Werner Bräunig: Gewöhnliche Leute

Gerade mitten in der Lektüre von Werner Bräunig – „Gewöhnliche Leute“, Erzählungen. Rummelplatz, sein Roman, kommt noch mit der Post. Die Erzählungen kreisen um ähnliche Fragen, sie arbeiten sich an ähnlichen Problemen, an gleichen Konstellationen ab. Meist geht es aus von einem Verhältnis oder einer Entwicklung zwischen Frau und Mann. Es gibt Ausflüge in die Natur, Probleme auf Arbeit, mit den Verfahren, der Planerfüllung. Trotzdem, auch wenn man kurz denkt: kenn ich doch schon, kommt wieder ein schmaler Zug, der etwas Neues einbringt. Besonders in den Arbeitsszenen reicht die Betrachtung, ohne dass es Bräunig propagieren würde, über das subjektive Einzelproblem hinaus. Immer geht es um das große Ganze, die Zukunft. Das Überindividuelle. Die Texte sind unglaublich nah an ihren Protagonisten und sie beziehen ihre Kraft allein aus der Darstellung der Personen. Abschweifungen oder längere Gedanken funktionieren hier weniger, man will weiter sein mit der Tätigkeit der Charaktere. Das alles kommt mit einer Art von realistischem Schreibverständnis daher, mit dem Abbild einer Lebenswelt: den Baustellen, den Baugruben, den Neubauten. Vieles wird ausgesprochen, manches angedeutet. Man merkt Bräunigs Texten an, dass er sie gelebt hat. Es gibt keinen aufgesetzten Recherchecharakter. Das alles kommt von ihm, aus der Erfahrung. Und ist dazu noch unaufdringlich gut geschrieben, einfach gut erzählt. Ich kann mir vorstellen, dass das manchem zu brav, zu wenig avantgardistisch, zu wenig Kunst ist. Mir ist es genug.

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