Das Wort "Wo" als Schrift in einer Steinfliese.

„Wo“ als relativischer Anschluss

Wer gerne Sätze baut, der kommt nicht darum herum Satzteile anzuschließen. Manchmal hat man dabei scheinbar mehrere Optionen: So kann es ein Zimmer geben, wo die Kranken liegen oder ein Zimmer, in dem die Kranken liegen. Gibt es hier stilistische Unterschiede? Wann sollte man wo vermeiden? Zur Zusammenfassung in der Karacho-Box.

Zunächst einmal die einfache Antwort: Wo als Orts- bzw. Frageadverb kann als relativischer Anschluss verwendet werden und ersetzt damit die Kombination von Präposition und Relativpronomen. Der Bezug kann sowohl räumlich als auch zeitlich sein. Dies ist der Park, wo wir uns kennenlernten (… in dem wir uns kennenlernten). Zu dem Zeitpunkt, wo ich die Schule verließ … (als ich die Schule verließ).
Nicht verwendet werden darf wo im Zusammenhang mit Substantiven, die sich auf Personen, Sachen oder Begriffe beziehen. In den folgenden Sätzen kann daher kein Anschluss mit wo erfolgen: Die Frau, die gestern vorbeikam. Der Müll, der auf der Straße liegt.

Stilistik: „wo“ bleibt unauffällig, „wobei“ macht sich rar

Stilistisch gibt es in den bereits genannten Fällen keine eindeutigen Empfehlungen. Ich selber empfinde gerade in zeitlichen Bezügen als oft passender. Letztes Jahr, als wir in den Urlaub nach Dänemark gefahren sind …
Die Verwendung als Pronominaladverb (wobei, wodurch), das aus wo und einer Präposition gebildet wird, gilt inzwischen meist nur noch als Aspekt gehobener Sprache und nimmt ab. Die unerlaubte Pause, bei der (wobei) ich erwischt wurde. Die Anzeige, durch die (wodurch) ich auf dich aufmerksam wurde.

Wenn das Bezugswort eine Person nennt, wird heute überwiegend mit Relativpronomen und Präposition angeschlossen: Der Mann, durch den ich von der Anzeige erfuhr.

Harte Fakten: Die Zusammenfassung am Karacho-Montag

Wo kann relativisch zum räumlichen oder zeitlichen Anschluss gebraucht werden. Das Haus, wo wir lebten. Es war das Jahr, wo wir heirateten.

Wobei und wodurch als Pronominaladverbien werden hingegen nur noch selten zum Anschluss benutzt: Eine Sache, bei der (wobei) man Angst haben muss. Das hier ist das Medikament, durch das (wodurch) ich wieder gesund wurde.

Bezieht sich der Anschluss auf eine genannte Person, findet inzwischen kein Anschluss mit Pronominaladverbien mehr statt: Dies ist der Pfarrer, durch den ich zum Glauben fand.

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