Qualitätssicherung von Websites für 4selected

4selected mediendesign – das ist die Internetagentur der gelben Seiten aus Berlin. Seit Oktober 2016 arbeite ich mich durch die Seiten von Bauunternehmen, Ärzten, Hotels oder Friseuren. Auch ein Bootsbauer war schon dabei, Bestattungsinstitute sind auch nicht selten. Der Kontakt war eher zufällig. Die gelben Seiten wollten mich zu einem Eintrag als Freier Lektor beraten, aber die Agentur, die ein Stockwerk höher sitzt, suchte auch gerade nach Verstärkung in der Qualitätssicherung von Texten. Wenn ich Websites prüfe, kümmere ich mich nur um Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung. Es geht um einen letzten Blick, den Feinschliff also.

Viele Fehler sind ähnlich, oft geht es um Standards wie Begrüßungsformeln (Herzlich willkommen! – Willkommen wird kleingeschrieben, da es nicht um das Willkommen geht, das man einem Besucher herzlich bereiten könnte.) Auch die Leerzeichen bei z. B. oder u. a. sind fast immer einzufügen. Sehr beliebt sind auch falsche Kommas vor sowie. Viele der Seiten bergen mindestens einen kuriosen Fehler. Ich hatte schon mal darüber geschrieben, dass eine Firma Bewerber suchte, die Deutsch in Wort und Schritt beherrschen sollten.

Egal welche Fehler ich finde, ich arbeite sie direkt ins CMS, meist WordPress, ein. So kann sich die Agentur einen zweiten Durchgang sparen. Die Korrektur im Backend ist übrigens eine meiner digitalen Leistungen, die ich neben dem „klassischem“ Lektorat anbiete. Ich kann auch die Aktualisierung der Installation übernehmen, mich um Plugins kümmern und Änderungen an der Struktur der Seite und am Design anbieten.

Schöne Feiertage!

Das Jahr 2016 steht kurz vor dem Aus. Für meine Selbstständigkeit als Freier Lektor gilt das glücklicherweise nicht. Das erste Jahr war spannend, lehrreich und hat mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Die Blogeinträge sind zum Ende hin spärlicher geworden. In diesem Fall ein gutes Zeichen: Ich komme kaum dazu, weil mir so viele Kunden ihre Texte anvertrauen. Darum wird der nächste Beitrag zu Apostrophen wohl erst im Januar erscheinen.

Ich wünsche auf diesem Weg allen, die ich nicht mehr persönlich erreiche, ein entspanntes, besinnliches Weihnachtsfest, einen guten Rutsch ins neue Jahr und eine erholsame Ferienzeit.

Ab dem 4. Januar widme ich mich dann wieder Texten, Fehlern, Blogs und Websites.

Lektorat für den moses. Verlag: Deutschland – das Quiz

Einer meiner ersten Kunden in diesem Jahr war der moses. Verlag, mit dem ich über eine Kollegin in Kontakt kam. Aktuell arbeiten wir schon wieder zusammen an einem neuen Projekt. Im Frühjahr war ich Lektor des jetzt erschienenen Deutschland-Quiz, einem Kartenfragespiel. Der moses. Verlag mit Sitz in Kempen vertreibt unter dem Motto „Schenken, spielen, staunen“ (Rätsel-)Spiele, Bücher, Papeterieartikel und Geschenkartikel.
Die Box des Rätselspiels - unausgepackt.

Den Kontext im Auge behalten

Beim Deutschland-Quiz ging es neben der üblichen Arbeit an Rechtschreibung, Grammatik und sprachlicher Vereinheitlichung auch viel um Recherche. Eine ganze Menge Namen tauchen auf – von Spielshows, Fußballern, Politikern und historischen Ereignissen. Apropos Politiker: Eine Frage beschäftigte sich mit Donald Trump und beschrieb ihn dem Wort „US-Möchtegernpräsident“. Die Texte sind irgendwann Anfang dieses Jahres oder Ende 2015 geschrieben worden – da war noch nichts gegen diese Wendung zu sagen. Während meines Lektorats im März deutet sich schon, dass man die Frage neutraler formulieren sollte. Nun ist aus Trump geworden, was er ist: ganz einfach ein US-Präsidentschaftskandidat.
Die Box des Rätselspiels - offen.

Die Anforderungen an ein Lektorat sind immer unterschiedlich

Darüber hinaus waren konkrete Fragen wichtig. Der Spielmodus erlaubt eine sofortige Antwort – noch bevor die Antwortmöglichkeiten überhaupt vorgelesen werden. Außerdem durften die Antworten nicht zu lang sein, damit sie ins Layout passten. Erst ganz am Schluss ging es dann an die Endkorrektur der schon gesetzten Karten. Wer einen Lektor engagiert, bucht also meist mehr als eine Rechtschreibprüfung – und jeder Bereich bringt andere Anforderungen und Kundenwünsche mit sich, die die Arbeit abwechslungsreich machen.

Eine Frage aus dem Rätselspiel.

Herzlichen Dank an den moses. Verlag für das Bereitstellen der Bilder und Spiele; das Spieldesign stammt von Silke Klemt. Das Spiel kann man für 17,95 Euro beim Verlag kaufen.

Akquiseerfahrungen: Ebay Kleinanzeigen

Seit ich mich selbst um Kunden bemühe, habe ich des Öfteren daran gedacht, über meine Erfahrungen in diesem Feld zu schreiben. Anstatt eine große Serie über den Einstieg in die (Lektoren-)Selbstständigkeit zu beginnen, fange ich erstmal kleiner an. Rosinenpickerei gewissermaßen.

Die erste Frage könnte lauten: „Ebay Kleinanzeigen? Warum?“ So hundertprozentig sicher bin ich bis heute nicht. Ich habe ab und zu Dinge darüber gekauft oder verkauft. Ich habe auch gesehen, dass dort Dienstleistungen angeboten werden. Zugegeben, nicht immer übermäßig seriös wirkend. Aber es schien mir wohl so, als ob es dort eine Menge potenzielle Kunden gäbe. Und kostenlos ist das Inserieren ja auch.

Ich hatte ein bisschen experimentiert und mich schließlich für eine Anzeige entschieden, in der ich als Bild einfach das Wort Korrektur in schwarz auf weiß gewählt hatte, anstatt auf Stockfotos mit Buntstiften, roten Finelinerkringeln o. Ä. zu setzen. Dazu ein freundlicher, werbender Text mit kurzen Infos und dem Verweis auf meine Seite. Irgendwelche zahlungspflichtigen Dienstleistungen, wie die Priorisierung meiner Anzeige, hatte ich für mich ausgeschlossen und auch nicht gebucht.

10 Anfragen in zwei Monaten – null Aufträge

Die Anzeigen liefen etwa zwei Monate, inzwischen habe ich sie auslaufen lassen. Die Bilanz: etwa 10–12 Kontaktaufnahmen und null Aufträge. Auffällig war die große Unverbindlichkeit: Die meisten Interessenten schrieben, ich antwortete – und hörte nie wieder etwas. Klarnamen gab es ohnehin nicht, ab und an eine Handynummer. Einmal habe ich nachgefragt – und wiederum keine Antwort bekommen. In einem Fall bin ich zu einem Treffen gefahren – es ging dabei um das Erstellen von Texten für einen Gartenmöbel-Shop. Die Besprechung lief gut, wir waren uns sympathisch. Aber nachdem ich meine Kalkulation übermittelt hatte, habe ich nicht mal mehr eine Absage bekommen.

Adjektive prägen Preisvorstellungen

Und genau da liegt der Knackpunkt. Harry Keller, den ich während der Typo Talks als Mitglied des News-Teams kennengelernt habe und der Mitbegründer einer Agentur ist, schreibt in seinem „Weekly Recap“ (Nr. 19), dass man ein Projekt im Gespräch mit dem Kunden niemals „Microsite“ nennen sollte, weil danach alle denken, dass so eine kleine Seite nichts kosten dürfe. Und das gilt eben nicht nur für Agenturakquise. Das Adjektiv klein gibt die Richtung vor. Wer in einem Portal wie „Ebay Kleinanzeigen“ sucht, der hat eine gewisse Erwartungshaltung. Nämlich Dinge gebraucht und günstig zu bekommen. Hätte ich eigentlich wissen können. Schließlich habe ich vor Jahren eine Studienarbeit zum Thema Preis- und Warenpsychologie geschrieben. Aber nichts ersetzt Feldversuche!

Es gibt immer noch viele Korrekturangebote auf „Ebay Kleinanzeigen“ und einige davon sind auch finanziell gestützt. Mag sein, dass die Kolleginnen und Kollegen die Hoffnung mögen. Ich denke, bei mir war es genau das. Werbung, die nichts kostet. Eine Art Eintrag ins Branchenbuch. Ich fand es angenehm, aufregend und irgendwie beruhigend, ab und an über „Ebay Kleinanzeigen“ angeschrieben zu werden. Da war immer dieser Moment: „Ha, diesmal klappt es vielleicht.“ Aber ich denke, man bekommt am ehesten die Kunden, die man umwirbt. Und in diesem Fall ist es die preisbewusste Zielgruppe mit Hang zum Sonderangebot. Akquise über „Ebay Kleinanzeigen“ funktioniert also am ehesten dann, wenn man seine Dienstleistung zum Schnäppchen macht. Falsche Richtung für mich.