeschrieben, wenn ihnen ein Pronomen, ein Artikel- oder Zahlwort vorausgeht. Damit schreibt man zum Beispiel: Ich fiel auf alle viere. Die ersten fünf, die anrufen, gewinnen einen Schnellkochtopf.

Ob nun also alle fünf Neunzigjährigen der Spaß- und Tanzgemeinschaft „Hüftschwung“ auf eine 90er-Jahre-Raveparty gehen, oder zwei sich lieber dafür entscheiden, 6-monatlich bei einer Feier in die 80er einzutauchen bis es zwölf schlägt – mit ein paar Grundregeln sind alle fehlerfrei geschrieben unterwegs.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

Man schreibt 80er-Jahre oder 80er Jahre. Der Duden empfiehlt die Schreibung mit Bindestrich.

Altersangaben werden großgeschrieben, wenn sie das Subjekt bilden, klein, wenn sie als Adjektiv im Satz stehen. Der 18-Jährige schlug den 18-jährigen Schüler nieder.

Komposita, die Ziffern als Erstglied haben, werden mit Bindestrich geschrieben. Bei -fach ist auch die Schreibung ohne Bindestrich möglich. Ausgeschriebene Ziffern werden zusammengeschrieben. Wahnsinn, dieser 8-Tonner sieht von hier aus wie unter dem Mikroskop 32-fach/32fach vergrößert! Ja, absolut gigantisch, dieser Achttonner!

Punkt, Punkt, Komma, Strich …

und fertig? Ja – wenn, es so einfach wäre. Mit dem unscheinbaren Wörtchen Strich fangen die Kalamitäten an. Denn es gibt Bindestriche, Streckenstriche, Gedankenstriche. Teilweise unterschiedlich lang, jeweils unterschiedlich eingesetzt. Was, wo und wie erkläre ich in der heutigen Ausgabe des Karacho-Montags. Für alle, denen das ewige Geschreibe gegen den Strich geht, gibt es hier die schnelle Zusammenfassung.

Worauf man beim Nachdenken über Striche kommt: die Rettung des Galgenmännchens

Bei meinen Vorbereitungen zu diesem Blogbeitrag musste ich daran denken, dass man beim Wörterraten in der Schule ja regelmäßig kleine Männchen am Balken baumeln ließ. Ohne die Wortknobelei auf höchstem Niveau zu beherrschen, könnte man den kleinen Kerl vielleicht so retten: ein Galgen aus Bindestrichen, der Strick ein Gedankenstrich …
Gut, ehe es zu abseitig wird, erkläre ich hier der Grund meiner Gedankenspielerei: Bindestriche entsprechen in der Regel einem Viertelgeviert, man kennt sie als „Minus“ auf der Tastatur. Und es gibt Gedankenstriche, die einem Halbgeviert, also der doppelten Länge, entsprechen. Ein kurzer Galgen, ein langer Strich … müsste doch klappen, oder?

Der Bindestrich

Der Bindestrich, auch bekannt als Divis, verbindet zusammengehörende Wörter und ist damit der natürliche Feind des sogenannten Deppenleerzeichens. Zunächst: Beinahe alle Wörter können im Deutschen ganz einfach zusammengeschrieben werden. Der Bindestrich kann eingesetzt werden, um mehr Übersichtlichkeit zu schaffen (Fußballkommentator/Fußball-Kommentator) oder auch zur Hervorhebung einer Zusammensetzung (Karacho-Montag). Außerdem verbindet der Bindestrich Wörter mit Abkürzungen (EU-Norm) bzw. Konstruktionen aus fremdsprachigen (i. d. R. noch nicht „eingedeutschten“) und deutschen Wörtern; für das Wort Businessclass schlägt der Duden zum Beispiel momentan noch die alternative Schreibung Business-Class vor. Schließlich kommt der Bindestrich auch als Ergänzungsstrich (Apfel- oder Rhabarberkompott) und als Strich der Silbentrennung vor. Was allen Anwendungsarten gemein ist: Es gibt keinen Abstand zwischen Wort und Bindestrich.

Der Gedankenstrich

Die Abstandsregel sieht beim Gedankenstrich ganz anders aus: jeweils ein Leerzeichen trennt ihn vom umgebenden Text. Er wird vor allem als Pausen- bzw. Ankündigungszeichen eingesetzt (Es gab einen Schlag – dann folgte Stille. Ich trat erwartungsvoll in die Küche – Mutter machte wirklich Buchteln!). Auch für Einschübe (Teilsatz, Satz, Zusatz) wird der Gedankenstrich, analog zum Komma, verwendet: Diese Buchteln – sie strahlten und dampften in der Schüssel wie pures Gold – waren sein ganzes Glück. Zu beachten ist dabei, dass die generelle Zeichensetzung unangetastet bleibt: Dass diese Buchteln sein ganzes Glück waren – sie strahlten und dampften in der Schüssel wie pures Gold –, konnte man ohne jeden Zweifel sagen.
Wird der Gedankenstrich hingegen als Streckenstrich verwendet, entfällt der Abstand. Dies – und die Verwendung des kurzen Bindestrichs als Streckenstrich – sind im Lektorat häufig anzutreffende Fehler. Der Streckenstrich steht zum Beispiel bei Öffnungszeiten (9–15 Uhr), Entfernungsangaben (Berlin–Helsinki: ca. 1248 km) oder auch Seitenzahlen (S.12–14).
Der Gedankenstrich wird zudem als Minuszeichen und zur Kennzeichnung von zeilenweise gegliederten Aufzählungen als Spiegelstrich verwendet. Hier steht er frei vor der Zeile:
Städte, die ich noch besuchen will:
– Helsinki
– Berlin
– Budweis

Fertig ist das Mondgesicht …

Im Großen und Ganzen ist das einfache Wörtchen Strich also tatsächlich kein überkomplexes Thema. Bei den meisten Korrekturen spielen nur Verwechslungen von Binde- und Gedankenstrichen sowie das (Nicht-)Einhalten von Abständen eine Rolle. Für den zweiten Gedankenstrich einen kürzeren Bindestrich zu verwenden ist übrigens auch ein beliebter Fehler. Neben den erwähnten Strichen gibt es auch noch den Geviertstrich, der aber sehr selten vorkommt. Er wird im Englischen als Gedankenstrich ohne Abstände eingesetzt.

Ein Beispiel, das die fehlerhafte Verwendung von Bindestrichen zeigt.
Bei diesem Beispiel ist mir nicht klar, welcher Regel der Ersteller in puncto Streckenstrichen folgt.

In der Verwendung der einzelnen Striche geht es häufig drunter und drüber, sie stellen für viele Schreibende nur Marginalien dar, die häufig nach Gutdünken eingesetzt oder von Word auto-formatiert werden. Darum kann die durchgehend korrekte Verwendung häufig schon als Indikator für die Versiertheit und Sorgfalt im Umgang mit der Sprache angesehen werden. Es gilt also auch hier: kleine Sache, große Wirkung.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

Der Bindestrich
entspricht einem Viertelgeviert. Er wird immer ohne Abstände eingesetzt und verbindet Wörter mit anderen (fremdsprachigen) Wörtern oder Abkürzungen (Karacho-Montag, Business-Class, EU-Norm). Er ist Ergänzungs- und Silbentrennungsstrich. Er liebt Vanille- und Schokobuchteln.

Der Gedankenstrich
ist doppelt so lang wie der Bindestrich (Halbgeviert). Er wird fast immer mit Abständen eingesetzt und gilt als Pausen- und Ankündigungszeichen: Achtung – hier komme ich. Außerdem wird er für Einschübe verwendet. Das ist – und das sehe ich wirklich so – eine schöne Sache. Eine Ausnahme stellt seine Verwendung als Streckenstrich dar (bis-Strich, 9–15 Uhr): Hier entfallen die Abstände.

 

Der nächste Karacho-Oster-Montag hilft beim Suchen. Beliebte Fehlerverstecke, die im Lektorat immer wieder auftauchen, sind dann das Thema. Tragen Sie sich gerne in den Newsletter ein, wenn Sie etwas über die besten Korrektoren-Eastereggs erfahren wollen.