Der Hähn kräht am Morgen. Aber kräht er auch morgen? Wann wird morgen groß- wann kleingeschrieben? Text und Lektorat Christian Wöllecke

„Guten Morgen“ groß, „Bis morgen“ klein – das ist der Unterschied

Einmal wird Morgen großgeschrieben, ein anderes Mal schreibt man morgen klein. Aber wo genau liegt der Unterschied? Warum heißt es „Heute Morgen habe ich noch keinen Kaffee getrunken, aber morgen werde ich Kaffee trinken“? In diesem Blogbeitrag erläutere ich, wie die Rechtschreibung bei „morgen“ bzw. „Morgen“ aussieht.

Beide Schreibungen sind möglich, das sehen Sie in meinem Beispielsatz. Allerdings handelt es sich nicht um optionale Schreibweisen wie z. B. bei Fantasie/Phantasie. Man schreibt morgen klein oder Morgen groß, weil es sich bei den äußerlich identischen Formen um unterschiedliche Wortarten handelt. Das Substantiv der Morgen wird großgeschrieben. Bei der Kleinschreibung geht es um das Adverb morgen. Aber schauen wir uns beide Fälle genauer an.

Groß schreibt man das Substantiv „Morgen“

Mein Morgen war gut … Dieser Morgen hatte es in sich … Am Morgen komme ich nicht aus dem Bett – in all diesen Sätzen schreibt man Morgen groß, weil das Wort hier als Substantiv steht. Das erkennt man z. B. am Artikel – der Morgen. Aber auch an Präpositionen, also Wörtern, die vorangestellt sind und mit dem Artikel verschmelzen können: am (= an dem) Morgen . Darum schreibt man auch den Satz aus der Einleitung mit großem Morgen: Heute [also an diesem] Morgen, habe ich noch keinen Kaffee getrunken.
Dies gilt auch für Fügungen wie vom Morgen bis zum Abend oder eines Morgens.

Als Adverb schreibt sich „morgen“ klein

Anders verhält es sich, wenn man sagt: Ich komme morgens nicht aus dem Bett. Während es bei eines Morgens um eine bestimmte Zeiteingabe geht, bedeutet morgens hier, dass etwas regelmäßig der Fall ist.
Generell spielt der zeitliche Aspekt in der Unterscheidung eine Rolle. Man schreibt morgen klein, wenn man sich auf den nächsten Tag bezieht. Deshalb wird sie morgen anrufen. Es wird morgen früh wieder ein harter Morgen. Natürlich kann morgen aber auch für eine unbestimmte Zeit in der Zukunft stehen: Das ist die Technik von morgen!

Schreibt man „Morgen“ groß? Je nach Wortart!

Die Regeln und Fälle für ein klein- oder großgeschriebenes Morgen sind also sehr eindeutig. Wenn Sie sich unsicher sind, können Sie immer versuchen, ob das Wort mit einem Artikel im Satz funktioniert. Noch besser ist es natürlich, wenn Sie sich genau klar machen, was Sie aussagen wollen. Ich sage es dir morgen (irgendwann am nächsten Tag). Ich sage es dir gleich morgen früh (am nächsten Tag morgens). Aber: Ich sage es dir am Morgen (am nächsten Morgen).

Zusammenfassung

Man schreibt Morgen groß, wenn es sich um das Substantiv handelt, das mit Artikel oder Präposition steht: ein schöner Morgen; der Morgen kam langsam; es graute der Morgen; gleich am Morgen rufe ich an.

Man schreibt morgen klein, wenn es als (zeitliches) Adverb fungiert und z. B. eine Regelmäßigkeit ausdrückt: Morgen [Vormittag] rufe ich an; morgens rufe ich [regelmäßig] an; bis morgen.

Titelbild: David Brooke Martin on Unsplash

2 Gedanken zu „„Guten Morgen“ groß, „Bis morgen“ klein – das ist der Unterschied“

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