Komma in Urlaub!

Bevor ich auf dem Weg in den Urlaub noch eine Münze in die Wortspielkasse werfe, hier noch ein kleines Kommaexempel. Es zeigt sehr schön, wie der kleine Strich den Sinn eines ganzen Satzes verändern kann. Mein Ausgangssatz sah so aus:

Patienten, die erstmals unsere Praxis aufsuchen möchten, können sich mit einem akuten Anliegen täglich, außer dienstags zwischen 08:00–10:00 Uhr in der Praxis vorstellen.

Ich habe das zweite Komma nach dienstags gesetzt, das ging aus den Sprechzeiten hervor. Nur am Dienstagvormittag gibt es also keine Sprechstunde für neue Patientinnen und Patienten.

Wenn das Komma nur ein bisschen verrutscht wäre, nämlich hinter 10:00 Uhr, dann hätten kommageschulte Patienten und Patientinnen der Praxis zu jeder Zeit die Bude einrennen können, außer eben am Dienstag zwischen 8 und 10 Uhr.

Vielleicht hat meine Arbeit also den Ansturm der Massen verhindert. Obwohl eine Arztpraxis natürlich nicht Primark ist und nur Lektoren und sonstige Textpedanten auf die Idee kämen, einem Kommafehler folgend eine Behandlung ihrer Rückenschmerzen rund um die Uhr zu erwarten. Es bleibt also bei der Erkenntnis, dass ein Komma – zumindest theoretisch – den Unterschied machen kann.

Ich wünsche einen schönen Sommer, viele richtige Kommas, wenig Regen. Ab 14. August habe ich wieder Platz für neue Aufträge.

Schöne Feiertage!

Das Jahr 2016 steht kurz vor dem Aus. Für meine Selbstständigkeit als Freier Lektor gilt das glücklicherweise nicht. Das erste Jahr war spannend, lehrreich und hat mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Die Blogeinträge sind zum Ende hin spärlicher geworden. In diesem Fall ein gutes Zeichen: Ich komme kaum dazu, weil mir so viele Kunden ihre Texte anvertrauen. Darum wird der nächste Beitrag zu Apostrophen wohl erst im Januar erscheinen.

Ich wünsche auf diesem Weg allen, die ich nicht mehr persönlich erreiche, ein entspanntes, besinnliches Weihnachtsfest, einen guten Rutsch ins neue Jahr und eine erholsame Ferienzeit.

Ab dem 4. Januar widme ich mich dann wieder Texten, Fehlern, Blogs und Websites.

Tote Leiche? Wiederholung und Redundanz in Texten

Wiederholungen sind ein Thema, sowohl für das Lektorat wie auch für das Korrektorat. Mal sind es nur einzelne Wörter, mal ganze Passagen, in den sich Sätze inhaltlich wiederholen. Eingreifen muss man aber nicht immer. Das ganze nochmal anders, aber kürzer in der Karacho-Box.

Eine Marmelade mit 70 % Fruchtanteil schmeckt wirklich gut, und besonders viel Zucker ist auch nicht drin. Klar, dass man da „Reich an Frucht“ auf das Etikett schreibt. Direkt darüber steht allerdings „Fruchtreich“ in Versalien, also in Großbuchstaben. Ob hier das Adjektiv gemeint ist, und wir es damit mit einer Wiederholung ohne Informationszuwachs zu tun haben, ist nicht leicht aufzulösen. Allerdings: Wäre das „Fruchtreich“ als Ort gemeint, in etwa wie „Königreich“, wäre die Frage, ob damit intendiert wäre, was sich die Werber gedacht haben. Ein Königreich enthält in der Regel jedenfalls nur einen einzigen König …

Gute Wiederholung, schlechte Wiederholung

Gemeint, intendiert, beabsichtigt; Wiederholung, Redundanz, Repetition: Synonyme helfen uns, Wortwiederholungen zu vermeiden, und Texte sprachlich interessant zu gestalten. Ein breiter Wortschatz kann helfen, dem Geschriebenen mehr Tiefe zu verleihen. Es darf allerdings nicht selbstgefällig und übertrieben wirken, falsch eingesetzte Fremdwörter und leere Worthülsen können der Todesstoß für jeden Text sein. Wie immer gilt, dass es Ausnahmen gibt. So kann die genaue Wortwahl in Fachtexten wichtiger als jede sprachliche Varianz sein, vor allem, wenn der Fachtext auf große Genauigkeit abzielt. Ausdrücklich gewollt ist die Wiederholung in der Poesie bzw. in poetischer Sprache, zum Beispiel als Mittel für Klang, Rhythmus und Bildhaftigkeit. Wiederholungen können hier Hervorhebungen oder Akzentuierungen sein.

Wiederholung als rhetorisches Stilmittel

In der Rhetorik tritt die Wiederholung übrigens in Form der sich beiden stark ähnelnden Figuren Tautologie oder Pleonasmus auf: Ein Bedeutungsmerkmal erscheint in einem Ausdruck mehrfach, ist an sich aber überflüssig. Solche Fälle finden wir oft in gesprochener Sprache.
Die Urlauber hier sind relaxt und entspannt. Oha, das ist aber ein richtig weißes Albinokaninchen. Der Künstler kann ein umfangreiches Gesamtoeuvre vorweisen.
Wie auch die Wiederholung in der Poesie zielen Tautologie und Pleonasmus auf eine Wirkung der Verstärkung und Hervorhebung ab.
Ein interessanter Punkt sind auch die Wiederholungen in Verbindung mit Kurzwörtern, sogenannten Akronymen, die zwar redundant, aber meist schon verinnerlicht sind: HIV-Virus („human immunodeficiency virus“-Virus), PIN-Nummer („Persönliche Identifikationsnummer“-Nummer), ABM-Maßnahme (Arbeitsbeschaffungsmaßnahme-Maßnahme). Als Akronyme gelten in der Regel Kurzwörter, die aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildet werden.

Und was, wenn Leichen lebendig werden?

Mit der Lebendigkeit von Sprache und Kultur verändern sich hin und wieder aber auch die Bedeutungen einzelner Pleonasmen. Mit George A. Romeros „Night of the Living Dead“ begann 1968 der Aufstieg der Zombies, der lebenden Leichen. Und Bram Stoker hat den Vampir noch viele Jahre früher populär gemacht. Wenn man inzwischen auf die Unzahl an Serien, Filmen und Büchern schaut, die Antrieb und Ausdruck des kulturellen Phänomens „Untoter“ sind, dann wird klar, warum man auch mal von einer wirklich toten Leiche sprechen kann, ohne gleich redundant zu sein.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-MontagFreitag

Ob Wiederholungen gut, schlecht oder neutral zu bewerten sind, hängt von der Textart ab. Generell versucht man, Wiederholungen zum Beispiel durch Synonyme zu vermeiden, in Fachtexten schützt die Wiederholung aber vor Ungenauigkeiten und für die Poesie ist sie oft elementarer Bestandteil des Textes.

Formulierungen sind häufig daraufhin zu prüfen, ob ihre Mündlichkeit, die sich unter anderem in Pleonasmen oder Tautologien ausdrückt, in den Text übertragen werden soll.

Einige Akronyme werden sehr häufig tautologisch bzw. pleonastisch verwendet. Das heißt, an sie ist ein Wort angehängt, das in ihnen bereits enthalten ist: HIV-Virus, ABM-Maßnahme.

[nsu-form]

Korrektur, Korrektorat oder beides?

Unter dem Punkt Korrektur findet man auf meiner Seite, was ich zum Wesen und zur Notwendigkeit dieser Dienstleistung zu sagen habe. Heute geht es mir allerdings um etwas anderes, den Begriff des Korrektorats. Manche Lektoren bieten ja ohnehin nur ein Lektorat an, andere weisen das Korrektorat als eigene Dienstleistung aus. Schaut man sich dann an, was das Korrektorat bietet, so landet man der Definition nach bei der Korrektur.

Also sind Korrektur und Korrektorat ein und dieselbe Sache?

Der Art der Dienstleistung nach schon. Allerdings kann man im Duden nachlesen, dass das Korrektorat die Abteilung ist, in der Korrektorinnen und Korrektoren arbeiten. Nichts von einer Dienstleistung. Ansonsten sind die Suchergebnisse von Definitionen anderer Lektoratsseiten überschwemmt – und dort wird das Korrekturlesen häufig als Korrektorat bezeichnet.

Warum also Korrektorat?

Weil man die Abteilung ist, die eine Korrektur leistet? Oder weil es einfach schöner klingt in Verbindung mit Lektorat? Ich weiß es nicht, und mir fiel auch keine mögliche Begründung ein. Aber eine solche begriffliche Nachlässigkeit? – Wo wir doch als Lektorinnen immer so um Genauigkeit bemüht sind? Vielleicht ist es der Herdentrieb, der die Begriffsverwendung geprägt hat. Zumindest ich bin ja blökend mitgelaufen. Oder die Sache ist ganz anders gelagert und es fehlt mir nur an fachlicher Erhellung. Dafür gibt es ja dann die Kommentarfunktion.