Großschreibung nach Doppelpunkt? In diesen Fällen geht es großgeschrieben weiter

Der Doppelpunkt als Zeichen der Ankündigung bringt eine häufige Frage mit sich, das merke ich in der Korrektur. Wie weiter, wenn er gesetzt wurde? Großschreibung nach dem Doppelpunkt, Kleinschreibung? In diesem Beitrag will ich die Antwort und eine Erklärung liefern. Karacho-Kenner wissen es bereits: Eine Zusammenfassung des Beitrags für alle Eiligen gibt es am Ende des Artikels.

Im Alphabet steht er zwischen Doppelprogramm und Doppelqualifikation. Der Duden kennt ihn als „Satzzeichen in Form zweier übereinanderstehender Punkte“. Selbst wer ihn nicht aktiv setzt, verwendet ihn ziemlich sicher; der Doppelpunkt ist ein Grundbaustein von Smileys. Als Satzzeichen wird er zur Trennung von Worten oder Einheiten schon lange verwendet. Man findet ihn zum Beispiel auf dem Nestorbecher von Ischia aus dem 8. Jahrhundert v. Chr., dort setzt er Versteile voneinander ab.
Während Smileys ganz einfach zusammengesetzt werden, ist die Schreibung nach dem Doppelpunkt bestimmten Regeln unterworfen, die ich an dieser Stelle erläutern möchte.

Großschreibung nach Doppelpunkt: Substantive und Eigennamen bleiben, wie sie sind

Wer den Doppelpunkt als Satzzeichen verwendet, stellt sich fast immer die gleiche Frage: Wann geht es nach dem Doppelpunkt großgeschrieben weiter, wann klein?

Zuerst das Einfache: Substantive und Eigennamen werden nach Doppelpunkt wie üblich großgeschrieben. Es gab nur eine, die ich wollte: Tina. Auch wenn eine direkte Rede folgt, wird großgeschrieben. Sie fragte: „Wen willst du?“

Sätze nach Doppelpunkt: Groß weiter, wenn sie als selbstständig gelten, sonst folgt Kleinschreibung

Darüber hinaus folgt die Großschreibung, wenn nach dem Doppelpunkt ein selbstständiger Satz folgt.

  • Eines war mir schon immer klar: Ich wollte Tina.
  • Paul, Georg, Ole: Das sind alles tolle Männer.

Wenn man einen eigenständigen Satz nach dem Doppelpunkt als Zusammenfassung des vorher Gesagten auffasst, kann ein solcher Satz auch kleingeschrieben weitergehen. Im Prinzip könnte in diesem Fall auch ein Gedankenstrich statt des Doppelpunktes stehen. Also: Paul, Georg, Ole – das sind alles tolle Männer. Genauso geht: Paul, Georg, Ole: das sind alles tolle Männer.
Andersherum können auch Sätze, die nicht selbstständig sind, als in sich geschlossene Sinneinheit angesehen werden. Wenn man den Doppelpunkt auch durch einen Punkt ersetzen könnte, folgt Großschreibung.
Paul, Georg und Ole helfen wo sie können: Alles tolle Männer.

Grundsätzlich gilt aber, dass unselbstständige Einzelwörter oder eine Wortgruppe nach dem Doppelpunkt kleingeschrieben werden.

  • Heute in der Kantine: drei Grützwürste mit Kartoffelbrei.
  • Ich wusste nur eines: dass ich Tina wollte.

In Überschriften bleiben die beschriebenen Regeln gleich

All diese Regeln gelten übrigens 1:1 für Überschriften. Wenn sich eine Erläuterung durch nämlich, das heißt, das ist, zum Beispiel und dergleichen anschließt, steht immer ein Komma statt des Doppelpunktes.

Doppelpunkte überall

Was Texter wissen: Doppelpunkte können glücklich machen, indem sie strukturieren, den Leser auf das Kommende aufmerksam machen, eine Begründung, Erläuterung und Fortführung ankündigen. Und sie scheinen eine schier unerschöpfliche Quelle für Benennungen zu sein. So gibt es eine Agentur mit dem Namen Doppelpunkt, aber auch ein evangelisches Wochenmagazin oder eine Publikation der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Und auch das dgs-doppelpunkt Fortbildungsinstitut für Sprachheilpädagogik macht seinem Namen alle Ehre. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, Sprachdoppelpunkte allerorten in der Google-Ergebnisliste.

Wie bei jedem anderen Satzzeichen auch sollte sich allerdings keine Flut an Doppelpunkten über den Text ergießen. In einigen Projekten habe ich schon Vorgaben gefunden, dass man zum Beispiel Doppelpunkte oder Gedankenstriche nur einmal pro Absatz verwendet. Gerade beim Lesen am Bildschirm wirkt der Text sonst schnell überladen.

Diesen Beitrag habe ich zuerst am 7. März 2016 veröffentlicht und am 16. Januar 2019 grundlegend überarbeitet und erweitert.

Titelbild: Mel Poole on Unsplash

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

Großschreibung folgt nach dem Doppelpunkt bei selbstständigen Sätzen, direkter Rede, Substantiven, in sich abgeschlossenen Sinneinheiten und Eigennamen.

Nach dem Doppelpunkt geht es klein weiter, wenn Einzelwörter oder Wortgruppen folgen oder wenn ein selbstständiger Satz als Zusammenfassung des Gesagten verstanden wird.

Beim Lesen ganz schnell in die Jahre kommen

Dass man auch heute noch als Achtzehnjähriger auf Achtzigerjahrepartys Spaß haben kann, steht wohl außer Frage. Nachhaken sollte man allerdings bei allen Schreibweisen, die damit in Verbindung stehen. Wer beim Lesen des Textes nicht alt werden will, kann hier zur Zusammenfassung springen.

Ich hätte heute natürlich der Frage nachgehen können, warum es in journalistischen Artikeln mal Fußball-Kommentator und dann wieder Fußballkommentator heißt. Weil ich aber davon ausgehe, dass im Moment die entsprechende Zielgruppe sowieso zu beschäftigt ist, um meinen Rechtschreibhaarspaltereien zu folgen, gehe ich ganz fußballneutral in den Karacho-Montag.

Also: die Achtziger. Die 80er-Jahre. Es braucht weder g noch i. Zulässig wäre auch die Schreibung 80er Jahre, Duden empfiehlt aber die Schreibung mit Bindestrich, egal ob das Jahrzehnt oder das Lebensalter gemeint sind. Diese Auslegung ist nicht ganz unumstritten, es gibt durchaus Befürworter der Schreibung ohne Bindestrich, vor allem, wenn das Jahrzehnt gemeint ist. Im Beitragsbild zeigt sich allerdings auch, warum die Bindestrichschreibung ganz brauchbar ist. Man liest dann nicht – mit einem Sinnsprung – „die 70er und 80er … Jahre“.

Der Achtzehnjährige wird mit Ziffer so geschrieben: der 18-Jährige. Klein geschrieben wird jährig, wenn es als Adjektiv auftaucht: die 18-jährige Fahrschülerin. Steht die Ziffer zuerst, werden solche Komposita immer mit Bindestrich geschrieben. Formen mit „fach“ können wahlweise mit oder ohne Bindestrich geschrieben werden: 2fach/2-fach. Reiht man Wörter und Ziffern aneinander, dann wird auch dafür der Bindestrich genutzt: der 40-Tonnen-Koloss. Oder man schreibt aus – und zusammen: der Vierzigtonnenkoloss.

In einem sind sich Tage, Wochen, Monate und Jahre übrigens gleich: 2-täglich, 2-wöchentlich, 2-monatlich, 2-jährlich bezeichnen einen wiederkehrenden Turnus, während 2-tägig, 2-wöchig, 2-monatig und 2-jährig für die zeitliche Dauer stehen. Darum kann man auch sagen: ein achtzigjähriger Jubilar, aber nicht ein achtzigjähriger Geburtstag (nur: ein achtzigster Geburtstag).

Und weil wir gerade bei Zahlwörtern sind: Diese werden auch kleingeschrieben, wenn ihnen ein Pronomen, ein Artikel- oder Zahlwort vorausgeht. Damit schreibt man zum Beispiel: Ich fiel auf alle viere. Die ersten fünf, die anrufen, gewinnen einen Schnellkochtopf.

Ob nun also alle fünf Neunzigjährigen der Spaß- und Tanzgemeinschaft „Hüftschwung“ auf eine 90er-Jahre-Raveparty gehen, oder zwei sich lieber dafür entscheiden, 6-monatlich bei einer Feier in die 80er einzutauchen bis es zwölf schlägt – mit ein paar Grundregeln sind alle fehlerfrei geschrieben unterwegs.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

Man schreibt 80er-Jahre oder 80er Jahre. Der Duden empfiehlt die Schreibung mit Bindestrich.

Altersangaben werden großgeschrieben, wenn sie das Subjekt bilden, klein, wenn sie als Adjektiv im Satz stehen. Der 18-Jährige schlug den 18-jährigen Schüler nieder.

Komposita, die Ziffern als Erstglied haben, werden mit Bindestrich geschrieben. Bei -fach ist auch die Schreibung ohne Bindestrich möglich. Ausgeschriebene Ziffern werden zusammengeschrieben. Wahnsinn, dieser 8-Tonner sieht von hier aus wie unter dem Mikroskop 32-fach/32fach vergrößert! Ja, absolut gigantisch, dieser Achttonner!