Komma vor sondern – immer, manchmal, nie?

Das Komma vor „sondern“ ist eigentlich ein recht klarer Fall. Trotzdem will ich in diesem Text die Regel beleuchten und ein paar Beispiele diskutieren.

Wenn man sich an die eigene Kindheit erinnert, kommt einem der folgende Satz vielleicht ganz vertraut vor: „Ich will das aber nicht!“ Und das Gegenüber, Mutter, Vater, Oma, Opa, fragte dann: „Sondern?“ Als Kind musste man sich hauptsächlich mit dem Einzelwort sondern herumschlagen, als Erwachsener kommt häufig noch die Kommafrage dazu.

Wann wird vor „sondern“ ein Komma gesetzt?

Sondern hat ein ganz bestimmtes Verhältnis zum Komma. Es gehört zur Gruppe der Konjunktionen, es ist also ein Bindewort. Bindewörter verbinden Wortgruppen, Wörter, Sätze oder Teilsätze. Anders als und, oder und sowie ist sondern allerdings eine adversative (das heißt entgegensetzende) Konjunktion. Die Satzverbindung erfolgt über den Gegensatz. Das wird deutlich, wenn wir in der Situation vom Anfang des Textes bleiben und einen weiteren Beispielsatz bilden: Ich will kein Gemüse essen, sondern Eis. Oder mit einem ganz anderen Beispiel: Er ist nicht stumm, sondern er hat Angst. Das Komma wird in diesen Fällen immer gesetzt, es gibt keine Ausnahmen.

Komma-Beispielsätze: sondern

  • Ich bin nicht verantwortlich, sondern der Mann da vorn.
  • Ich habe mich nicht für Schuhe entschieden, sondern bin barfuß gegangen.
  • Der Würfel ist nicht rund, sondern eckig.

Das Komma wird ebenso immer gesetzt in der Fügung „nicht nur … sondern auch“

  • Er spielt nicht nur für Potsdam, sondern auch für Berlin.
  • Ein Lektorat prüft nicht nur die Rechtschreibung, sondern auch den Inhalt.

Bei der Benutzung von sondern auch mit singularischen Subjekten wird das Verb überwiegend ebenfalls im Singular eingesetzt. Nicht nur die Katze, sondern auch der Hund lief davon.

Vor „sondern“ wird immer ein Komma gesetzt

Bei der Frage nach dem Komma ist der Fall bei sondern also klar. Es wird immer ein Komma gesetzt. Dies gilt auch für Satzverbindungen mit sondern auch.

Nachgeschlagen

Die entgegensetzende Konjunktion sondern erfordert immer ein Komma.
Ich bin nicht gelangweilt, sondern müde.
Sie ist nicht nur gemein, sondern auch sehr eingebildet.

Komma vor und: Alles, was Sie dazu wissen müssen

Ein Komma vor und zu setzen, mag einem manchmal widersinnig erscheinen, aber es ist in vielen Fällen durchaus möglich und auch angebracht. Das Komma vor und ist ein Dauerbrenner, wenn es um generelle Fragen der Kommasetzung geht. Also: Entweder in den Text eintauchen[,] oder gleich in die Zusammenfassung schauen.

Die Kommasetzung war bei mir noch vor ein paar Jahren absolut im Bereich von Zufall und Gefühl angesiedelt, Kommas waren für mich ein unerfassbarer Bestandteil der Chaostheorie. Inzwischen habe ich mir mit regelmäßiger Konsultation von Regeln und Ratgebern ein grundlegendes Verständnis der Kommasetzung angeeignet, es gibt aber immer noch etliche Fälle, in denen ich nachschaue. Das Komma vor und, das Komma vor sowie und oder gehört mit großer Regelmäßigkeit dazu. Generell gilt: Hauptsätze – also Sätze bzw. Satzteile, die allein für sich stehen könnten – müssen, wenn sie durch eine Konjunktion (und, oder etc.) verbunden sind, nicht durch Kommas abgetrennt werden. Ein optionales Komma ist aber möglich.

Die Kinder sahen das Auto[,] und Frau Müller stieg ein.
In diesem Fall könnte man ein Komma setzen, um das Lesemissverständnis zu vermeiden, dass die Kinder das Auto und Frau Müller sahen. Das optionale Komma kann auch als strukturierendes Element gesetzt werden, um die Struktur des Satzgefüges zu verdeutlichen.

Kein Komma vor und bei gleichrangigen Nebensätzen

Im nächsten Fall werden Haupt- und Nebensatz verbunden. Die Kinder sahen, dass das Auto voll war und [dass] Frau Müller einzusteigen versuchte. Das Komma markiert die Grenze zwischen den Satzteilen. Nebensätze erkennt man u. a. daran, dass die finite Verbform am Ende steht, also nach Person und Zahl bestimmt ist. Nebensätze werden häufig über Relativpronomen (der, die, das, welcher), unterordnende Konjunktionen (als, dass) oder Interrogativpronomen (was, wann, wer) an Hauptsätze angebunden. Im Beispiel sind zwei Nebensätze gleichrangig an den Hauptsatz angeknüpft, beide sind mit dass verbunden. Es wird kein Komma vor und gesetzt.

Die Kinder sahen, dass das Auto voll war, und stiegen nicht mehr zu. Hier handelt es sich um einen eingeschobenen Nebensatz; er wird auch dann mit Kommas abgetrennt, wenn der übergeordnete Satz mit einer Konjunktion weitergeführt wird.

Zwei weitere Beispiele für die Analyse:
Die Kinder sahen, dass das Auto voll war und Frau Müller, die nicht mehr hineinkam, sich ein Taxi rief.
Die Kinder sahen, dass das Auto voll war[,] und Frau Müller, die nicht mehr hineinkam, rief sich ein Taxi.

Im ersten Satz schließen sich zwei gleichrangige Nebensätze an den Hauptsatz an. In den danach folgenden Nebensatz ist ein weiterer, untergeordneter Nebensatz eingeschoben, der mit Kommas abgetrennt wird. Im zweiten Satz haben wir es mit einer komplexen Konstruktion von zwei eigenständigen Satzgefügen zu tun. Das Komma vor und sollte strukturierend gesetzt werden. Ähnlich funktioniert es mit dem folgenden Satz von einer früheren Version meiner Homepage.

Noch ein Kommadreisatz

Sie haben so viel Zeit mit Ihrem Text verbracht, dass Sie ihn nicht mehr vorurteilsfrei sehen können und eine zweite Meinung brauchen?
Wieder handelt es sich um zwei gleichrangige Nebensätze. Das Komma muss aber gesetzt werden, wenn aber, jedoch, sondern auftreten:
Sie haben so viel Zeit mit ihrem Text verbracht, dass Sie ihn nicht mehr allein bewältigen können, sondern eine zweite Meinung brauchen?
Mit eingeschobenem Nebensatz sieht die Konstruktion so aus:
Sie haben so viel Zeit mit ihrem Text verbracht, dass Sie ihn nicht mehr vorurteilsfrei sehen können, und brauchen eine zweite Meinung?

Gerade bei komplexen Satzkonstruktionen treffen Regeln aufeinander, die sich im Einzelfall gegenseitig aufheben oder überlagern. In diesen Fällen ist es sehr wichtig zu verstehen, wie die Sätze aufgebaut sind. Texte mit richtigen (und optionalen) Kommas lassen Leser/-innen weniger stolpern. Und wenn Ihnen das jetzt alles richtig vorkommt, Sie aber trotzdem wieder im Kommachaos versinken, wenden Sie sich gern an mich!

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

Verbundene Hauptsätze werden mit Komma abgetrennt. Auch wenn sie durch eine Konjunktion wie und verbunden sind, kann ein Komma gesetzt werden. Der Himmel war blau[,] und der Tag war heiß.

Kein Komma steht vor und, wenn die Konjunktion zwei gleichrangige Nebensätze verbindet, die an einen Hauptsatz angeknüpft sind. Sie sagte, dass der Himmel blau sei und [dass] der Tag heiß [sei].

Ein Komma steht vor und, wenn ein Nebensatz eingeschoben ist und der übergeordnete Satz weitergeht: Ich sagte, dass es wirklich heiß sei, und schaltete die Klimaanlage ein.

Beitragsbild: comma chameleon von debaird unter der Lizenz CC BY-SA 2.0

Komma beim Infinitiv mit zu: Wann wird es gesetzt?

Der heutige Karacho-Montag blickt auf die Kommasetzung bei Infinitivgruppen. Wann steht ein bei einem Infinitiv mit zu ein Komma? Wann steht kein Komma beim Infinitiv mit zu? Statt ins Kino zu gehen können Sie sich also mit meinem Text über die Kommas martern und erfahren, warum ich im Text des Beitragsbildes lieber ein Komma gesetzt hätte. Die Foltersitzung im Schnelldurchlauf gibt es auch als Zusammenfassung.

Der Vorgang, Infinitivgruppen mit Kommas abzutrennen, orientiert sich im Kern ein bisschen am ganz frühen Werbeverhalten in Liebesdingen: dem Zettelchen mit Ankreuzmöglichkeit. Mit den drei möglichen populären Antwortkästchen Ja, Nein, Vielleicht kommen wir auch bei den Infinitiven weiter. Weiß nicht ist zumindest in diesem Beitrag keine Option.

Komma beim Infinitiv mit zu: Ja, ich will ein Komma bei Infinitivgruppen setzen

Infinitivgruppen, die durch ein Komma abgetrennt werden müssen, werden durch als, anstatt, außer, um, ohne, statt eingeleitet. „Ich ging lieber ins Kino, statt etwas über Kommas zu lesen.“ Auch Verbindungen mit einem Substantiv fordern ein Komma: „Es bereitet mir Kummer, dir zuzuhören. Mein Wunsch ist, dich zu verlassen.“ Schließlich gibt es auch hinweisende Wörter, die den Infinitiv ankündigen oder wiederaufnehmen. Auch diese Verbindungen werden mit Kommas abgetrennt. Natürlich denke ich daran, dir morgen zu schreiben. Es macht mir nichts aus, auf dich zu warten. Auf dich zu warten, das ist mein größtes Vergnügen. (Hinweisende Wörter sind u. a.: daran, darum, darauf; es, das, dies.) In all diesen Fällen steht verpflichtend ein Komma vor dem Infinitiv mit zu.

Infinitiv mit zu: Nein, ich will kein Komma setzen

Es gibt auch Fälle, in denen kein Komma gesetzt werden darf. Dies betrifft zum Beispiel Sätze, in denen die Infinitivgruppe in eine verbale Klammer einbezogen ist: Er hat nicht anzurufen gewagt. Ich will dir dieses Beispiel zu erläutern versuchen. Ebenfalls kein Komma setzt man, wenn ein Hauptsatz umschlossen wird. Dies geschieht bei der sogenannten Spitzenstellung. Aus dem Satz Ich bitte Sie[,] mir dieses Geld zu überweisen wird in Spitzenstellung: Dieses Geld bitte ich Sie mir zu überweisen. Die Spitzenstellung findet sich häufig in Geschäftsbriefen und wirkt relativ steif. Auch bei Verschränkung mit dem Begleitsatz wird kein Komma gesetzt. Also: Er wagte nicht[,] das Auto zu nehmen aber Er wagte das Auto nicht zu nehmen.
Hängt der Infinitiv von einem Hilfsverb ab, wird ebenfalls kein Komma gesetzt, denn die Verbindung bildet das Prädikat des übergeordneten Satzes. Dies betrifft Verben wie sein, pflegen, brauchen, haben, scheinen; sowie drohen (Gefahr laufen) und versprechen (den Anschein erwecken), vermögen, verstehen und wissen (im Sinne von können). Er war nicht einzuschüchtern. Wir haben zu danken. Er schien kein Interesse zu haben. Er drohte abzustürzen. Ich vermochte es nicht zu verhindern. Mit anderen Verben wie anfangen, aufhören, bitten, denken, fürchten etc. kommen wir übrigens direkt zum dritten und letzten Kästchen.

Ich will … vielleicht … ein Komma setzen …?

Bei anfangen und den anderen Verben ist nicht klar, ob sie sich der Infinitivgruppe als Hilfs- oder Vollverben anschließen. Darum ist die Kommasetzung freigestellt. Man entscheidet danach, ob man die Personalform als eigenständig ansieht (mit Komma) oder die enge Zusammengehörigkeit von Personalform und Infinitiv betont: Lass uns anfangen ihn zu suchen. oder Lass uns anfangen, ihn zu suchen. Generell gilt diese Freiheit der Kommasetzung für alle bloßen Infinitive mit zu. Kommas sollte man setzen, um Sätze zu strukturieren oder (vorübergehende) Missverständnisse beim Lesen zu vermeiden. Dabei ist auch Länge der Wortgruppe entscheidend. Ich beschloss[,] zu gehen. Aber: Ich beschloss, mit meinen vielen Freunden noch auf ein paar wenige Bierchen und Erdnüsse in unsere Lieblingspilskneipe zu gehen. Wie im Kommentar durch „Klausens“ bemerkt, sind die Kommas im folgenden Satz verpflichtend (ich hatte sie zuerst als optional dargestellt), da die Infinitivgruppe von einem Substantiv abhängt: Sein Wunsch, mich zu sehen, war maßlos. Ist die Infinitivgruppe eingeschoben, muss man darauf achten, entweder beide Kommas oder gar keins zu setzen. Dazu habe ich auch schon etwas an einem anderen Karacho-Montag geschrieben.
Im Einleitungstext des Deutschlandfunks wäre ein Komma – an sich – günstig, damit man beim Lesen nicht stolpert: Es käme derzeit gut an, sich … Schließlich legen journalistische wie auch Werbetexte Wert auf Verständlichkeit und gute Lesbarkeit. Zwingend ist das Komma natürlich trotzdem nicht.

Häufig bieten Infinitivgruppen also die Möglichkeit, sich bei der Kommasetzung ganz frei zu entfalten. Man muss gar nicht fest zu- oder absagen. Und Menschen, die ganz klare Nein-Regeln wollen, könnten die Nichtkommasetzung durch bestimmte Wortstellungen oder die Abhängigkeit von Hilfsverben sogar gezielt herbeiführen. Explizit werden Kommas hingegen bei hinweisenden Wörtern oder Subjektivbezug gesetzt. Bloß ob man das alles im Kopf behalten kann und will? Genau wie es die Zettelwirtschaft in Liebesdingen war, kann es sehr hin und wieder sehr anstrengend sein, beim Infinitiv mit zu ein Komma. Nachschauen lohnt sich immer wieder.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

Kommasetzung bei Infinitivgruppen

Komma bei Infinitiv mit zu zwingend: Bei einleitenden Wörtern wie als, anstatt, außer, um, ohne, statt, bei hinweisenden Wörtern der Einleitung oder Wiederaufnahme – daran, darum, darauf, es, das, dies – und bei Substantivbezug. Er versagte, anstatt zu überzeugen. Es war krank, daran gab es nichts zu rütteln. Es ist mein Wunsch, bei dir zu sein.

Kein Komma bei Infinitiv mit zu: Bei bestimmten Wortstellungen: (1) Verbale Klammer, (2) Spitzenstellung, (3) Verschränkung mit dem Begleitsatz: (1) Sie hat nicht zu singen verstanden. (2) Den Brief beschloss er sofort zu versenden. (3) Sie wagte den Brief nicht zu versenden.
Bei Abhängigkeit von bestimmten Hilfsverben (sein, haben, brauchen, pflegen, scheinen) und der Wendung es gibt. Wir brauchen sie nicht anzurufen. Es gibt nicht genug zu tun.

Infinitiv-Komma fakultativ: Bei allen einfachen Infinitivformen mit zu. Man setzt Kommas, um Missverständnisse zu vermeiden oder Sätze zu strukturieren, insbesondere bei langen Wortgruppen. Also: Ich freue mich später Bier zu trinken. Ich freue mich, später in meiner Lieblingskneipe in der Wiclefstraße mit meinen Freunden Ole, Klaus und Heidi bei guter Musik Bier zu trinken.

 

Er beschloss weiterzumachen: Nächstes Mal gibt es hier ein paar Sätze zur Konjunktion und sowie dem zugehörigen Et-Zeichen.